23.07.2020 15:08
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
400'000 Schweine in Warteschleife
Vergangene Woche hat Tönnies den grössten Schlachthof Deutschlands wiedereröffnet. Trotzdem haben die Bauern Probleme, Abnehmer für ihre Schweine zu finden. 400'000 Tiere befinden sich in einer Warteschleife.

Rund vier Wochen war der Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück geschlossen. Dies deshalb, weil sich 1400 Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert hatten.

Nur Teil-Kapazität

Vergangene Woche wurde der Schlachthof wieder hochgefahren. Am Ende der ersten Schicht waren rund 8000 Tiere geschlachtet worden. «Das ist das Maximale, was eine Schicht schaffen kann», sagte ein Konzernsprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Tönnies schlachtet am Hauptsitz im Normalbetrieb pro Tag je nach Marktlage zwischen 20'000 und 25'000 Schweine. 30'000 sind von den Behörden genehmigt. In Rheda-Wiedenbrück werden im Normalbetrieb 12 bis 14 Prozent der deutschen Schweine geschlachtet. Durch den Produktionsstopp in Deutschlands grösstem Schlachtbetrieb nach einem Corona-Ausbruch hatte sich ein Stau bei den Schweinemästern gebildet. 

Stau immer grösser

Und dieser Stau wieder immer grösser, wie die Nachrichtenagentur afp berichtet. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf einen Artikel in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» von Donnerstag. Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), sagte, dass immer mehr Schweine die Schlachtreife erreichen, aber nicht wie geplant in den Schlachthof überführt werden können.

«Wir bauen derzeit also sogar noch weitere Überhänge auf. Unter dem Strich reden wir derzeit über etwa 400’000 Schweine, die noch immer quasi in der Warteschleife stehen», mahnte Staack an. Weil auch andere Schlachthöfe ihre Kapazitäten nicht auf 100 Prozent hochgefahren haben, bleibt die Lage angespannt.

Gemäss dem «Weser-Kurier» werden in Deutschland pro Woche um die 970’000 Schweine geschlachtet, rund 110’000 davon bei Tönnies. Aufgrund der Schliessung bei Tönnies sanken wegen eines Überangebots die Preise für das Schlachtvieh. Zudem stiegen die Haltungskosten, weil die Tiere länger im Stall standen. Weil bei den Mastbetrieben die freien Stallplätze fehlten, fanden die Züchter keine Abnehmer für die Ferkel.

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