24.06.2014 09:28
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: „Ringelschwanz-Prämie“ stösst auf Kritik
Die Pläne des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer, eine Prämie für unversehrte und gesunde Ringelschwänze von Schweinen einzuführen und auf diesem Weg den Tierschutz in den Ställen voranzubringen, stossen in der Branche auf massive Kritik. Der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) wertete das Vorhaben Ende vergangener Woche als „unverantwortlich“.

Der Minister mache es sich zu einfach, wenn er meine, es müssten nur die Haltungsbedingungen angepasst werden, um das Schwanzbeissen bei Schweinen zu verhindern. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen sei dringend davor zu warnen, von heute auf morgen das Kupieren einzustellen. Ein Verzicht auf die gängige Praxis berge „ein hohes Risiko sowohl hinsichtlich des Tierschutzes als auch hinsichtlich des wirtschaftlichen Schadens“.

Prämie „blanker Aktionismus“

Interessierten Betrieben sei anzuraten, sich mit einzelnen Buchten oder Abteilen an den Kupierverzicht „heranzutasten“. In jedem Fall sollten von vornherein ein Tierarzt und ein produktionstechnischer Berater hinzugezogen werden. Aus Sicht der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) betreibt Meyer mit der Prämie „blanken Aktionismus“. Der agrarpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Hermann Grupe, zeigte sich schockiert angesichts der Pläne.

Wie die ISN hervorhob, gibt es derzeit keine sicheren und allgemeingültigen Lösungen, um das Schwanzbeissen zu vermeiden. Dieses könne trotz aller Vorsicht vorkommen - und zwar unabhängig von der Haltungsform, der Betriebsgröße und der Art der Bewirtschaftung. Daher wäre ein schrittweises Vorgehen der verantwortungsvollere und zielführendereWeg, betonte die ISN.

Forschungsergebnisse abwarten

Das zeigten alle Untersuchungen zum Thema. Auch Grupe verwies auf die seiner Einschätzung zufolge bestehende Gefahr, dass zahlreiche Tiere durch Bisse schwer verletzt werden. Solange nicht erforscht sei, wie Kannibalismus auch ohne das Kürzen des Schwanzes vermieden werden könne, sei der Verzicht auf das Kupieren aus Sicht des Tierschutzes unverantwortlich.

Wie Meyer kurz zuvor erläutert hatte, sollen durch die Prämie die Mehraufwendungen für notwendige Anpassungsmassnahmen, etwa den Einsatz von Beschäftigungsmaterial, mehr Platz im Stall und eine intensive Betreuung, für die Landwirte ausgeglichen werden.

Prämie von bis zu 18 Euro pro Tier

Die Prämie, für die Gelder des Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Förderung der ländlichen Entwicklung (ELER) angezapft werden sollen, könne nach Berechnungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen 16 Euro bis 18 Euro je Tier betragen. Gezahlt werde aber nur, wenn der Betrieb bei allen Schweinen eines Durchgangs auf das Abschneiden des Schwanzes verzichte, erläuterte der Minister.

Ferner werde darauf geachtet, dass nicht mehr als 30 Prozent der Tiere Verletzungen aufwiesen. Ansonsten gebe es auch für die gesunden Schweine keine Prämie. Diese werde nämlich „für unversehrte Schweineschwänze gezahlt, nicht für den Verzicht auf das Kupieren“, stellte Meyer fest.

Auch in Nordrhein-Westfalen bemüht man sich derzeit um einen Verzicht auf das routinemässige Schwänzekürzen. Eine entsprechende organisationsübergreifende Beratungs- und Informationsinitiative wurde vergangene Woche in Essen gestartet.

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