20.01.2020 17:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Agroscope
Schafe
Grössere Herden haben Perspektiven
Die Schafhaltung ist unter Druck, mangelnde Rentabilität macht ihr zu schaffen. Professionell und strategisch geführte Betriebe mit grösseren, einheitlicheren Herden können wirtschaftlich sein. Dies geht aus einer Studie von der Forschungsanstalt Agroscope hervor. -> Mit Video

Die Forscher zeigen für die Schweizer Schafhaltung wirtschaftliche und standortangepasste Produktionssysteme auf.

Produktivität sehr tief

Die Produktivität, d.h. die Anzahl verkaufte Lämmer je Mutterschaf (Aue) oder auch das verkaufte Schlachtgewicht je Hektare Grünfläche, ist der wichtigste Treiber für eine wirtschaftliche Lammfleischproduktion. Aus Umfragen und wirtschaftlichen Analysen von Profi-Betrieben geht hervor, dass die Produktivität mit durchschnittlich 1.09 Lämmern je Aue und Jahr sehr tief ist. Schafbetriebe im In- und Ausland können deutlich höhere Werte aufweisen, woraus sich gemäss Agroscope ein hohes Optimierungspotential ableiten lässt.

Aus den untersuchten Betrieben haben sich zwei Produktionssysteme herauskristallisiert, die erfolgsversprechend sind.

  • Ein intensives Produktionssystem mit ganzjähriger Ablammung, das auch im Frühling und Sommer Fleisch auf den Markt bringt und schwerpunktmässig für gute Produktionslagen der Tal- und Hügelregion geeignet ist.
  • Ein extensives Produktionssystem mit saisonaler Ablammung im Frühling, das in erster Linie Direktkosten minimiert, Arbeitsabläufe vereinfacht und mehrheitlich an die Bergregion angepasst ist.

Auen mit Fleischrasse-Widdern paaren

Simulationsrechnungen haben gezeigt, dass die Schafhaltung mit beiden Produktionssystemen deutlich lukrativer sein könnte (siehe Kasten). Voraussetzung sind Strategien mit klarem Fokus auf die Produktivität, ohne dass die Kosten ausser Acht gelassen werden.

Für diese Verbesserungen spielt die eingesetzte Genetik eine wichtige Rolle: Auen von heimischen Originalrassen mit guten Fruchtbarkeitseigenschaften und robuster Konstitution werden mit spezialisierten Fleischrasse-Widdern gepaart. Je verschiedener die Rassen, desto grösser ist der Heterosiseffekt. Dieser steigert zusätzlich die Vitalität und die Schlachtkörperqualität der Lämmer.

Mit einer standortgerechten Auswahl der Elterntiere können die Grünflächen optimal verwertet werden. Ausgeprägte grasbetonte und einheitliche Fütterungssysteme führen zu tieferen Direktkosten und zu einer einheitlichen Fleischqualität. Dank Rassen, die mehr als einmal pro Jahr ablammen, kann zudem auch im Frühling und Sommer Lammfleisch angeboten werden, wenn die Nachfrage am grössten ist.

Verkürzung der Zwischenlammzeit

Mittels Vollkostenrechnungen und Interviews wurden 15 Betriebe untersucht. Hinzu kam die Simulation von zwei typisierten, standortangepassten Produktionssystemen: ein Betrieb mit 200 Schafen in der Hügelregion und ein Betrieb mit 140 Schafen in der Bergregion.

In der Hügelregion erzielte eine Verkürzung der Zwischenlammzeit von 300 auf 240 Tagen sowie eine Reduktion des Lebendgewichtes der Auen um 10 kg eine deutliche Steigerung des Deckungsbeitrages (+44 %), der Arbeitsverwertung (+27 %) und des Einkommens je Hektare (+57 %). Das Schlachtgewicht der Lämmer je Hektare stieg von 202 auf 265 kg.

Steigerung der Wurfgrösse

Im Berggebiet lohnte sich eine Steigerung der Wurfgrösse von 1,5 auf 1,7 Lämmer pro Aue, eine Halbierung des Kraftfutter-Inputs und eine Verlängerung der Mastperiode um einen Monat bei 10 kg tieferem Lebendgewicht der Auen. Damit stieg der Deckungsbeitrag um 58 %, die Arbeitsverwertung um 38 % und das Einkommen je Hektare um 63 %. Das Schlachtgewicht der Lämmer je Hektare stieg dabei von 153 kg auf 194 kg.

Wirtschaftliche Perspektiven

Fleisch, das fast ausschliesslich mit Gras produziert wird, müsste eigentlich aus ökologischen Gründen besonders beliebt sein und ist auch aus der Gourmetküche kaum wegzudenken. Doch findet sich Lammfleisch mit einem Anteil von gut 2% kaum auf den Teller. Noch tiefer liegt der Konsum von Schweizer Lammfleisch, da rund zwei Drittel des Konsums importiert wird. Dafür verantwortlich ist das ungleichmässige Angebot über den Jahresverlauf, die Präferenz für Edelstücke, aber auch Vorurteile, die von einer uneinheitlichen Geschmacksqualität geprägt sind.

Eine vermehrte Produktion vor Ort mit lokalen Ressourcen wäre nicht nur ökologischer, sondern brächte für die Schweizer Landwirtschaft auch mehr Wertschöpfung. Das Potential wäre also riesig, doch professionelle Betriebe sind rar und die Schafhaltung ist generell unter Druck. Das Projekt hatte deshalb zum Ziel, einen Beitrag zur verstärkten Professionalisierung in der Schafhaltung zu leisten – im Hinblick auf höhere Rentabilität und besseren Schutz vor dem Wolf. Grössere, einheitlichere Schafbestände sind gemäss Agroscope eine Voraussetzung, um die Behirtung und den Herdenschutz auf der Alp zu vereinfachen.

Eine Spezialisierung des Betriebes oder ein Neueinstieg mit grösseren Mutterschafbeständen könnten neue wirtschaftliche Perspektiven bieten.

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