6.12.2016 09:07
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Niederlande
NL: Kuhbestand um 10% abbauen
In den Niederlanden soll der Milchkuhbestand im kommenden Jahr mit finanzieller Unterstützung der Regierung um 200'000 Tiere oder gut 11% abgebaut werden.

Darauf haben sich der Bauernverband (LTO), der Milchwirtschaftsverband (NZO), der Jungbauernverband (NAJK), der Verband der Milchviehhalter (NMV) und die Rabobank verständigt, um die seit fast zwei Jahren überschrittene Obergrenze der Europäischen Union für die landesspezifischen Phosphatemissionen von 172,9 Mio. kg ab 2017 wieder einhalten zu können.

Tierprämien

Andernfalls drohen dem Sektor Sanktionen der EU-Kommission mit Blick auf die landesspezifische Ausnahmeregelung bei der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie. Die Rabobank geht davon aus, dass die niederländische Milchproduktion als Folge der Abstockung in den kommenden zwei Jahren um insgesamt mehr als 2 Mrd. l zurückgehen wird. Wie aus einem Brief des für die Landwirtschaft zuständigen Staatssekretärs vom Wirtschaftsministerium hervorgeht, sollen Abstocker und aufgabewillige Milchviehbetriebe mit insgesamt 50 Mio. Euro (54 Mio. Fr.) entschädigt werden.

Vorgesehen sind Tierprämien, die 2017 an drei Terminen in absteigender Höhe ausgezahlt werden sollen, um einen Anreiz für eine rasche Abstockung zu schaffen. Gleichzeitig würden Banken Liquiditätshilfen für aufgabewillige Betriebe bereitstellen. Durch die Abstockung erhoffen sich die Akteure eine Verringerung der Phosphatemissionen aus Wirtschaftsdüngern um 2,5 Mio kg.

Wie aus dem Schreiben des Staatssekretärs weiter hervorgeht, sollen die Tierprämien jeweils zur Hälfte aus Branchenmitteln und Staatsgeldern finanziert werden. Den entsprechenden Anteil der Regierung von 25 Mio. Euro will van Dam um 5 Mio. Euro aufstocken, um auch im Schweinesektor Massnahmen zur Verringerung der Phosphatemissionen durch Gülle durchzuführen.

Produzentenpreiskürzung bei Überlieferungen

Um im Milchsektor weitere 4 Mio. kg Phosphat einzusparen, will die Branche dem Papier zufolge einzelbetriebliche Milchreferenzmengen festlegen, deren Überschreitung die Molkereien mit geringeren Erzeugerpreise bestrafen sollen. Die individuelle Kürzung soll allerdings kleiner ausfallen, wenn der betroffene Betrieb seinen Milchkuhbestand abstockt. Ausserdem sollen Milchviehhalter, die ihre Herde im Vergleich zum Stichtag 2. Juli 2015 um mindestens 4 % abgebaut haben, von der Kürzung verschont bleiben.

Darüber hinaus ist geplant, den Phosphorgehalt im Mischfutter für Milchkühe zu senken, ohne die Gesundheit der Tiere zu gefährden. Dadurch erhofft man sich eine Verringerung der Phosphatbelastung um 1,7 Mio. kg. Der LTO, der NMV und der NZO haben mit dem Verband der niederländischen Futtermittelindustrie (Nevedi) vereinbart, die entsprechenden Vorgaben zur Verbesserung der Mineralstoffeffizienz in Milcherzeugerbetrieben zu verschärfen.

Phosphatüberschuss von 6,6 Millionen Kilogramm

Laut van Dam soll die Durchführung des Massnahmenpakets streng kontrolliert werden. Dafür soll das niederländische Statistikamt (CBS) ein Monitoringsystem entwickeln. Nach den Vorstellungen des Staatssekretärs hat das CBS monatlich Berichte vorzulegen, die dann im Dreimonatsabstand als Grundlage für Zwischenstandanalysen und eventuelle Korrekturen herangezogen würden. Nach aktueller Schätzung des CBS dürfte die Phosphatobergrenze im laufenden Jahr um 6,6 Mio. kg überschritten werden.

Den Überschuss für 2015 veranschlagen die Statistiker auf 7,2 Mio kg. Um die EU-Kommission zu einer Verlängerung der landesspezifischen Ausnahmen bei der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie bis einschliesslich 2021 zu bewegen, will van Dam 2018 zusätzlich ein Handelssystem für Phosphatemissionsrechte mit einer Phosphatquote in der Milcherzeugung einführen, das die Einhaltung der nationalen Emissionsobergrenze sicherstellen soll.

Es steht viel auf dem Spiel

Sollten die von der EU gewährten Vergünstigungen für die Niederlande im Rahmen der Nitratrichtlinie entfallen, dürften nach Schätzung der Rabobank fast 500'000 Kühe oder rund 30% des Bestandes im Land zur Disposition stehen. Wieviel Milch dann noch produziert würde, sei von der Milchleistung der verbleibenden Tiere abhängig. So würde die holländische Erzeugung beieiner durchschnittlichen Jahresleistung von 7'000 l Milch um rund 3,5 Mio. t Milch oder 26% auf nur noch etwa 10 Mio. t sinken.

Die niederländischen Milcherzeugerwirtschaften deutlich intensiver als ihre deutschen Kollegen: Während in Holland auf einen Hektar Weideland laut Rabobank im Durchschnitt 13'000 l Milch kommen, sind es in der Bundesrepublik lediglich 7 000 l.

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