3.01.2019 16:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Indien
Streit wegen «obdachlosen» Kühen
Rund 77 Millionen Rinder gibt es Indien. Die herumstreuenden Tiere werden im Bundesstaat Uttar Pradesh zu einem Problem für die Bauern. Denn sie fressen den Landwirten die Ernte weg. Die Tiere lassen sich auch von Zäunen nicht zurückhalten. Die Landwirte fordern Massnahmen.

Die Kuh hat in Indien eine wichtige Rolle inne. Einerseits liefert sich wichtige mit der Milch wichtige Proteine, zudem wird der Kuhdung zum Kochen und Bauen genutzt. Andererseits sind die Kühe heilig. Viele Hindus glauben, dass sich in den Kühen Götter offenbaren und die Geister verstorbener Ahnen.

Rabiate Kuhschützer

Die Tiere zu töten oder ihnen Schaden zuzufügen, ist daher verboten. Deshalb laufen die Kühe völlig frei kreuz und quer durch Dörfer und Städte. Sie werden von den Gläubigen auch gefüttert.

Doch die Kuh wird aber auch dazu benutzt, um die Gesellschaft zu spalten. Die Hindus, die grosse Mehrheit, verehrt die Kuh. Muslime und Christen hingegen verzehren Kuhfleisch. Dementsprechend brutal wird gegen die Kuhschlachter vorgegangen. Angriffe radikaler Hindus auf angebliche Kuhschmuggler und Menschen, denen sie den Konsum von Rindfleisch vorwerfen, kommen immer wieder vor - die Opfer sind meist Muslime.

Lastwagen werden zudem von Kuhschützern überprüft. Besteht auch nur der Verdacht eines Viehtransports zu einem Schlachthof, wird es für die Chauffeure brenzlig. Im schlimmsten Fall werden sie verprügelt oder gar gelyncht.

Zäune niedergetrampelt

Die herumstreuenden Kühe werden aber zunehmend zu einem Problem für die Bauern, wie der «Deutschlandfunk» berichtet. Denn die gefrässigen Vierbeiner machen den Landwirten die Ernte streitig. Sie fressen die Getreidefelder kahl.

Die Bauern schützen ihre Felder zwar mit Zäunen vor den herrenlosen Kühen. Doch die Tiere lassen sich davon nicht beeindrucken. «Ich habe 5'000 Rupien für Zaunmaterial ausgegeben, doch die Kühe haben alles niedergetrampelt. Das Geld ist weg, und ich kann meine Ernte nicht retten», klagt Bauer Billu Ram aus Saidpur im Bundesstaat Uttar Pradesh.

Milchbauern lassen Kühe frei

In diesem Staat ist es für die Bauern praktisch unmöglich, etwas gegen die Kühe zu unternehmen. Dieser wird vom Hindu-Priester Yogi Adityanat regiert – einem Hardliner der hindu-nationalistischen Partei BJP, wie der «Deutschlandfunk» weiter schreibt.

Früher brachten Milchbauern Tiere, die sie nicht mehr nutzten, in den Schlachthof. Diese Möglichkeit ist nun aber verwehrt. Deshalb lassen sie die Tiere einfach frei. Die Zahl der streuenden Kühe ist daher deutlich angestiegen. 

Schutzräum sind voll

Die Kühe werden für die Ackerbauern aber zur «Plage». Sie fordern von der Regierung Massnahmen. In diesem Jahr werden Wahlen durchgeführt, Landwirte sind treue Wähler der BJP. Die Regierung des Bundesstaats will sich die Finger nicht verbrennen und sucht für Kuhschützer wie Bauern nach einer Lösung. 

«Ja natürlich, streunende Kühe zerstören die Ernte und die Bauern sind Tag und Nacht damit beschäftigt, dies zu verhindern. Deshalb planen wir ja die Errichtung von weiteren Schutzräumen für solche Kühe, wo sie Futter bekommen und Wasser. Auf diese Weise können wir die Kühe schützen und gleichzeitig die Bauern», sagt Shrikant Sharma, Minister im Kabinett von Yogi Adityanat. 

Momentan sind alle Schutzräume für die obdachlosen Kühe rappelvoll. Deshalb bleibt den Bauern nichts anders übrig, als ihre Felder vor den heiligen «Getreide-Dieben» zu beschützen.

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