1.10.2018 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Basel-Land
Seit 64 Jahren Milchkontrolleur
Marcel Völlmin ist der wohl dienstälteste Milchkontrolleur der Schweiz. Als Jugendlicher hat er angefangen, 64 Jahre später kontrolliert er noch immer. Weniger abenteuerlich zwar, doch mit unveränderter Leidenschaft.

1954, im Jahr, als letztmals eine Fussball-Weltmeisterschaft in der Schweiz stattfand, radelte ein 13-jähriger Bub frühmorgens in Ormalingen BL los, um den Job von eines Erwachsenens zu erledigen. Der Bub war Marcel Völlmin. Und 1954 war das erste Jahr, in dem er sich aufmachte, um Milchkontrollen durchzuführen. Dass er damals gegen das Gesetz verstiess: geschenkt und verjährt. Denn Milchkontrollen waren erst ab 15 Jahren erlaubt.

Helfer gesucht

Doch Marcel Völlmin hatte sechs Geschwister, und irgendwie habe ja Geld in die Kasse kommen müssen. Also heuerte er beim damaligen Milchkontrolleur an, der auf seiner Suche nach einem Helfer an den Buben gelangt war. So konnte er sich mit 16 ein Moped leisten, mit 18 ein Motorrad – und mit 20 bereits ein Auto. «Damit ging es natürlich schneller als mit dem Velo», erinnert er sich und schmunzelt. 

Völlmin wuchs in Ormalingen auf, für seine Kontrollen radelte er in die Nachbargemeinden Gelterkinden, Hemmiken und Rothenfluh. Dass es ihm nie etwas ausgemacht hat, früh aufzustehen, half. Mit Messbecher, Formularen, Laborfläschchen und Schöpfkelle hatte er bereitzustehen, wenn morgens die erste Kuh gemolken wurde – um fünf, sechs Uhr. Und um acht läutete die Schulglocke, was gelegentlich zu zeitlichen Engpässen führte. «Wo es nicht fürs Frühstück reichte, bekam ich eine Brotschnitte und kuhwarme Milch», erinnert er sich.

Auch mit 77 auf Milchkontrolle

64 Jahre sind seither ins Land gezogen, Staaten entstanden und zerfielen, Regierungen kamen und gingen. Doch Marcel Völlmin, mittlerweile 77-jährig und rüstig wie eh und je, kontrolliert noch immer Milchbetriebe. Heute sind es nurmehr zwei in Oltingen, wo er heute zuhause ist und 1968 die Gründung der lokalen Viehzuchtgenossenschaft massgeblich vorantrieb. Einst waren es rund zehn Betriebe, gezählt hat er sie nie. Damals wurde noch von Hand gemolken – und die Milchleistung der Kühe entsprach einem Bruchteil dessen, was man den Tieren heute abringt.

Robbte auf allen Vieren


Kürzlich hat ihn die Genossenschaft zum Dienstjubiläum nach Bern bestellt, Kursaal, Galaabend, 800 Gäste. «50 Dienstjahre», hiess es da bei Marcel Völlmin. «Man hat die Jahre einfach geschätzt», erzählt er heute grinsend. Da habe er sich erhoben und ums Wort gebeten. Dann erzählte er seine Geschichte: Dass er schon seit über 60 Jahren als Milchkontrolleur unterwegs sei; und dass er eben schwarz angefangen habe, als Schüler mit dem Velo.

Er unterhielt, damals in Bern, mit so einigen Müsterchen. Weil es an einem eisigen Wintermorgen so spiegelglatt war, robbte er einst auf allen Vieren den steilen Weg hinauf zu einem Hof in Rothenfluh. Und als er an einem frühen Morgen auf dem Hofgut Farnsburg zum Kontrollieren eintraf, waren die Kühe auf der Weide und weit und breit kein Mensch in Sicht. Marcel Völlmin begann kurzerhand, selbst zu melken. Nach der dritten Kuh übernahm die Belegschaft.

Züchtet Kaninchen


Eigentlich ist der Milchkontrolleur ausgebildeter Elektromechaniker. 25 Franken verdiente er im ersten Lehrjahr – im Monat. Sein Nebenberuf brachte ihm mehr ein. Später wechselte er ins Büro, auf der kantonalen Steuerverwaltung arbeitete er bis zur Pensionierung. Und er ist leidenschaftlicher Kaninchenzüchter, auch das seit über 60 Jahren. Früher für den Kochtopf, heute fürs Gemüt. Milch trinkt er nur im Kaffee.

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