15.06.2013 16:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Wolf
«Affront gegenüber Schafhaltern»
Der Entscheid des Bundesamts für Umwelt, den Wolf im Goms nicht zum Abschuss freizugeben, stösst beim Schweizerischen Bauernverband auf Unverständnis. Das Raubtier jage nicht mehr zur Selbsterhaltung, sagt der Verband.

Der Wolf M35 sorgt im Oberwallis für erhitzte Gemüter. Vor zwei Wochen tötete das Tier nahe Münster 14 Schafe, fünf wurden verletzt. Zuvor wurde der Wolf letztmals im März gesichtet. Damals riss er 17 Wildtiere, vorwiegend Rotwild. Zudem wurde er von mehreren Personen beobachtet.

Bafu: Nicht fachgerecht eingezäunt

Am Freitag vergangener Woche schlug M35 wieder zu. Er tötete weitere acht Schafe. Innerhalb eines Monats wurden vom Raubtier insgesamt 28 Tiere gerissen. Die Kriterien für einen Abschuss sind gemäss «Konzept Wolf Schweiz» dann erfüllt, wenn ein Wolf über eine Zeit von einem Monat trotz Herdenschutzmassnahmen mehr als 25 Schafe reisst. Die Gemeindebehörden im oberen Teil des Tals erklärten in der Folge, dass das Goms  zu einer «wolffreien Zone» werden solle. Die Region sei kein Gebiet für grosse Raubtiere, welche die Sicherheit, Nachhaltigkeit und Entwicklung des Tals gefährdeten, schrieben die Gemeindepräsidenten in einer Stellungnahme. Sie verlangen, dass alle Wölfe in der Region umgesiedelt werden.

Einem Abschuss von M35 erteilte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Freitag eine Absage. Die Behörde ist zum Schluss gekommen, dass die Schafe im einen Fall auf einer nicht fachgerecht eingezäunten Weide und im anderen Fall über mehrere Tage beim freien Weidegang in einer nicht schützbaren Waldweide gerissen wurden. Zudem sei die Beratung der Tierhalter ungenügend gewesen. Man suche nun mit den Beteiligten nach Lösungen. Der Kanton Wallis nahm am Freitag den Entscheid zähneknirschend zur Kenntnis.

SBV: Bafu provoziert weitere tote Schafe

Der Wolf jage nicht mehr ausschliesslich zum Stillen seines Hungers und zur Selbsterhaltung, mahnt der Schweizerische Bauernverband (SBV) am Freitag in einem Communiqué. Er stelle so eine Bedrohung für die Schafherden im Goms dar. Der Entscheid erzürnt den SBV. Dieser komme einem Affront gegenüber den Schafhaltern gleich. „Mit seiner formalistischen Begründung provoziert das Bafu, das weitere Tiere Opfer des Wolfes werden. Aus Sicht des SBV ist dies absolut unverständlich“, lautet das deutliche Fazit des Verbandes.

Das Konzept Wolf genüge nicht mehr und müsse überprüft werden. Rasches Handeln sei nun oberstes Gebot, um weiteren Schaden zu verhindern. „Dazu muss der heutige Schutz des Wolfes gelockert werden“, so die Forderung des Bauernverbandes.

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