7.07.2020 17:40
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Wolfsrudel reisst zwei Pferde
Im deutschen Bundesland Niedersachsen hat das Wolfsrudel bei Rodewald nördlich von Hannover wieder Jagd auf grosse Huftiere gemacht. Wie das Umweltministerium mitteilte, wurden vor zwei Wochen im Landkreis Nienburg zwei Pferde gerissen und ein weiteres verletzt.

In allen Speichelproben hätten jeweils mindestens zwei Individuen des Rudels nachgewiesen werden können. Eine Identifikation einzelner Wölfe sei dagegen nicht möglich gewesen.

„Problemwolf“ gibt Jagdverhalten weiter

Zum Rodewalder Rudel gehört auch der „Problemwolf“ GW717m. Für den Rüden galt 14 Monate lang und bis Ende März dieses Jahres eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss, da ihm eine Vielzahl von Weidetieren zum Opfer gefallen war. Die Genehmigung war nicht verlängert worden, nachdem es nicht mehr zu gemeldeten Rissen von ausreichend geschützten Weidetieren gekommen war.

„Dennoch ist nun eingetreten, was wir immer befürchtet haben: Der Rodewalder Rüde hat sein problematisches Jagdverhalten nicht eingestellt, sondern übt offenkundig seine Technik zur Tötung grosser Huftiere mit seinen Nachkommen weiter ein“, erklärte Umweltminister Olaf Lies.

Abschuss wird vorbereitet

Nicht zuletzt durch die vielfältigen Behinderungen der Entnahme habe der Problemwolf nicht getötet werden können. Laut seinem Ressort sind Lage, Rissbild und daraus abgeleitet die angewandte Jagdtechnik beim letzten Vorfall mit den bisherigen Aktivitäten von GW717m identisch. Der Minister lässt nun eine neue Genehmigung zur Entnahme des Tieres vorbereiten. Sollten nach einem Abschuss weitere Übergriffe erfolgen, könne so lange jeweils ein weiteres Tier des Rudels entnommen werden, bis weitere Schäden ausblieben, sagte der Minister.

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der niedersächsischen FDP-Fraktion, Hermann Grupe, wies dem Umweltminister eine Mitschuld an den Pferderissen zu. Lies habe „diese Wölfe ganz in Ruhe ihre Jagdtechnik verbessern lassen“. Noch nicht eine der vom Minister erlassenen Ausnahmegenehmigungen habe zum Abschuss eines Wolfes geführt. Das Instrument sei wirkungslos, das müsse die Landesregierung endlich einsehen und sich effektiveren Massnahmen zuwenden, forderte Grupe.

Kein „Rüstungswettlauf“

Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg erklärte derweil die Genehmigung zum Abschuss von zwei Wölfen durch den Landkreis Uelzen für teilweise rechtswidrig. Beanstandet wurde allerdings nicht die Tötung der beiden Tiere, sondern die ergänzende Regelung zum Abschuss weiterer Wölfe. Zudem wurde die Klagebefugnis zweier Naturschutzverbände entgegen der erstinstanzlichen Entscheidung bestätigt. Klargestellt wurde ausserdem, dass eine Erhöhung der Einzäunung nicht grundsätzlich erforderlich ist und damit nicht in jedem Einzelfall eine geeignete Alternative zur Entnahme darstellt.

In Hannover wurde das Urteil als Bestätigung der eigenen Position gewertet. Wölfe, die Herdenschutzmassnahmen überwänden, müssten nicht geduldet werden, stellte Lies klar. Weidetierhalter müssten ihre Tiere schützen, sich aber nicht auf einen „von Wolfsschützern geforderten Rüstungswettlauf einlassen“.

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