1.04.2020 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Bern
Jeder Pate bekommt eine Wurst
65 Ziegen sind bei Jrene und Thomas Mumenthaler in Heimisbach BE eingestallt. Sie bieten Patenschaften für die Tiere an. Für jede Gotte und jeden Götti gibts ein Foto des Tieres, eine Ziegenwurst, eine Urkunde und das «Besuchsrecht».

«Möchten Sie eine Patenschaft für unsere Ziegen übernehmen?», diese Frage wird dem Leser auf  der  Internetseite vom Geissenhof Sürisguet gestellt. Daneben das Foto einer Ziege,  die keck in die Kamera schaut. Die Idee für die Patenschaft hatte Jrene Mumenthaler. Sie betreibt mit ihrem Ehemann Thomas den Geissenhof Sürisguet im Heimisbach.

«Mein Mann war zu Beginn vom Einfall nicht sonderlich begeistert», erzählt Jrene Mumenthaler am Telefon. Doch mittlerweile habe er Freude. Er sei es auch, der die Tiere  schön herausputze und fotografiere. Denn jeder Pate bekommt ein Foto von «seiner» Ziege oder von «seinem» Gitzi. Zusätzlich gibts  eine Urkunde und eine schmackhafte Ziegentrockenwurst.  

Kostenpunkt für ein Jahr: 100 Franken,  respektive bei einem Zicklein die ersten 12 Monate 125 Franken, ab dem zweiten 100 Franken. Mitspracherecht hat der Pate nicht. Will heissen: Er kann nicht Einfluss nehmen auf den Schlachttermin ebenso bei einer Erkrankung des Tieres. Stirbt oder wird eine Geiss während der Dauer der der Patenschaft gemetzget,  so geht die Patenschaft automatisch an ein anderes Tier weiter.  

Eine Gruppe Männer

Das Angebot gibt es seit gut zwei  Jahren, während dieser Zeit gab es rund 30 Patenschaften. Dabei komme es immer wieder zu schönen Begegnungen, sagt die Mutter zweier erwachsener Söhne. Denn wer möchte, kann auf Voranmeldung zu Besuch kommen. So erinnert sich Jrene Mumenthaler an   die Gruppe junger Männer,  die vom äussersten Zipfel im Kanton Solothurn, nahe der Grenze von Basel-Land, anreisten. Sie haben einem Kollegen zum Geburtstag eine Patenschaft geschenkt. «Wir hatten einen lustigen Nachmittag.»

Absolutes Lieblingstier

«Bei der Patenschaft der Zicklein dürfen die Leute den Namen selbst auswählen», erklärt Jrene Mumenthaler, die als KV-Angestellte  90 Prozent  bei einer Versicherung arbeitet. Heuer sei der Buchstabe M an der Reihe. Mulundru, Maiglöggli und Mimösli haben bereits eine Gotte oder einen Götti.  Dass zwei der Tiere einen Pflanzennamen  tragen, freut Jrene Mumenthaler besonders. «Sie stammen alle aus der Linie von Blümli.» 

Und Blümli, so erzählt die Bäuerin, war die  absolute Familien-Lieblingsziege. «Für uns war klar, dass wir wegen den Kosten nie eine Ziege ins Tierspital bringen würden.» Bei Blüemli war es anders. «Leider musste sie während der Operation eingeschläfert werden.»

Insgesamt  65 Ziegen sind im Sürisguet  eingestallt, davon 5 Böcke. Der Hauptanteil sind Oberhasli-Brienzer. Auch einige Kupferhals-, Toggenburger- und Bündner Strahlenziegen gehören zur Herde. Regelmässig nehmen Mumenthalers mit ihren Tieren an Schauen teil und mischen vorne mit.  Blüemli wurde einst sogar Miss Schöneuter. 

Landjäger und Käse

Die Milch, im letzten Jahr rund 9500 Kilo, geht an die Käserei Gohl AG, wo sie zu Käse verarbeitet wird.  Geschlachtet wird in zwei verschiedenen Metzgereien. Dort wird das Fleisch zu Landjägern, Trockenfleisch und Wurst verarbeitet. Mit dem Käse und den Fleischprodukten sind Jrene und Thomas Mumenthaler das ganze Jahr hindurch an Märkten anzutreffen.  Das Geschäft läuft.  «Doch es brauchte enorm viel Überzeugungsarbeit, damit die Leute auf den Geschmack kamen», so die 51-Jährige.  Der Aufwand hat sich gelohnt, viele Kunden bestellen mittlerweile auch im Online-Shop. 

Trotz guten Verkaufszahlen wird das Ehepaar  demnächst ihren Ziegenbestand reduzieren. Dies aus tragischem Grund:  Thomas Mumenthaler verunfallte im Dezember 2016 beim Holzen schwer, drei Tage lang war unklar, ob er überleben wird. An dieser Stellte stockt  die Stimme der Bäuerin. «Es ist schwer, darüber zu sprechen.» 

Weniger Tiere

Zum grossen Glück überlebte Thomas Mumenthaler; seither ist er jedoch körperlich eingeschränkt und kämpft jeden Tag tapfer gegen die Schmerzen.  «Uns hat die IV einen Melkstand finanziert, seither geht das Melken viel einfacher», so Jrene Mumenthaler. Doch das Problem sei das Misten, dies gehe vom Platz her nur mit der Schubkarre. Aus diesem Grund wird peu à peu die Tierzahl  auf 25 Stück reduziert. Eine Änderung gibt es auch bei den Milchkühen. Geplant ist die Umstellung auf Mutterkuhhaltung. 

www.mumisgeissenhof.ch

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