3.12.2019 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Schau-Kuh stirbt wegen Littering
Traurige Geschichte: Tamina wurde zwar vor wenigen Tagen zur schönsten Kuh von Konolfingen BE gewählt. Doch das Tier ist seit Monaten tot. Ein Fremdkörper hatte zu einem Abszess im Bauch geführt. Tamina musste schliesslich geschlachtet werden.

Die Holstein-Kuh war der grosse Stolz der Familie Leuenberger aus Gysenstein BE. An Schauen konnte sie sich in den vorderen Rängen platzieren.   

Kuh frass nicht mehr

Tamina holte sich beispielsweise an der Regioshow auf dem Schwand in Münsingen BE im Herbst 2018 den zweiten Platz in ihrer Kategorie. An der Beständeschau in Gysenstein erreichte sie den ersten Rang. Vor wenigen Tagen wurde sie zur schönsten Kuh von Konolfingen gekürt. Doch diese Wahl hatte einen schalen Nachgeschmack. 

Das Leben der Kuh von Landwirt Beat Leuenberger aus Gysenstein BE nahm im Frühling eine tragische Wende. Denn Tamina ging es immer schlechter. «Taminas Gesundheitszustand hat sich schleichend verschlechtert», sagte Landwirt Beat Leuenberger zum Onlineportal Bern-Ost. Er kontaktierte schliesslich den Tierarzt, denn Tamina frass nicht mehr richtig. Dieser konnte auch keine genaue Diagnose stellen. 

Operation nicht möglich

Doch die verschriebenen Medikamente schlugen nicht an. Schliesslich wurde die Kuh ins Tierspital Bern gebracht. «Dort wurde ein fussballgrosser Abszess in der Bauchhöhle diagnostiziert. Dieser war vermutlich von einem Fremdkörper im Verdauungstrakt des Tieres verursacht worden», so Leuenberger. 

Eine operative Entfernung kam nicht in Frage, da Tamina zu diesem Zeitpunkt hochträchtig war. Die Kuh kehrte auf den Hof zurück. Zwar brachte Tamina dort noch einen Muni auf die Welt, doch der Gesundheitszustand verbesserte sich nicht. Wie «Blick» berichtet, nahm Tamina insgesamt rund 100 Kilo ab. Schliesslich musste die 4-jährige Kuh im Frühsommer geschlachtet werden.

Fremdkörper gelangen in Futter

«Der finanzielle Schaden hielt sich in Grenzen, da Tamina immerhin dreimal kalberte und zwei Jahre lang Milch gab. Aber emotional schmerzt es sehr», sagte der Landwirt zu «Blick». Gemäss dem Befund des Tierspitals Bern wurde der Abszess durch einen Fremdkörper verursacht. Leuenberger vermutet ein Stück Alu oder einen Glassplitter als Auslöser. 

Auf der Weide lassen die Kühe den weggeworfenen Müll liegen. Gravierend wird es, wenn die Abfälle in Futterflächen zu liegen kommen. Die Bauern sehen die Abfälle im hohen Gras nicht. Durch das Mähwerk werden Plastik oder Metall zerkleinert. Diese kleinen Teile gelangen in konserviertes Futter wie Heu oder Silage. Und dann wird es kritisch. Die spitzen Fremdstoffe in Form von Splittern können beispielsweise bei Kühen zu schweren, inneren Verletzungen führen. 

Hohe Dunkelziffer

Die verletzte Kuh gibt weniger Milch, sie frisst weniger - und sie leidet. Die Entzündungen sind für die Tiere sehr schmerzhaft. «Es gibt immer wieder Meldungen von toten Tieren infolge von Littering, aber oft bleibt es beim Verdacht. Eine Obduktion wird eher selten durchgeführt, da der betroffene Bauer selber dafür aufkommen muss», sagte Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband (SBV) im vergangenen Juni. 

Die Dunkelziffer ist somit hoch. Das bestätigt auch Adrian Steiner, Leiter vom Tierspital Bern. Viele Fälle würden über den Bestandestierarzt abgewickelt, nur ein Bruchteil werden im Tierspital untersucht, sagt er zu 20 Minuten. Denn die Kosten müsse der Landwirt tragen. Gewissheit über die Ursache gebe es aber nur, wenn man die Kuh aufschneide.

Steiner bestätigt, dass Littering ein grosses Problem ist. Nebst Alu- Pet-Teilchen würden aber auch Nägel, Drahtreste oder Schrauben Fremdkörper-Erkrankungen verursachen. 

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