10.09.2017 07:20
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
Zuchtviehbestand wird verkauft
Sieben 100000er-Kühe und zahlreiche Maximumkühe standen in seinem Stall. Nun verkauft Alfred Aebischer alle Kühe.

Im Bauernhaus im Laden, etwas unterhalb von Riedstätt BE, fallen die vielen Plaketten und Auszeichnungen auf. Am Spycher hängen kunstvoll verzierte Glocken. «Dort hat jede eine Geschichte, da sind Erinnerungen damit verbunden», erklärt Alfred Aebischer mit kaum spürbarer Wehmut.

Es werden keine mehr dazukommen, denn er verkauft seinen wertvollen Zuchtviehbestand. «Einmal ist fertig», sagt der 65-Jährige und senkt den Blick. Es tue weh, sich von Liebgewordenem zu trennen.

Jetzt Rinder aufziehen

Sein Sohn Markus hat Landwirt gelernt und will den Hof weiterführen. Aber er ist seit bald 15 Jahren als Melktechnikberater tätig und möchte diesen Job, der ihm viel Befriedigung bringt, weiter ausüben. Deshalb sind sich Vater und Sohn einig geworden, nach der Schweinehaltung auch mit Melken aufzuhören.

Stattdessen will Markus Aebischer Rinder aufziehen. Die Umbau- und Anpassungsarbeiten haben schon begonnen, und die ersten Jungtiere grasen auf der Weide. «Ich bin nicht der Einzige, der aufhört. Aber ich verstehe meinen Junior. Mit 50 Rappen Milchpreis kann man nicht mehr kostendeckend Milch produzieren», meint Vater Alfred.

Krach hätten die beiden deswegen nicht gehabt. Schliesslich wolle er seinem Junior einen guten Start ermöglichen. «Es muss für ihn aufgehen, ohne sich in eine grosse finanzielle Abhängigkeit zu begeben», gibt er zu verstehen. Dass es nicht einfach sei, hätten sie kürzlich erfahren, als sie sich für eine Drainage um Strukturverbesserungsbeiträge bemüht hätten. 

Leistung und Erfolg

Alfred ist ein begeisterter Viehzüchter und Viehkenner. Ja, er sei halt auch über Mittag im Stall gewesen und habe den Kühen zu fressen gegeben. Die Swiss-Fleckvieh-Herde gehört mit über 9000 kg Stalldurchschnitt zu den leistungsstärksten der Rasse. Das sei allein mit graslandbasierter Fütterung nicht möglich, ist er überzeugt. Und fügt an: «Wir haben mit der konsequenten Zucht und dem Zuchtviehverkauf auf diese Weise das Milchgeld aufgebessert.»

Seit 1979, als er mit seiner Frau Erika den Betrieb übernommen hatte, erreichten bereits sieben Kühe die magische Grenze von 100000 kg Lebensleistung. Herausragend die Stammkuh Sten Olivia und ihre extrem leistungsstarke Tochter Ilford Olga, die lange Zeit die   Kuh mit dem höchsten Gesamtzuchtwert der Rasse war.

Olivia zeigte 2012 die mit 93 Punkten am höchsten benotete Zuchtfamilie von Swissherdbook. Über ein Dutzend Stiere hat er in die Besamung verkauft. Nun will er für seine rund 22 Kühe einen neuen Besitzer finden. Er verkauft sie unter der Hand im Stall. «Wichtig ist mir, dass sie an einen guten Platz kommen.»  Dann wirft er nochmals einen Blick auf die Plaketten und sagt: «Jene freut mich ganz besonders, die Auszeichnung des Herdenmanagements im 2016.»

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