28.10.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Appenzell Ausserrhoden
«Wir lassen den Kühen Zeit»
Mit Geduld schafft es der Landwirt Josef Knellwolf aus Waldstatt AR immer wieder, dass seine Kühe ein hohes Alter erreichen. Deshalb wurde er bereits zwölfmal für Kühe mit über 100'000 Kilo Milchleistung ausgezeichnet.

In aller Ruhe steht Adona auf der Weide zwischen Wohnhaus und Stall der Familie Knellwolf im oberen Grund in Waldstatt. Sie lässt sich auch dann nicht besonders beeindrucken, wenn sie sich fürs Foto in die andere Richtung drehen sollte. 

17 Kälber geboren

«Das passt zu Adona», sagt Josef Knellwolf. «Früher strapazierte sie unsere Nerven ab und zu, weil sie zum Beispiel einfach nicht von der Weide kommen wollte. Grundsätzlich aber ist sie eine friedliche und gut funktionierende Kuh, die zuverlässig jedes Jahr gekalbt hat.» Sie habe das Zuchtziel mehr als erreicht. Adona wurde am 2. November 2001 geboren und hat in ihren 17 Lebensjahren 14 Mal gekalbt, dreimal davon Zwillinge. 

Bei der Milchleistung passt sie in den Stalldurchschnitt von rund 8500 kg, die zu Appenzeller Käse verarbeitet werden. Das ergibt eine Lebensleistung von 123'000 kg Milch. Sie gehört damit zu jenen zwölf Kühen von Josef Knellwolf, die bisher für ihre Milchleistung von über 100'000 kg geehrt worden sind. An der diesjährigen Viehschau konnten Knellwolfs fünf Generationen von Adona zeigen. Eine ihrer weiteren Töchter ist die zwölfjährige Alpina. Sie gebar bis heute elf Kälbchen und kommt auf eine Milchleistung von 87'000 kg.

Langlebig lohnt sich

Knellwolfs Rezept für seine immer wieder langlebigen Tiere ist Geduld. «Wir geben den Kühen Zeit», erzählt er. «Das ist vor allem dann wichtig, wenn eine Kuh einmal ein Tief hat und mehr Pflege braucht als andere, zum Beispiel für die Klauen. Oder sie braucht etwas mehr Zeit, bis sie wieder trächtig wird.» Er mag es aber auch, wenn er die Kühe immer besser kennenlernt, ihre Vorlieben und Macken kennt und dadurch mit ihnen gut auskommen kann. 

Er sieht zudem einen wirtschaftlichen Grund für langlebige Kühe. «In den ersten 2 Jahren entstehen nur Aufzuchtkosten. Erst nach der vierten Abkalbung wird eine Kuh wirtschaftlich interessant.» Dass sie im Alter vielleicht wieder etwas mehr Pflege braucht, nimmt er bis zu einem gewissen Grad gerne in Kauf. Denn weggeben ist für ihn immer ein schwieriger Moment. Nicht zuletzt sieht er seine Einstellung auch als Zeichen an die Jungen. «Wir sollten nicht immer gleich aufgeben, wenn eine Kuh nicht mehr zu 100% funktioniert. Aber ich weiss, dass eine gehörige Portion Glück nötig ist.»

Herzblut für Zucht


Bei Knellwolfs geht es aber nicht nur um die Langlebigkeit der Kühe. Die Zucht hat grundsätzlich einen hohen Stellenwert. «Unser Ziel ist es, dass in unserem Stall nur selber gezüchtete Tiere stehen», sagt der Landwirt. «Zudem ist die Aufzucht eines unserer Standbeine. In sie stecken wir viel Herzblut.» Den Lohn für seine Arbeit bekommt er dann, wenn seine Tiere in den Verkauf kommen und die Abnehmer zufrieden sind. Zudem gabs auch schon die einen und anderen Preise an der Viehschau in Waldstatt oder an der Züchtergruppenausstellung.

Neuer Stall

Der Hof auf dem Oberen Grund in Waldstatt AR umfasst 25 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. 20 Milchkühe und 20 bis 30 Aufzuchttiere leben auf 920 Metern über Meer in der Bergzone zwei. 1990 hat Josef Knellwolf den Betrieb in vierter Generation übernommen und ihn zusammen mit seinem Bruder bis 2003 in Betriebsgemeinschaft geführt. 1992 bauten sie einen neuen Anbindestall. 1995 kam Karin Knellwolf dazu. 2009 erweiterten die beiden die Scheune mit Remise, Heuraum und Jungviehstall. Die Zukunft des Hofes dürfte gesichert sein. Die beiden Söhne Andreas und Thomas absolvieren zurzeit die landwirtschaftliche Lehre. mab

 

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