25.04.2014 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
MIlchviehfütterung
«Wer mehr leistet, muss mehr fressen»
Toni Peterhans milkt im Schnitt 12'598kg pro Kuh und Laktation. Da muss die Fütterung stimmen. Zusammen mit Fütterungsberater Peter Huber optimiert er die Ration. Und kann so Futterkosten sparen.

500'000kg Milchlieferrecht und 40 Kühe im Stall – geht das auf? Es geht, wenn die Kühe im Schnitt 12'598kg Milch pro Laktation geben und wenn keine Milch wegen Antibiotikabehandlungen ins Gülleloch wandert. Wie bei Toni Peterhans aus Fislisbach AG.

Seine Holsteinkühe kommen nicht nur auf den genannten Stallschnitt von 12598kg Milch mit 3,77 Prozent Fett und 3,16 Prozent Eiweiss – das ist die dritthöchste Herdenleistung in der Schweiz –, sondern auch auf Lebensleistungen von durchschnittlich 58'000kg. Die Zellzahlen liegen im Schnitt unter 98'000. In den letzten Jahren lag keine Kuh fest, keine hatte Ketose, und jede war nach durchschnittlich zwei Besamungen wieder trächtig.

Tiefe Futterkosten

Das sind erstaunliche Zahlen. Umso mehr verblüfft, wenn Peterhans von den Futterkosten spricht: «Wir kommen pro Kilo gemolkene Milch auf Grundfutterkosten von 12,5 Rappen. Die Kraftfutterkosten liegen bei 12,6 Rappen. Rübenschnitzel, Dextrose und Mineralstoffe sind eingerechnet.» Aufgrund der gestiegenen Preise für Eiweissträger seien die Kosten gestiegen. Früher hätten sie bei 11 Rappen gelegen.

Bei der Fütterung geht Peterhans, ein guter Beobachter seiner Tiere und ein Tüftler, keine Kompromisse ein. Da wird an jeder Schraube  gedreht und jede Option ausgelotet: «Und wenn ich wieder eine neue Idee habe, spreche ich zuerst mit Peter.» Peter Huber ist unabhängiger Fütterungsberater und der Mineralstofflieferant von Peterhans. Seine Mineralstoffe lässt er in Deutschland nach eigenen Rezepturen mischen. Huber ist aber auch ein alter Bekannter des Fislisbacher Holsteinzüchters, der kürzlich zum Aargauer Züchter des Jahres 2013 gewählt wurde.

Energie runter, Milch rauf

Und Huber ist wie Peterhans ein Tüftler, der seine langjährige Erfahrung mit neuen Ideen kombiniert. Er erzählt ein Beispiel: «Der Stallschnitt hier bei Toni stagnierte einige Jahre bei 11'300kg. Da haben wir eines Tages zusammen den Kot der Tiere betrachtet und fanden, er sei ein wenig zu trocken. Wir haben die Energie in der Ration leicht reduziert und den Eiweissüberschuss so etwas gesteigert. Und siehe, trotz tieferer Kosten stieg die Leistung auf über 12'000kg.» Peterhans ergänzt: «Um solche Schlüsse zu ziehen, braucht es Erfahrung. Ein junger Fütterungsberater hat die nicht. Deshalb arbeite ich gerne mit Peter zusammen.»

Mit weniger Kosten noch mehr melken. Das ist genau die Devise von Peterhans und Huber. Die Basis dafür ist ein Grundfutter, das besser nicht sein könnte. Peterhans hat 36 seiner 52ha unter dem Pflug. 6ha sind Ökowiesen, 10ha liefern belüftetes Heu und in erster Linie Grassilage. Er habe den ersten Schnitt schon vor Ostern einsiliert, sagt der Bauer, der auch im Futterbau intensiv wirtschaftet: «Unser Ziel ist, die zwei Permastore-Silos mit den ersten beiden Schnitten zu füllen. Dann wird die Qualität am besten.»

Peterhans hat letzten Herbst neue, gräserreiche Zwischenfuttermischungen angesät, die noch mehr Energie und Eiweiss liefern sollen. Beim Mais, der 33cm hoch gemäht wird, setzt er hingegen seit Jahren auf die gleiche Sorte. Er milkt so sagenhafte 30500kg Milch pro Hektare Hauptfutterfläche (Gras, Mais, Zwischenfutter), das Jungvieh eingerechnet.

Wie ein Red Bull

In die Mischration kommen 4kg Heu, 16kg Gras- und 26kg Maissilage, dazu 1kg getrocknete Rübenschnitzel, Dextrose und Peter Hubers Mineralstoff mit Pansenpuffer. Ebenfalls untergemischt wird eine Eiweissergänzung, die Peterhans aus Sojaschrot, Rapskuchen, Maiskleber und Kartoffelprotein selber zusammenstellen lässt. «So kommen wir auf ein Milchproduktionspotenzial von 38,5kg nach Eiweiss und von 36,5kg nach Energie.

Gerechnet wird mit einem Trockensubstanzverzehr von 20,5kg. Wer mehr leistet, muss mehr fressen, denn auch Kühe mit 60 kg Tagesmilch erhalten maximal 2 kg Leistungsfutter pro Tag.» Das Ziel von Peterhans und Fütterungsberater Huber ist, dass die Kühe schon vor dem Abkalben 15kg TS aufnehmen und dann nach der Geburt sofort voll einpacken.

25kg TS-Verzehr sind da keine Seltenheit, im Februar lag der Schnitt bei 23,5kg. Dazu erklärt Huber: «Dank dem Puffer funktioniert die  Pansenflora von Anfang an ideal.» Und Peterhans ist überzeugt: «Wir Menschen nehmen ein Red Bull, wenn wir keine Energie haben. Die Dextrose hat denselben Effekt bei den Kühen, sie liefert sofort verfügbare Energie.»

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