16.06.2015 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Fütterung
Einsparpotential bei Sojaschrot in der Schweinemast
Eine Schweinemast mit deutlich weniger Sojaschrot und einer geringeren Proteinzufuhr als üblich hat keine negativen Auswirkungen auf die Tageszunahmen der Tiere.

Das zeigen zumindest die Ergebnisse erster Praxisversuche auf zwei Schweinemastbetrieben, die vom World Wide Fund for Nature (WWF) in Auftrag gegeben wurden. Erstmals vorgestellt wurden die Resultate am vergangenen Mittwoch auf der WWF-Fachtagung „Nachhaltigkeit in der Schweinefütterung - Strategien und Komponenten“ in Münster.

Laut Darstellung von Markus Wolter, WWF-Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung, können Landwirte durch sojaschrotreduzierte Fütterungsstrategien aktiv dazu beitragen, dass Deutschland weniger Soja importiert und so der Druck auf die Anbauflächen in Südamerika sinkt. Die Versuchsergebnisse zeigten eindrücklich, dass mehr Nachhaltigkeit in der Schweinefütterung machbar sei. Ein weiterer positiver Effekt sei, dass heimisch angebaute Leguminosen und Raps gentechnikfrei seien, betonte Wolters. Zudem profitiere die heimische Landwirtschaft bei deren Anbau von der Vielzahl ihrer positiven Ökosystemleistungen.

Partnerschaft mit EDEKA

Zwei Betriebe testeten in ihrer Schweinemast Fütterungsstrategien aus der WWF-Futtermittelstudie „Alternativen zu importierten Sojaerzeugnissen in der Schweinefütterung“. Dabei reduzierten sie nach Angaben der Umweltorganisation den Anteil von Sojaschrot erheblich; einer der beiden Betriebe habe die Ration von 41 kg auf knapp 7 kg pro Mastschwein verringert. Als Ersatz seien Rapsschrot und Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen zum Einsatz gekommen. Ab einem Lebendgewicht der Schweine von 50 kg bis zum Endmastgewicht von 120 kg sei das Futter sogar komplett sojaschrotfrei gewesen.

Sowohl die Futtermittelstudie über Alternativen zu Sojaschrot in der Schweinemast als auch die Praxisversuche sind laut WWF das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Handelskette EDEKA zum Thema Soja im Rahmen einer „Partnerschaft für Nachhaltigkeit“. EDEKA setze sich beim Einsatz von Futtermitteln in der Schweine-, Rinder- und Geflügelernährung für eine Umstellung auf heimische beziehungsweise europäische Futtermittel - wie zum Beispiel Rapsschrot und Leguminosen - oder auf gentechnikfreies Soja ein.

Indirekter Stickstoffimport

Wie der WWF außerdem feststellte, hat sich die weltweite Sojaproduktion in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt, und das mit steigender Tendenz. Soja werde überwiegend in nicht nachhaltig bewirtschafteten Monokulturen angebaut, was vielfältige negative Auswirkungen auf die Umwelt habe. So würden beispielsweise wertvolle Ökosysteme wie Wälder und Savannenlandschaften in den südamerikanischen Anbauländern zerstört. Allein durch die Verfütterung von Sojaschrot würden jährlich mindestens 304 000 t Stickstoff und 26 600 t Phosphor nach Deutschland importiert, so die Umweltorganisation. Im Zusammenspiel mit einer intensiven Nutztierhaltung mit großen Tierbeständen bei zu knapper landwirtschaftlicher Nutzfläche könne dies zu einem Überschuss an stickstoffhaltiger Gülle führen.

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