4.02.2018 06:03
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
Rasse soll Renaissance erleben
An Bewährtem festhalten ist die eine Seite. Die Simmentalzüchter haben mit dem Projekt Simmentaler eine Vision: Die Züchter sollen aus dem Verkauf von Milch und Fleisch von Simmentaltieren einen Mehrertrag erzielen.

«In der gegenwärtig unsteten Zeit müssen wir etwas Beständiges haben. So etwas wie die Simmentalkuh, die sich in allen Produktionsformen bewährt.» So die Worte von Präsident Christian Tschiemer zur «Lage der Nation». 165 der 880 Mitglieder der Schweizerischen Vereinigung zur Erhaltung und Förderung der reinen Simmentaler Fleckviehrasse SVS waren zur 40. Hauptversammlung in die alte Reithalle nach Thun BE gekommen.

Jahr voller Ereignisse

Tschiemer zählt einige Meilensteine des vergangenen Jahres auf: zwei Spitzen-Zuchtfamilien mit über 90 Punkten. Oder die Simmental-Briefmarke, die sich grosser Beliebtheit erfreute. Glanzpunkt war jedoch die Eliteschau vom 23.November. Viele zufriedene Gesichter und würdige Siegerinnen habe man sehen können.

«Wenn man weiss, wie breit die Spitze ist, dann war das doch ein sackstarker Auftritt. Und beste Werbung für die Rasse», fasste OK-Präsident Dietmar Ackermann seine Eindrücke zusammen. Leider seien etwas weniger Besucher als letztes Mal registriert worden, möglicherweise, weil die Ausstellung unter der Woche stattgefunden habe. Im Hintergrund sei viel Arbeit geleistet worden. Der Berner Schaupräsident Christian Aegerter erklärt: «Die Simmentalrasse hat in den letzten Jahren die grössten Fortschritte gemacht.»

Mehr Wertschöpfung

In den letzten 40 Jahren sei Erhalten und Fördern die Kernaufgabe der Vereinigung gewesen. Nun sei die Zeit reif, um Visionen zu entwickeln, so Tschiemer. Das im letzten Jahr angekündigte Projekt Simmentaler habe Formen angenommen. 14 Personen hätten am zweitägigen Workshop unter der Leitung von Josef Dähler vom Fleischverarbeiter Bell und von Alt-Regierungsrat Christian Wanner, Messen SO, teilgenommen.

«Das Ziel ist es, dass die Züchter aus dem Verkauf von Milch und Fleisch von Simmentaltieren einen Mehrertrag erzielen», erläuterte Tschiemer. Mit dem Versuch, ein geschütztes Gütesiegel zu erreichen, sollen sowohl die Konsumenten wie auch die Verarbeiter von den Vorzügen der Ursprungsrasse überzeugt werden. 

Eine zu bildende Steuerungs- und eine Arbeitsgruppe haben den Auftrag, ein Kommunikations- und Marketingkonzept zu erarbeiten. «Ich mache noch kein Versprechen, dass ihr im Sommer 10 oder 20 Rappen mehr für die Milch oder einen Franken mehr für ein Kilo Fleisch erhalten werdet. Aber die Rasse soll eine Renaissance erleben», so Tschiemer. Grossmehrheitlich ist einem Sonderkredit von 20000 Franken zugestimmt worden.

Für Neuerungen offen

Der genomischen Selektion mag man sich nicht verschliessen. Es brauche die Daten, um mehr Sicherheit erreichen zu können. In der Rassenkommission habe man festgestellt, dass die Natursprungstiere mit der neuen Methode nicht benachteiligt seien. Auch für den neuen Präsidenten der Rassenkommission, Ueli Schärz, geht das Gen-Editing, das «Basteln am Erbgut», zu weit: «Konsumenten wollen das Normale.» 

Sein Vorgänger, Dietmar Ackermann hat die Amtszeit von zwölf Jahren erreicht und scheidet aus dem Vorstand aus. Der bisherige Vizepräsdident wird zum Ehrenmitglied ernannt. Ebenfalls zurückgetreten sind Peter Neukomm, Horboden BE, und Werner Zurbrügg, Scharnachtal BE. Neu gewählt wurden Gottfried Burri, Giffers FR, Hans Dubach, Horboden BE, und Samuel Schmid, Frutigen BE.

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