21.01.2020 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Rinder sind nicht verantwortlich
Rinder und Milchkühe stehen im Verdacht, durch den übermässigen Ausstoss von Methangasen wesentlich zum Klimawandel beizutragen. Wie der Milchindustrie-Verband (MIV) mitteilte, zeigt ein von ihm in Auftrag gegebener Kurzfilm des Wissenschaftlers Prof. Peer Ederer vom „Global Food and Agribusiness Network“, dass es für diese Annahme keine wissenschaftliche Evidenz gibt.

So zeigten Satellitenbilder der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), dass die Methankonzentration in der Atmosphäre über Brasilien mit einer grossen Rinderherde eher gering sei.

Zusammenhänge nicht ausreichend bekannt

Im stark industrialisierten China oder dem Erdgasförderland Russland sei sie dagegen besonders hoch. Laut Ederer, der als Honorarprofessor an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen tätig ist, sind nach aktuellem Stand des Weltklimarates (IPCC) die genauen Zusammenhänge aus dem Kreislaufsystem zwischen Luft, Boden, Gras und Tier noch nicht ausreichend bekannt. Die zentrale Frage laute daher, ob die heutigen Rinder- und Milchkuhbestände tatsächlich mehr zum Treibhauseffekt beitrügen als die ähnlich grossen Wildtierherden vor der industriellen Revolution.

In seiner Untersuchung kommt der Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die domestizierte Rinderhaltung kaum für den menschengemachten Klimawandel verantwortlich gemacht werden könne. Es mache also weder aus klimapolitischen noch aus anderen Gründen Sinn, die tief im kulturellen Erbe verankerte Symbiose zwischen Rinderzucht und Gesellschaft in Frage zu stellen.

Unscharfe mathematische Modelle

Peer Ederer hat keine Zweifel daran, dass die Erde einen Klimawandel erlebt. Es kann auch keinen Zweifel daran geben, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt, fährt er fort. Von Wissenschaftlern getätigte Aussagen über den klimaschädigenden Einfluss von Nutztieren bberuhen gemäss Ederer ausnahmslos auf noch sehr unscharfen mathematischen Modellen, deren Variablen mit groben Annahmen gespeist werden, und deren Ergebnisse der gemessenen Datenlage meistens widersprechen sowie der historischen Erfahrung nicht gerecht werden.

Der MIV möchte nach eigenen Angaben mit dem Film und der eigens dafür aufgesetzten Website www.milchundklima.de die aktuelle Diskussion zur Klimabilanz der Kuh versachlichen. „Die Milchwirtschaft stellt sich ihrer Verantwortung, einen positiven Beitrag zum Klima und zur Aufklärung über die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Faktoren zu leisten“, hob MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser hervor. Das Video wurde im Auftrag des Milchindustrie-Verbandes erstellt. -> Hier gehts zum Video

Breits seit 2011 sensibilisiere der Verband seine Mitglieder für das Thema. Von zahlreichen Molkereien seien bereits vierstellige Millionenbeträge investiert worden, um entlang der Wertschöpfungskette Energieaufwand und CO2-Emissionen zu vermindern. „Wir freuen uns über eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema“, betonte Heuser.

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