20.06.2013 06:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Wolf
«Mehr Geld für Herdenschutz»
Nach dem Nicht-Abschuss des Wolfes M35 stellt sich die Frage, ob das Konzept Wolf des Bundes noch genügt. «Ja», sagt das Bundesamt für Umwelt. «Nein», finden der Bauernverband und die Walliser Behörden.

Der Wolf, der im Wallis kürzlich 28  Schafe gerissen hat, wird nicht zum Abschuss freigegeben. Die Schafe seien nicht genügend geschützt gewesen, teilte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Freitag mit. Rebekka Reichlin, Informationsbeauftragte des Bafu,  erklärt: «Die 200 Schafe weideten in einem baumbesetzten, unübersichtlichen Areal, und ein Teil der Herde konnte während mehrerer Tage nicht eingepfercht werden. Der Herdenschutzhund verlor den Überblick, der Wolf hatte ein leichtes Spiel.» Die Schafhalter seien leider ungenügend beraten gewesen.

Wallis fordert mehr Geld

Das Konzept Wolf des Bundes – Abschuss erst, nachdem alle Massnahmen zur Schadensvermeidung getroffen wurden – habe nicht versagt, betont Reichlin. Auch an den Schutzmassnahmen werde nichts geändert: «In landwirtschaftlichen Nutzflächen müssen in erster Linie betriebliche Massnahmen ergriffen werden. Darunter fallen etwa Elektrozäune. Im Sömmerungsgebiet fördern wir insbesondere den Einsatz von Herdenschutzhunden. Diese sind und bleiben für die Bauern aber freiwillig.»

Für den Schweizerischen Bauernverband (SBV) ist das Vorgehen des Bafu im Fall des Walliser Wolfes unverständlich und das Konzept Wolf untauglich: «Der Fall zeigt, dass es der heutigen Situation nicht mehr genügt und grundsätzlich überprüft werden muss.» Der SBV fordert die Behörden deshalb auf, jetzt rasch zu handeln.

Auch von der Walliser Regierung gibts Kritik am Bafu. Sie verlangt unter anderem eine massive Erhöhung der finanziellen Mittel für einen umfassenden Herdenschutz. Falls diese nicht gesprochen würden, seien eine restriktive Wiederansiedelungspolitik der Grossraubtiere sowie flexible Abschusskriterien für die nicht schützbaren Gebiete anzustreben.

Kosten zulasten des Bundes steigen

Der Walliser Ruf nach mehr Geld wird wohl erfüllt werden, denn der Herdenschutz wird gegenwärtig neu geregelt. Künftig soll er laut Reichlin nicht mehr regional, sondern schweizweit einheitlich umgesetzt werden. «Deshalb werden künftig auch die Kosten zulasten des Bundes steigen.»

Auf welchen Betrag, ist noch unklar. Zuerst muss der Bundesrat definieren, welche Herdenschutzmassnahmen künftig gefördert werden. Das soll mit der laufenden Revision der Jagdverordnung geschehen

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