18.10.2020 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - bki
Markt
Bauern fordern fixe Prämie
Die Labelschweineproduzenten wollen für ihre zusätzlichen Leistungen entschädigt werden, und sie wollen mehr Transparenz im IP-Suisse-Schweinemarkt. Dies fordern sie von Migros, Coop und IP-Suisse.

Für immer weniger Geld müssen die Labelproduzenten mehr leisten (grösseres Platzangebot, unangemeldete Kontrollen durch den Schweizer Tierschutz (STS) und zusätzliche Anforderungen im Bereich Biodiversität). Nun wehren sich die Schweinehalter und lancierten eine Petition. Darin fordern sie Migros, Coop und IP-Suisse auf, für «faire Bedingungen» im Labelmarkt zu sorgen (siehe Kasten). 

550 Unterschriften

Schweineproduzent Urs Haslebacher aus Lohnstorf BE ist der Verfasser der Petition. Er versendete diese Ende September an rund 3000 Schweizer Schweineproduzentinnen und -produzenten. Nach einer Woche kamen gut 550 Unterschriften zusammen. In der vergangenen Woche (am 5. Oktober) schickte Haslebacher die Petition an Migros, Coop und IP-Suisse. «Gerne erwarten wir bis am 20. Oktober 2020 Ihre schriftliche Stellungnahme zu unseren Anliegen und zum weiteren Vorgehen. Für Gespräche sind wir jederzeit offen», steht am Schluss des Textes. 

Forderungen der Produzenten

Einbezug der IP-Suisse-Fachgruppe Porc in die Gespräche mit den Abnehmern.     

  • Festlegung einer transparenten und verbindlichen Mengen- und Absatzplanung im IP-Suisse-Schweinemarkt.
  • Festlegung einer kostendeckenden und fixen Labelprämie. Die Höhe der Label-Prämie richtet sich nach den geforderten Mehrleistungen: ab 1.1.2021 50 Rp. /kg SG.
  • Absatzförderung von Schweine-Labelfleisch. Was die Gesellschaft bestellt, muss den Konsumenten auch verkauft werden können. Alle müssen auf ihrer Stufe die Verantwortung übernehmen. 

Tiefe Prämie

Die IP-Suisse-Labelprämie ist unter Druck und beträgt seit rund einem Monat unterdurchschnittliche 25 Rp. Die Prämie bewegt sich zwischen 20 bis 40 Rp. und wird je nach Marktsituation angepasst. Durchschnittlich betrug sie in den letzten drei Jahren 29 Rp.

Die aktuelle Labelprämie sei nicht im Sinn einer gerechten Abgeltung der zusätzlichen Leistungen und würde demotivierend wirkend, steht im Petitionstext. «Die Mengen- und Absatzplanung der Abnehmer ist für die betroffenen Schweinehalter intransparent und wenig verlässlich», heisst es weiter. 

Sinkender Konsum

Konsumentinnen und Konsumenten  sowie Politikerinnen und Politiker fordern immer lauter mehr Tierwohl. Doch beim Schwein ist auf Stufe Fleischverkauf nur rund 30% Prozent der Menge mit einem Label zertifiziert. Und dies, obwohl 65% aller in der Schweiz lebenden Schweine in BTS-Ställen gehalten werden und 50% der Tiere regelmässigen Auslauf haben. bki

Unmut ist gross

In der Kommentarspalte der Petition begründen die Schweineproduzenten ihre Unterschrift. «Wir brauchen eine Labelprämie von mindestens 50 Rp., ansonsten werden wir uns gegen die Labelproduktion entscheiden», ist zu lesen. Oder: «Migros und Coop lassen sich das Fleisch durch den Bund verbilligen.» Denn ohne BTS- und Raus-Beiträge sei die Labelschweineproduktion ein Verlustgeschäft, schreibt einer der Unterzeichnenden. 

Das sagen Migros, Coop und IP-Suisse

Urs Haslebacher initiierte eine Petition, in der Migros, Coop und IP-Suisse aufgefordert werden, für «faire Bedingungen» im Labelmarkt zu sorgen. «Gerne erwarten wir bis am 20. Oktober 2020 Ihre schriftliche Stellungnahme zu unseren Anliegen», steht am Ende des Textes. Migros und Coop würden den Schweineproduzenten antworten, heisst es auf Anfrage. Auch IP-Suisse will Haslebacher bis zum 20. Oktober schriftlich antworten. «Von den Unterzeichnenden des Briefes sind knapp die Hälfte IP-Suisse-Schweineproduzenten. Haslebacher ist aktives Mitglied der Fachgruppe ‹IPS-Schweine›, die bis heute mehrmals tagte. Über die im Brief gestellten Forderungen sei in der Fachgruppe bereits mindestens einmal diskutiert worden und wo nötig seien sie zu einem grossen Teil verabschiedet worden», sagt IPS-Geschäftsführer Fritz Rothen. bki

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