30.10.2018 18:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fütterung
Nasser Klee tut im Pansen weh
Vielerorts werden Rinder und Kühe noch geweidet. Mit dem Regen steigt das Risiko, dass das Weidefutter verschmutzt.

In den letzten sonnigen Herbsttagen konnten die Rinder und Kühe problemlos geweidet werden. Dank dem Morgentau ist das Gras und auch das Zwischenfutter stetig etwas gewachsen, doch wurde es beim Weiden nicht verschmutzt.

Schaum im Pansen

Nun ist aber ein Wetterwechsel angekündigt mit Regen und tieferen Temperaturen. Wo noch geweidet wird, sollte man darauf achten, dass die Kühe und Rinder nicht zu viel Zwischenfutter oder diesjährig angesäten Klee erhalten. Beide sind arm an Struktur, verschmutzen bei nasser Witterung sofort und enthalten viel schnell verfügbares Protein, was zu Durchfall führen kann. Hohe Nitratgehalte im Herbstzwischenfutter bergen sogar ein Risiko von Vergiftungen.  

Wichtig ist, dass zu nassem Zwischenfutter und Herbstklee Heu verfüttert wird – dies auch aus Vorbeugung von Pansenblähungen. Denn beim Abbau von Leguminosen wie Klee oder Kreuzblütlern wie Chinakohlrübsen oder Futterraps im Pansen fallen Proteinbruchstücke in höherer Menge an. Diese bewirken, dass die Gasbläschen, die sich beim Futterabbau durch die Mikroben bilden, gebunden werden. Das Gas bleibt also  in kleinen Bläschen im Panseninhalt gefangen, kann nicht aufsteigen und vom Tier auch nicht ausgerülpst werden. Die Folge ist eine schaumige Blähung.

Weniger Speichel

Der Speichel der Rinder enthält schaumbrechende Inhaltsstoffe. Eine geringere Einspeichelung – wie es bei nassem Futter der Fall ist – steigert laut Agroscope das Blährisiko, ebenso die intensivere Pansenfermentation bei schnell abbaubarem Protein. Bei dieser werden die schaumaktiven Komponenten rascher und in grösserer Menge freigesetzt. Die pH-Senkung, die damit verbunden ist, begünstigt zusätzlich Bakterien, die vermehrt Schleimstoffe produzieren. Ein direkter Einfluss des Wetters beim Weiden auf das Risiko von Blähungen ist nicht nachgewiesen.

Holzknebel ins Maul

Bei einer noch nicht weit fortgeschrittenen Blähung kann Bewegung der Tiere das Rülpsen fördern. Man kann sie auch vorne höher stellen oder die Speichelproduktion stimuliere, indem man einen Holzknebel quer durchs Maul legt. Eine Schlundsonde hat bei schaumiger Blähung oft keine direkte Wirkung, bietet aber die Möglichkeit, Blähmittel wie Lebertran zu verabreichen. Ist die Blähung akut lebensbedrohlich, bleibt nur noch der Pansenstich mit einem Trokar oder, weil dieser bei schaumiger Gärung oft nicht hilft, ein Pansenschnitt. Beide sollten, ausser bei absoluten Notfällen, dem Tierarzt überlassen werden, der die Wunde anschliessend ohnehin versorgen muss. sum

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE