14.06.2015 12:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Grossraubtiere
Immer mehr Wölfe ziehen in die Schweiz
In Nidwalden und Uri ist höchstwahrscheinlich ein Wolf unterwegs. Gemäss Raubtierexperte Ralph Manz wird die Zahl der Wölfe in der Schweiz weiter zunehmen.

Bei der Isleten in Uri hat ein Autofahrer gemäss «Zentralschweiz am Sonntag» mutmasslich einen Wolf fotografiert. Das Foto entstand vergangene Woche in der Nacht auf Donnerstag in der Nähe von bewohnten Häusern. Eine Nacht später wurden in Emmetten, Nidwalden, acht Schafe gerissen. Nun soll eine DNA-Analyse der Schafe zeigen, ob es sich beim Raubtier tatsächlich um einen Wolf handelt. Doch schon jetzt gehen Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus. So auch Ralph Manz, der das Schweizer Wolfs-Monitoring bei der Raubtierforschungsstelle Kora im Auftrag des Bundes leitet.

Noch mehr Wölfe kommen

«Es ist davon auszugehen, dass es in den Schweizer Alpen in Zukunft noch mehr Wölfe geben wird», sagt Manz im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag». Alle in der Schweiz lebenden und gesichteten Wölfe würden aus der italienischen Population stammen, die von der italienischen Halbinsel bis zu den französischen Alpen reiche. In den vergangenen vierzig Jahren habe sich deren Verbreitungsgebiet nach Norden verschoben. «Heute leben in den piemontesischen und französischen Alpen schätzungsweise 35 Wolfsrudel», so Manz. Ein Wolfsrudel habe pro Jahr im Schnitt vier Junge. Die Jugendsterblichkeit infolge Krankheiten, Hunger- und Verkehrstod könne je nach Situation bis zu 50 Prozent betragen. Dazu kommt die Wilderei. «Von den überlebenden Jungwölfen gründen einige in Italien oder Frankreich ein neues Rudel, und andere tauchen in der Schweiz auf», fügt er an.

Wolf ist nicht böse

Es bestehe trotzdem kein Anlass zur Besorgnis. Das Bild vom bösen, gefährlichen Wolf sei kulturgeschichtlich bedingt. Für Bergbauern sei früher eine gerissene Geiss oder ein getötetes Schaf existenzbedrohend gewesen. «Es gibt nicht den bösen oder den guten Wolf. Er ist ein Tier wie jedes andere, das sich ernähren und fortpflanzen will», fügt er an.

Die Schweiz ist eines der am dichtesten besiedelten Länder weltweit. Hat es Platz und Nahrung für Wölfe? Manz: «Ja. Der Wolf ist sehr anpassungsfähig, was den Lebensraum betrifft. Alles, was er braucht, sind genug Beutetiere und Ruhe, um die Jungen grosszuziehen. Die Alpen und der Jura mit den hohen Wildtierbeständen bieten in der Schweiz geeigneten Lebensraum für Wölfe. Dazu zählt auch die Zentralschweiz.»

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