28.02.2014 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Schweinehalter unter Druck
Die Schweinehalter in Deutschland sehen sich momentan durch rückläufige Schweinepreise, kostspielige Umwelt- und Produktionsauflagen sowie die kritische Öffentlichkeit in die Zange genommen.

Das ist bei der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) vergangener Woche in Osnabrück deutlich geworden. „Der politische Wind ist weiter rau und schlägt uns insbesondere aus grünen Landwirtschaftsministerien vom Schwarzwald bis zur Nordsee entgegen“, stellte der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes vor den rund 400 Teilnehmern fest.

Strengere Auflagen

Von der Änderung des Baugesetzbuches über Auflagen von Haltungsbedingungen bis hin zu Verschärfungen der Düngeverordnung mit totaler Kontrolle der Nährstoffströme durch ein Düngekataster - die Themen der grünen Agrarminister seien überall die gleichen. Dierkes kritisierte in diesem Zusammenhang den Widerspruch zwischen teuren Umwelt- und Tierschutzanforderungen auf der einen Seite und dem Idealbild vom kleinen bäuerlichen Familienbetrieb, der sich all dies kaum leisten könne.

Eingehend auf die aktuellen Probleme mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vertrat der ISN-Vorsitzende die Ansicht, dass die Ansteckungsgefahr in Deutschland durch die neuerlichen Fälle in Litauen und Polen nicht unbedingt grösser geworden sei. Trotzdem rief er die Schweinehalter dazu auf, alle bekannten hygienischen Massnahmen in den Betrieben zu ergreifen, damit dies auch so bleibe.

Mit Blick auf das aktuelle Preisgeschehen kritisierte ISN-Geschäftsführer Torsten Staack das Marktverhalten einiger Akteure, „weil sie mit ihrem eigensinnigen Agieren die ganze Marktsituation noch weiter verschärfen und die Abwärtsspirale in der Preisfindung so beschleunigen“.

Schweinefleisch darf nicht zur Zigarette von morgen werden

Neben der aktuell schwierigen Marktsituation haben die Schweinehalter auch mit der Darstellung ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit zu kämpfen. ISN-Marktexperte Matthias Quaing stellte hierbei eine grosse Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit auf der Seite der Verbraucher fest. Diese würden zwar oft angeben, für eine tiergerechtere Haltung auch mehr zahlen zu wollen, dochmehr als 80%der Konsumenten achteten beim Einkauf laut Umfragen primär auf den Preis.

Der für die Lieferkette und Qualitätssicherung in Deutschland zustände McDonalds-Manager Rudolf Ringhofer betonte, dass in seinem Unternehmen versucht werde, dem Kundenwunsch nach Qualität und Regionalität ohne Preisdumping zu entsprechen. Er verwies darauf, dass entsprechend dieser Firmenphilosophie rund 80 % aller verwendeten Zutaten aus Deutschland stammten.

Gewisse Kommunikationsprobleme der Tierhalter und der Fleischbranche machte der Inhaber und Geschäftsführer des Wurstherstellers Rügenwalder Mühle, Christian Rauffus, geltend. „Wir können in der Tierhaltung nicht mehr kommunizieren, dass bei uns alles in Ordnung ist, sondern viel eher, wir haben verstanden und machen uns auf dem Weg“, betonte der Wurstfabrikant und warnte davor, „dass Schweinefleisch nicht die Zigarette von morgen wird“.

Geschlossene Kommunikation der Branche gefordert

Auch ISN-Beirat Carsten Spieker mahnte eine verbesserte Darstellung der gesamten Fleischwirtschaft an: „Wir brauchen eine geschlossene Kommunikation der Branche mehr und dringender denn je.“ Als einen richtigen Weg, um die Akzeptanz der Verbraucher wieder zu erhöhen, sieht Dierkes in der von der gesamten Wertschöpfungskette Fleisch gestarteten Initiative zum Tierwohl.

Bei dieser würden vom Erzeuger bis zum Lebensmitteleinzelhandel alle mitmachen, um in der Breite das Tierwohl zu verbessern, ohne dass dabei die Schweinehalter allein auf den Kosten sitzen blieben.

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