19.01.2016 08:42
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Bauern verkaufen „Protestbratwürstchen“
Schweinehalter im deutschen Bundesland Baden-Württemberg haben bei einem Aktionstag des Landesbauernverbandes (LBV) unter dem Motto „Wir machen Ihre Wurst. Aber bitte nicht zu diesem Preis“ am Dienstag vergangener Woche Bratwürstchen zum Erzeugerpreis von 12 Cent (13 Rp.) verkauft.

Mit der Aktion, deren Erlöse an das Kinderhospiz in Stuttgart gingen, seien die Konsumenten in vielen Städten über die schwierige Situation der schweinehaltenden Familienbetriebe im Ländle informiert worden, teilte der Landesbauernverband mit.

Dessen Vizepräsident Hans-BennoWichert erklärte: „Rechnetman den Preis, den ein Tierhalter für ein Mastschwein erhält, auf eine Bratwurst mit 100 g um, so entspricht das einem Preis von 12 Cent je Wurst.“ Das sei völlig unzureichend und passe auch nicht mit den hohen Ansprüchen im Tier- und Umweltschutz zusammen, betonte Wichert. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in den vergangenen vier Jahren in Baden-Württemberg über 30 Prozent der Sauenhalter die Ferkelerzeugung aufgegeben hätten und die Zahl der Schweinehalter insgesamt um 600 auf nur noch 2'700 Betriebe gesunken sei.

Der LBV-Vizepräsident stellte unmissverständlich klar: „Um die Schweinefleischerzeugung im Land zu erhalten, sind höhere Erlöse für die Familienbetriebe dringend notwendig.“ In der Pflicht sieht Wichert dabei auch den Handel. Wenn die Vielzahl an Umfragen stimme, dann sei der Konsument bereit, an der Fleischtheke oder im Kühlregal für einen hohen Standard und Produkte aus der Region mehr zu bezahlen.

Dieses scheinbar vorhandene Potential müsse der Detailhandel noch konsequenter erschliessen. Wichert betonte, „wir suchen den Dialog mit den Konsumenten, um das Vertrauen in die Nutztierhaltung zu stärken und für den Kauf qualitativ hochwertigen Schweinefleisches aus Baden-Württemberg zu werben“. Den Schweinen gehe es gut, und landwirtschaftliche Nutztiere seien nirgendwo besser aufgehoben als in den bäuerlichen Familienbetrieben. Das müsse sich allerdings auch in einem auskömmlichen Preis für die Tierhalter widerspiegeln.

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