10.04.2019 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - jul/blu
Umfrage
Nur Bio-Raufutter für Biokühe?
In der vergangenen Woche sorgte ein Beitrag der Konsumentensendung «Kassensturz» auf SRF 1 über konventionelles Raufutter für Biokühe für viel Diskussionsstoff. Bio Suisse erteilte wegen der Dürre 800 Ausnahmebewilligungen. Nun wird ein Verbot diskutiert. Wie sehen Sie das? Ist das der richtige Weg? Mitdiskutieren und abstimmen

Im vergangenen Sommer litt die Landwirtschaft unter der extremen Trockenheit. Das Graswachstum kam zum Erliegen, zahlreiche Milchbauern mussten bereits im Spätsommer ihre Wintervorräte füttern. Teilweise musste auch Raufutter zugekauft werden. Die Kosten stiegen rapid an. Deshalb haben zahlreiche Bauern auch Kühe auf die Schlachtbank gebracht.

Für begrenzten Zeitraum

Von der Raufutter-Knappheit waren auch Biomilchbauern betroffen. Die TV-Macher besuchten einen Biolandwirt in der Ostschweiz. Christian Hinder aus Bischofszell TG bewirtschaftet einen 15 Hektaren grossen Betrieb, auf dem er Biomilch und -gemüse produziert. «Wegen der grossen Trockenheit reichte unser Knospenfutter nicht mehr, ich musste von einem Nachbarbetrieb, der konventionell wirtschaftet, zukaufen», sagte Hinder. Auch andere Biobetriebe konnten ihm nicht aushelfen.

Damit verstiess Hinder nicht gegen die Auflagen von Bio Suisse. Denn die Bio-Verordnung lässt eine temporäre Fütterung mit konventionellem Futter zu. «Bei Futtermittelertragsverlusten, insbesondere auf Grund aussergewöhnlicher Witterungsverhältnisse, darf ein Biobetrieb für einen begrenzten Zeitraum konventionell füttern, wenn er glaubhaft darlegen kann, dass nicht genügend biologisches Futter verfügbar ist», heisst es dort. 

Vorstoss zu Verbot dürfte eingereicht werden

Hinder hatte die Ausnahmebewilligung erhalten. Insgesamt bekamen 800 Bio-Betriebe die Erlaubnis, ihren Tieren konventionelles Futter zu verabreichen. Das sind deutlich mehr als noch im Jahr davor, damals waren es 21. Der «Kassensturz» kritisierte nun, dass den Konsumentinnen und Konsumenten nicht transparent kommuniziert wurde, dass konventionelles Futter für die Produktion von Biomilch verwendet wurde.

Im Kassensturz nahm Thomas Herwig, Leiter Fachgruppe Milch von Bio Suisse, und Biobauer Stellung. Ein Betrieb erhalte nicht einfach so eine Bewilligung, sondern dieser müsse beweisen, dass er das Futter nicht auf einem anderen Weg beschaffen könne, machte Herwig deutlich. Nach mehreren Nachfragen des Moderators Ueli Schmezer sagte er, dass er persönlich der Meinung sei, dass es einfacher wäre, «wenn wir das Zufüttern von konventionellem Futter verbieten. Am Schluss entscheidet aber die Delegiertenversammlung», machte er klar. Herwig, der selbst Biobauer ist, will mit seinem Teilverband Jura Abklärungen treffen und einen Vorstoss zum Verbot von konventionellem Futter einreichen.

Ausnahmebewilligungen auch 2019 möglich

An der Jahresmedienkonferenz von Bio Suisse von vergangener Woche nahm auch der neue Geschäftsführer Balz Strasser auf Nachfrage Stellung dazu, wie der Dachverband der Schweizer Biobauern dieses Jahr mit den Sonderbewilligungen umgehen werde.

Er könne die Frage noch nicht beantworten, sagte er. «Es kommt darauf an, wie sich das Klima entwickelt. Sollte es wieder einen so trockenen und heissen Sommer geben, müssen wir noch mal auf diese Ausnahmebewilligungen zurückgreifen. Wir werden aber sicher aus den Erfahrungen vom letzten Jahr lernen und in den verschiedenen Kommissionen schauen, wie wir damit umgehen», sagte der Geschäftsführer.

schweizerbauer.ch-Leser: Meinungen gespalten

Auch die Leser von schweizerbauer.ch haben mit zahlreichen Kommentaren zum Thema geäussert. Die User sind geteilter Meinung, was die Ausnahmebewilligungen von Bio Suisse angeht. Unter dem Titel «Biobschiss» schrieb etwa ein User, dass er einen Biobetrieb kenne, der offenbar seit Jahren eine Bewilligung habe. «Er füttert regelmässig konventionelles Futter zu und kommt problemlos durch die Kontrollen», kommentierte er. Ein anderer spitzte das Ganze zu und schrieb: «So richtig Geld verdient der Biobauer nur, wenn er ‹chli bschisst›».

Dass die Sonderbewilligungen ein «Bschiss» seien, sehen nicht alle so. Etwa ein User, der einen neuen Vorschlag in die Diskussion brachte: «Bei wirklich akuter Futterknappheit ist es doch sinnvoller, lokales konventionelles Raufutter verfüttern zu dürfen und nicht fragwürdige EU-Bio-Ware, die hunderte Kilometer weit hergekarrt wird. Meiner Meinung nach müsste aber der Bio-Betrieb verpflichtet werden, den Tierbestand angemessen zu reduzieren, bis wieder eigenes Raufutter produziert werden kann.» Diese Idee stiess offenbar auf Anklang, denn ein anderer User schrieb: «Das finde ich, ist ein sehr vernünftiger Vorschlag, nur konventionelles Futter bei Trockenheit, wenn  auch der Viehbestand reduziert wird.»

Wie denken Sie darüber? Ist ein Verbot von konventionellem Raufutter in Ausnahmesituationen der richtige Weg? Oder sollte die derzeitige Lösung mit Ausnahmebewilligungen beibehalten werden? Abstimmen und mitdiskutieren 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE