5.12.2016 09:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Bern
Herde soll auf 100 Ziegen wachsen
Noch sind bei Urs Hofstetter vier Milchkühe eingestallt. Doch nicht mehr lange: Der Landwirt will nur noch Ziegen halten.

Vor drei Jahren hat Urs Hofstetter aus Mont-Tramelan BE den Betrieb seines Vaters Heinrich übernommen. Die Ziegenherde wurde in dieser Zeit stetig grösser, die Milchkühe dagegen weniger. Sein Käser aus Le Fuet, der nebst der eigenen Kuhmilch auch Hofstetters Ziegenmilch zu Halbhartkäse verarbeitet, konnte aber nicht noch mehr Milch entgegennehmen.

Von den knapp 50'000 Kilo Ziegenmilch, die Hofstetter letztes Jahr bereits produziert hat, lieferte er daher nur etwa 7'000 Kilo nach Le Fuet, den Rest holte Emmi von seinem Hof ab. Eine eigene Käserei zu betreiben, wäre ihm nicht möglich. «Ich hätte weder die Infrastruktur noch die Zeit, selbst zu käsen, den Käse zu pflegen und ihn danach auch noch zu vermarkten», betont Hofstetter, der auch noch als Besamer tätig ist und zwei freiberuflich tätigen Besamern regelmässig aushilft. 

Noch 4 Kühe

Lediglich während der Grillsaison verkauft er Ziegenbratwürste direkt ab Hof, Ziegen-Trockenwürste dagegen verkauft er über Spezialitäten-Läden in Saignelégier oder Les Reussilles. Milchkühe hält er gegenwärtig aber nur noch vier. Mit ihrer Milch tränkt er die Aufzucht- und Mastgitzi.

Nächstes Jahr will er die Milchkühe aber verkaufen. Denn Hofstetter plant das bestehende Gebäude auszubauen, in dem sich neben dem Stall auch die Scheune befindet, sowie zwei Wohnungen – eine für sich selbst mit seiner Familie und für seine Eltern. Weil die Scheune aber genügend Platz für die Futtervorräte bietet, will er nur den Stallbereich umbauen, damit er vor allem rationeller arbeiten kann. 

Zwei Ställe

Gegenwärtig befinden sich die Ziegen in zwei Stallungen. Zwar direkt nebeneinander, dennoch muss er, um die Ziegen zu melken, erst die eine Hälfte in die Selbstfang-Gitter einsperren. Nachdem er diese gemolken hat, treibt er sie in den anderen Stallteil, wo die zweite Gruppe bereits darauf wartet, in den Stallteil mit dem Selbstfang-Gitter zu kommen.

Weil er die Ziegen mit ein wenig Kraftfutter anlockt, geht der Wechsel aber rasch und weitgehend reibungslos vor sich. An eine an der Decke befestigte Schiene kann er seine Melkmaschinen hängen, so dass er auch gefüllte Melkeimer leicht schieben kann.  

Die Hälfte sind Weiden

Auf etwa 100 Ziegen soll die Herde letztlich anwachsen. «Für mehr würde mir das Futter nicht reichen», meint Hofstetter. Insgesamt bewirtschaftet er eine Fläche von 18 Hektaren. Die Hälfte davon sind jedoch Weiden, teilweise sogar die im Jura typischen Waldweiden - lichte Wälder, wo zwischen den Bäumen Gras wachsen kann, das man aber schlecht oder allenfalls nur von Hand mähen kann.

Daher gewöhnt er seine Ziegen schon früh daran, möglichst viel Gras zu fressen – bei jedem Wetter. Doch dank der Waldweide finden die Ziegen auch bei Regen oder grosser Hitze Schutz unter den Bäumen.  Dieses Jahr dauerte die Weidesaison auf seinem Betrieb, der zwischen 1100 und 1200 Meter über Meer liegt, bis Ende Oktober.

Obschon Saanenziege Diamanta, eine Drittmelk-Ziege, einen Kaiserschnitt hinter sich hat, wurde sie im Herbst am interkantonalen Ausstellungsmarkt von Tavannes zur Miss gewählt. Im vergangenen Frühjahr, nur wenige Wochen nachdem der Tierarzt ein totes Gitzi herausgeholt hat, nahm sie auch schon an der Eliteschau der BEA in Bern teil, da sie an einer Vorschau als würdige Vertreterin der Saanenrasse eingestuft wurde – trotz ihrer Wunde. «Heute sieht man ihr davon gar nichts mehr an», erzählt ihr stolzer Besitzer Urs Hofstetter aus Mont-Tramelan BE. 

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