13.02.2020 08:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehzucht
Rasse Swiss Fleckvieh unter Druck
Swiss Fleckvieh ist seit 2014 eine Rasse. Nun muss sie «auf eigenen Beinen stehen», Stieren-Einbürgerungen sind vorbei.

Die Rasse Swiss Fleckvieh (SF) ist unter Druck. Dies, obschon mehr als 65'000 SF-Kühe im Herdebuch sind. «Aber nur 45'000 oder 68 Prozent der SF-Kühe erfüllen die Kriterien für die Herdebuchstufe A», relativiert Daniel Seematter aus Saxeten BE, Präsident der Interessengemeinschaft (IG) SF. 

Herdebuch geschlossen

Dies hängt mit der Entstehung der jungen Rasse, die aus der Kreuzung von Red Holstein (RH) und Simmentalern entstanden ist, zusammen. 2014 wurden mit der neuen Tierzuchtverordnung alle SF-Kühe und alle RH-Kühe mit weniger als 87,5 Prozent Blutanteil, die vor Juli 2008 geboren waren, als 100 Prozent (reinrassige) SF bezeichnet und ins Herdebuch A eingetragen.

Dann wurde das Herdebuch geschlossen. Seither kommen SF-Kälber ins Herdebuch A, wenn sie aus der Anpaarung von einem SF-Stier und einer SF-Kuh stammen – nicht aber, wenn der Vater ein RH- oder ein Simmentaler-Stier ist. Hier kommt das Kalb ins Herdebuch C.

Finanzielle Auswirkungen

Ob Herdebuch A oder C hat finanzielle Auswirkungen. Alex Barenco von Swissherdbook erklärt: «Tiere der Herdebuchstufe A haben zwei Generationen registrierte Abstammung und über 87,5 Prozent SF-Blutanteil. Für diese Tiere erhält der Zuchtverband den Herdebuchbeitrag von 12 Franken pro Tier und Jahr. Für Tiere im Herdebuch C gibt es keine Bundesbeiträge.»

Bei den Besamungen werden aber nur 37 Prozent der SF-Kühe mit SF-Stieren belegt. Viele Züchter besamen mit RH- oder Simmental-Stieren – das führt dazu, das die Nachkommen im Herdebuch C eingetragen werden. Das schmälert das Fundament der Rasse.

Die Rasse

Swiss Fleckvieh ist eine milchbetonte Zweinutzungsrasse. Die Farbe ist hellrot bis dunkelrot mit weissen Flecken. Selten auch weisse Farbe mit roten Flecken. Oft weisser Bauch und weisse Beine. Je nach Abstammung ähnlich wie die Rasse Simmental oder Red Holstein. Hauptzuchtgebiet ist der Kanton Bern mit starker Verbreitung in der westlichen und nördlichen Schweiz.

Speziell geeignet ist die SF-Kuh für Grünland- und Weidebetriebe. Bezüglich Milchleistung werden ab in der ersten Laktation 6000kg und ab der dritten Laktation 8000kg angestrebt. Die Interessengemeinschaft Swiss Fleckvieh (IG SF) wurde im Jahr 2000 gegründet mit dem Ziel, die Fleckviehkuh mit langer Nutzungsdauer zu fördern. Im Jahr 2003 wurde die Sektion Fleckvieh (FT) zur Sektion Swiss Fleckvieh umgetauft. sum

Einbürgerungen vorbei

Von 2014 bis 2019 wurde der IG SF vom Bund die Einbürgerung von drei Stieren pro Jahr erlaubt. Diese Stiere mussten eine SF-Kuh als Mutter haben. Vater durfte ein RH- oder SI-Stier sein. «Diese Möglichkeit wurde genutzt, um interessante Blutlinien und das Hornlosgen in der Population zu verbreiten», erklärt Barenco.

«Solche Stiere durften als 100 Prozent SF anerkannt werden.» Mit dem Geburtsjahr 2020 fällt diese Möglichkeit weg, die Rasse muss selbstständig wachsen. «Der Entscheid, Herdebuch-C-Stiere auch für den Natursprung nicht mehr anzuerkennen, soll die Zunahme von Herdebuch-C-Kühen bremsen.»

«Nun müssen wir zur Rasse Swiss Fleckvieh stehen», ergänzt Seematter. «Es gibt jedes Jahr mehr C-Tiere, und je weniger die Züchter reinrassige SF-Stiere nutzen, damit die Nachkommen als SF-Kühe gelten und auch Beiträge bekommen, desto mehr gerät die Rasse unter Druck.»

Nur 68 Prozent sind reinrassige Tiere und damit im Herdebuch A eingetragen. Bei den Besamungen werden nur gerade 37 Prozent mit SF-Stieren belegt. Für Tiere, die nicht reinrassig sind, wird vom Bund weniger Beitrag an den Zuchtverband ausgeschüttet, somit wird der Mitgliederbeitrag des Züchters höher.

Hornlosigkeit, Fleischigkeit und genügend Blutlinien erachtet Daniel Seematter als künftige Herausforderungen. 28 Prozent der SF-Tiere werden «hornlos» besamt.

.
SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE