3.02.2015 12:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Schafe
Harsche Kritik: Alpschafe werden Wolf «serviert»
Der Schweizer Tierschutz (STS) fordert, dass Alpschafe besser beaufsichtigt werden. Manche Schafe würden dem Wolf geradezu «auf dem Silbertablett» serviert, kritisiert der STS in seinem Bericht «Schafsömmerung 2015».

Der STS besuchte im vergangenen Jahr mehrere Alpen in den Kantonen Bern, Wallis, St.Gallen und Tessin. Viele der ungeschützten Herden hätten sich in sehr steilem, sturzgefährdeten Gelände und im Streifgebiet von Wölfen befunden, teilte der STS am Dienstag in einem Communiqué mit. Auch seien hinkende Tiere beobachtet worden.

Nur die Hälfte beaufsichtigt

Mehr als die Hälfte der 200'000 Schafe, die den Sommer auf den Schweizer Alpen verbringen, würden überhaupt nicht beaufsichtigt, schreibt der STS, der seit Jahren einen besseren Schutz der Alpschafe fordert. Erst im Dezember hatte der STS deswegen eine Petition lanciert. Diese fordert bessere Haltungsbedingungen und Kontrollen.

Würden die Schafherden besser beaufsichtigt, könnten kranke und verletzte Tiere rechtzeitig gefunden, behandelt oder von ihrem Leiden erlöst werden, argumentiert der STS. Auch die Gefahr, dass Schafe auf der Alp «vergessen» gingen, könne dadurch praktisch gebannt werden.

Der STS hatte Wanderer im Herbst dazu aufgerufen, «vergessene» Schafe zu melden. Ein gutes Dutzend Schafe wurde den kantonalen Veterinärämtern gemeldet. Diese Tiere konnten so rechtzeitig vor dem Wintereinbruch ins Tal gebracht werden. Aber nicht alle vergessenen Schafe konnten gerettet werden, heisst es weiter.

200 sterben wegen Wolf

 Nach Angaben des STS verenden jährlich rund 4000 Schafe auf Schweizer Alpen - etwa wegen Stürzen, Krankheiten oder Blitz- und Steinschlag. «Nur rund 200 davon, fast alle in ungeschützten Herden, gehen auf das Konto von Wölfen», schreibt der STS mit Bezug auf das Forschungsprojekt "Alpfutur".

Der Tierschutz erwähnt auch die positiven Aspekte der Alpsömmerung. Kaum ein Nutztier werde in der Schweiz so artgerecht gehalten, wie das Alpschaf. Diese erhielten grosse Bewegungsfreiheit, würden artgerecht ernährt und lebten in der Herde. Doch die Tierschutz- wie auch die Direktzahlungsverordnung sehen Ausnahmeregelungen vor. Der rechtliche Schutz wird "automatisch" gelockert, heisst es in der Mitteilung. Nur noch rudimentäre Anforderungen in Sachen Haltung und Überwachung hätten Gültigkeit.

"Mit strengeren gesetzlichen Vorgaben bei gleichzeitig geringeren Direktzahlungen gehören die Talbetriebe damit zu den Verlierern der Agrarpolitik 2014-17", lautet das Fazit des Schweizer Tierschutzes.

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