5.03.2015 14:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Jacqueline Graber
Bern
Ziegen laufen Kühen den Rang ab
Vor rund zwei Jahren haben Urs und Therese Bärtschi aus Ranflüh BE mit der Ziegenzucht angefangen. Mittlerweile beträgt der Bestand der Geissen rund 120 Stück. Und Sohn Silvano kann alle Tiere beim Namen nennen.

«Ich mag Ziegen lieber als Kühe. Kühe sind mir zu mächtig», sagt Therese Bärtschi, während sie eine Geiss am Kopf krault. Sofort eilen andere Ziegen hinzu, um sich die wohltuende Streicheleinheit nicht entgehen zu lassen. Doch zum Glück hat die Bäuerin Unterstützung dabei.

«Das ist Alice», sagt Sohn Silvano, der ebenfalls mit Streicheln beschäftigt ist. Der 12-Jährige ist, wie seine Eltern Therese und Urs, ein begeisterter Ziegenzüchter. Täglich hilft er im Stall mit, und für ihn ist jetzt schon klar: «Ich möchte zuerst die Ausbildung zum Milchtechnologen machen und danach eine landwirtschaftliche Lehre absolvieren.»

Viehbestand reduziert

Bevor die Bauernfamilie im Jahr 2013 den elterlichen Betrieb von Urs Bärtschi im emmentalischen Ranflüh übernommen hat, bewirtschafteten sie den Bauernhof gemeinsam mit dem Bruder von Urs. «Damals hatten wir schon sechs Ziegen», so Therese Bärtschi. Mit der Milch der Geissen habe man die Kälber getränkt. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Milch anders zu verwerten, sei man auf die Käserei Guggisberg, Gohl, gekommen, erzählt Therese Bärtschi. Nach und nach wurde der Bestand der Geissen aufgestockt, im Gegenzug der Viehbestand von 16 Kühen und 20 Gusti auf 10 Kühe reduziert. Der freie Platz im Stall wurde ziegengerecht umgebaut.

Mittlerweile besitzt das Ehepaar 90 Brienzer, 5 Toggenburger Ziegen sowie rund 25 Gitzi. «Und alle Tiere haben einen Namen», sagt Silvano und zählt auf: Himalaya, Esmeralda, Albula, Verzasca. «Er kennt sie alle mit Namen», stellt Therese Bärtschi fest und fügt hinzu: «Als wir mit der Ziegenzucht begonnen haben, hat Silvano gemeinsam mit seinem Schulfreund Max eine Toggenburger Ziege gekauft.» Die Buben hätten eigens dafür ihr Sackgeld gespart. 300 Franken habe sie gekostet, erinnert sich Silvano. Doch leider lebe Xena nicht mehr. Als sie im letzten Jahr zur Sömmerung auf einer Alp im Oberland gewesen sei, sei Xena abgestürzt.

Zur Sömmerung auf Alp

Die Ziegen sind in verschiedenen Ställen rund um den Hof untergebracht. Jetzt zur Frühlingszeit werden die tragenden Ziegen, die bald gitzlen, zusammen in einem Stall gehalten. Ebenfalls die Gitzi sind separat eingestallt. «Rund 25 Gitzi behalten wird jeweils und geben die Tiere zur Sömmerung auf die Alp Buhus, Trubschachen, zur Familie Aeschlimann», erklärt Urs Bärtschi. Der Rest der Jungtiere wird mit Kuhmilch gemästet und anschliessend geschlachtet. 

«Auf die Osterzeit ist die Nachfrage nach Gitzifleisch gross», weiss der Landwirt. Dass bei Bärtschis Brienzer statt weisse Geissen grasen, begründet Therese Bärtschi so: «Die Brienzer ist robuster und  resistenter gegen Krankheiten als die weisse Ziege.» Zudem, gesteht die Bäuerin, würden ihr die Braunen auch optisch besser gefallen.

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