4.10.2018 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Euter
Zitzen-Verkleben: Verbot gefordert
Nationalrätin Irène Kälin (Grüne, AG) verlangt, jegliches Verschliessen der Zitzen für Kuhausstellungen zu verbieten.

«Der Bundesrat wird ersucht, die Tierschutzverordnung dahingehend anzupassen, dass bei Rindern das Verschliessen von Zitzen jeglicher Art zu Schau- und Präsentationszwecken verboten wird.» Das ist der Text der Motion, welche Nationalrätin Irène Kälin (Grüne, AG) letzte Woche eingereicht hat. 

Tradition in Gefahr


Heute steht im Ausstellungsreglement der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Rinderzüchter (ASR): «Das äusserliche Versiegeln der Zitzen ist mit zugelassenen Produkten erlaubt, solange das Wohlbefinden der Kuh nicht negativ beeinflusst wird.» Laut Anhang ist dafür einzig «Collodium 8%» erlaubt.

Kälin schreibt in der Begründung für ihren Vorstoss: «Die beliebte Tradition der Viehschauen gerät durch fragwürdige und oft tierschutzrelevante Manipulationen überehrgeiziger Züchter an Ausstellungskühen zunehmend in Verruf.» Das wichtigste Kriterium an einer Milchviehschau sei das Euter. Deshalb würden die Tiere nicht mehr wie normalerweise alle zwölf Stunden gemolken, sondern die Melkzeiten würden ausgedehnt, so Kälin.

«Man lässt Tiere leiden»

«Verschiedene Züchter dehnen diese so fest aus, dass es für die Kuh schmerzhaft wird. Bei vielen Kühen tropft bereits vor dem Wettbewerb Milch aus den Zitzen. Um gute Wettbewerbsnoten zu erzielen, lässt man die Tiere leiden und verschliesst sogar die Zitzen – für die perfekte Symmetrie und damit die Milch nicht ausläuft», schreibt die Islamwissenschafterin und Religionsspezialistin weiter. «Sogar Sekundenkleber kam zum Einsatz, bis dieser verboten wurde», empört sich Kälin. 

«Aber nicht nur das Verkleben der Euter mit Sekundenkleber ist qualvoll, sondern jegliches Verschliessen der Euter gefährdet die Gesundheit der Kühe. Als Folge von überladenen Eutern belegen aktuelle Studien u.a. verhärtete Euter, Euterödeme, erhöhte Zellzahlen in der Milch aufgrund entzündlicher Prozesse im belasteten Euter, Abduktion der Hinterbeine beim Gehen und erhöhte Corticoid-Werte im Blut (Stresshormon)», so Kälin. 

STS: Maximal 12 Stunden

Der Schweizer Tierschutz (STS) hat die Milchviehausstellungen seit drei Jahren im Visier. Er fordert auf seiner Homepage in einem Bericht zu den Schauen von 2018, dass «ein normales Melkintervall von maximal 12 Stunden festgelegt wird», um «überladene Euter» zu verhindern. Dort wird auch bereits ein Verbot gefordert, den Kühen die Zitzen zu verkleben.

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