5.10.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Südamerika
Fleischimport: Pferde leiden weiter
Laut dem Tierschutzbund Zürich herrschen in Pferde-Schlachthöfen und deren Sammelstellen in Übersee weiterhin katastrophale Bedingungen für die Pferde. Das Fleisch lande auch in der Schweiz. Pferdefleischimporteure wehren sich. Die Bilder haben auch politische Sprengkraft. -> Video

Nachdem der Verband der Schweizer Pferdefleischimporteure (VPI) im Frühjahr 2018 noch 1 Jahr Zeit gefordert hatte, um neue Standards umzusetzen, hat der Tierschutzbund Zürich (TSB) 2018 und 2019 nochmals vor Ort recherchiert. Es habe sich nichts verbessert, schreibt die Organisation.

Knochen freigelegt

Noch immer stürben Pferde in den Paddocks der Schlachthöfe und deren Sammelstellen, es gebe keine verlässliche Rückverfolgbarkeit und die Pferde würden brutal misshandelt. Betroffen sind laut Tierschutzbund die Lieferantenschlachthöfe der VPI-Mitglieder in Uruguay und Argentinien sowie die Schlachthöfe und Feedlots in den USA und Kanada.

Der Tierschutzbund hat die Verstösse schriftlich dokumentiert. So im Schlachthof Clay: «Zwei Pferde mit grossflächigen tiefen Verletzungen, die vermutlich den Knochen freilegten, waren mindestens einen Monat in der Sammelstelle – ohne Wundversorgung.» Im Schlachthof Lamar lag ein Pferd «erschöpft am Boden, war extrem abgemagert und übersät mit Wunden und Narben, hatte Durchfall und war sogar zum Fressen zu schwach».

Unabhängige Zertifizierungsstelle

Der Tages-Anzeiger hat den VPI um eine Stellungnahme gebeten. «Wir tolerieren in keiner Weise leidende Tiere in den Schlachtbetrieben», antwortet Josef Pittino schriftlich. Der VPI wolle den «Prozess zur Verbesserung der Situation» stetig vorantreiben. So sei sichergestellt, dass weiterhin «hochqualitatives» Pferdefleisch in die Schweiz importiert werde.

Der VPI importiere selbst kein Fleisch, das erfolge über die Mitglieder. Der VPI sei gegenüber seinen Mitgliedern nicht weisungsberechtigt. Die Schlachthöfe würden von der unabhängigen Zertifizierungsstelle SGS kontrolliert und zertifiziert. Unangemeldet heisst hier: Die SGS gibt ein dreimonatiges Zeitfenster bekannt, in dem sie den Betrieb einmal besuchen wird.

VPI zweifelt Aufnahmen an

Zudem fühlt sich der VPI ungerecht behandelt. «Wir gehen davon aus, dass die Aufnahmen auf Weiden, die nicht zu den Schlachthöfen gehören, gemacht wurden oder älteren Datums sind», schreibt Pittino dem Tages-Anzeiger. TSB-Präsident York Ditfurth widerspricht: «Wir können alles sauber belegen.» Der VPI fügt an, dass ein Boykott der Schlachthöfe keine Besserung bringen würde. Es würde einfach weitergeschlachtet, aber unter wesentlich schlechteren Bedingungen. «Die Nachfrage aus der Schweiz sorgt erst dafür, dass die Pferde überhaupt geschlachtet werden», sagt hingegen Ditfurth.

Politische Sprengkraft

Die in der Kritik stehenden Schlachthöfe in Südamerika haben auch politische Sprengkraft. Die Schweiz hat sich mit den Mercosur-Staaten auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Ob das Abkommen vom Parlament in Bern ratifiziert wird, ist unsicher. «Wir weisen seit vielen Jahren auf fehlende Spielregeln zur Durchsetzung des Tierwohls im internationalen Handel hin», sagt Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Die Zustände erstaune sie nicht. Ihre Partei will das Mercosur-Abkommen bekämpfen, wenn keine verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards vereinbart werden. 

«Wir sind uns der Missstände bewusst und bedauern diese sehr», sagt Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands (SBV), zum Tages-Anzeiger. Der SBV will das Abkommen nur unterstützen, wenn es zur nachhaltigen Entwicklung der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft beitragen wird.

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