21.06.2013 06:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Milchviehhaltung
Mit iPhone und Kamera die Kühe überwachen
Cyril de Poret führt in Riaz FR einen Biobetrieb mit 85 Milchkühen und 70 ha Grünland im Nebenerwerb. Er überwacht seine Herde mit dem iPhone und lässt sämtliche Feldarbeiten vom Lohnunternehmer durchführen.

Das Ziel von Cyril de Poret war die maximale Flexibilisierung und Extensivierung seines Betriebes. Dies hat er mit der Umstellung auf Bio, dem Einbau der Melk- und Reinigungsroboter und der Auslagerung der gesamten Grünlandbewirtschaftung an einen Lohnunternehmer erreicht. «Ich will mit möglichst wenig Kosten über die Runden kommen», sagt der Ingenieur Agronom, welcher zusätzlich 50 Prozent als Agrarjournalist bei der UFA-Revue arbeitet.

Zusammen mit seinem rumänischen Angestellten und einem Lehrling im dritten Lehrjahr bewirtschaftet er so einen 70-Hektaren-Betrieb mit Sömmerungsweiden und 85 Milchkühen im Vollweidesystem. Damit er trotzdem immer die Kontrolle über seine Kuhherde hat, überwacht er sie per iPhone.

Kontrolle per iPhone

Den Wochenendienst und den Feriendienst im Stall übernimmt de Poret. An Werktagen ist er gewöhnlich morgens und abends eine Stunde auf dem Betrieb und erledigt zusätzlich alle Managementaufgaben. Der Angestellte arbeitet unter der Woche von 7.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Der Lehrling ist vor allem im Sommer auf dem Betrieb.

Damit de Poret auch während seiner Abwesenheit ständig über seine Kuhherde informiert ist, verwendet er das Smartphone-Programm «T4C» von Lely. So kontrolliert er unter anderem die Zellzahl, die Milchmenge pro Kuh, den Milchdurchfluss und die Temperatur der gemolkenen Milch. Stellt er fest, dass etwas nicht in Ordnung ist, kann er mit dem Programm «log me in» von unterwegs auf den Computer zugreifen und verhindern, dass die Milch einer bestimmten Kuh in den Milchtank gelangt.

Bei Verdacht auf eine akute Mastitis kann er die Kuh durch Blockieren des Weidetors per iPhone im Stall zurückhalten. Der Betriebsleiter verständigt anschliessend seinen Angestellten, damit er sich die Kuh anschaut und nötigenfalls den Tierarzt holt. Mit Hilfe einer Kamera am Stalldach kann er auch jederzeit das Geschehen im Stall beobachten. «Leider ist die Bildübermittlung etwas langsam», meint de Poret.

Lohnarbeitsvertrag

Als einzige Maschinen stehen auf dem Betrieb ein kleiner Traktor und ein Mulchgerät. De Poret hat mit einem Lohnunternehmer einen Vertrag für die Heuernte (Mähen bis und mit Transport zum Futtertenn) abgeschlossen. Zu einem Pauschalpreis von 380 Franken pro Schnitt und ha wird so das gesamte Futter konserviert. Der Entscheid für den Schnitt liegt beim Betriebsleiter, alles andere macht der Lohnunternehmer selbstständig. Auch das Entmisten und die Hofdüngerausbringung erledigen Dritte.

Mit der Auslagerung der Feldarbeiten liessen sich Maschineninvestitionen sparen, so de Poret. Da sein Vater nicht auf dem Betrieb mithelfe, wäre es oft ein Problem, zu Spitzenzeiten genügend Mitarbeiter zu finden. Der Lohnunternehmer habe zudem eine bessere Schlagkraft.

De Poret und Maureen gewann Kuhmarathon

Vergangene Woche wurde Cyrill de Poret und seine Jersey-Kuh Maureen als Sieger des ersten Kuhmarathons (42 km) ausgezeichnet. 10 Bio-Kühe haben unter dem Patronat von Bio Suisse um den Titel gekämpft. Für das Absolvieren der Distanz auf der Weide benötigte Maureen 10 Tage. Auf den zweiten Rang schaffte es eine Büffelkuh. blu


Durch den Einsatz der grossen Maschinen komme es hingegen auch vor, dass entlang von Waldrändern nicht so sauber gemäht werde, meint de Poret. Und für Lehrlinge sei sein Betrieb wegen der fehlenden Maschinen oft nicht so attraktiv. Nachteilig sei ausserdem die Abhängigkeit vom Lohnunternehmen. Aber die Zusammenarbeit habe jetzt 15 Jahre gut funktioniert, und sonst gebe es ja noch andere Anbieter.

«Ich bin viel flexibler»

Der grosse Vorteil seiner Art der Betriebsführung ist für de Poret die Unabhängigkeit. «Ich muss nicht immer präsent sein im Stall und kann viele Dinge auch vom Zug oder Büro aus erledigen.» Er könne so am Morgen mit seinen Kindern frühstücken und müsse nicht um fünf Uhr im Stall sein. «Ich bin viel flexibler.»

Wenn man ausserdem Angestellte habe, die wenig Erfahrung mit Tieren hätten, sei es beruhigend, wenn man selber alles kontrollieren könne. «Früher war ich in den Ferien oft unruhig. Heute kann ich mich immer vergewissern wie es im Stall läuft.»
Einen Nachteil seines Systems sieht de Poret in der ständigen Abhängigkeit vom Smartphone. «Man kann nie richtig loslassen.» Technische Probleme mit dem iPhone habe es bis jetzt praktisch nie gegeben. Auch beim Melkroboter komme es sehr selten zu Zwischenfällen.

Kostenoptimierung im Vordergrund

Die Kombination Melkroboter – Lohnunternehmer sei für ihn ideal, um den Betrieb extensiv und flexibel zu bewirtschaften, betont de Poret. Klar würde er auch gerne zwischendurch selber mit Maschinen arbeiten, aber die Kostenoptimierung stehe für ihn im Vordergrund. «Ich frage mich, ob man sich mit dem jetzigen Milchpreis und den Gebäudekosten noch lange zusätzlich einen eigenen Maschinenpark leisten kann.»

De Poret ist zufrieden mit seinem System und hofft auch in Zukunft so weiterfahren zu können. Er betont aber, dass diese Form der Betriebsführung nur eine von vielen sei. «Diese Vielfalt an Möglichkeiten macht den Beruf Landwirt ja so interessant!». 

Betriebsspiegel

Betrieb der Familie de Poret in Riaz FR (1000 mü.M.):
Fläche: 70 ha Grünland,  15 ha Sömmerungsflächen. Beides arrondiert in einer Parzelle um den Betrieb. Biobetrieb seit 2002
Tiere: 85 Milchkühe, 40 Stück Jungvieh (die Hälfte davon im Aufzuchtvertrag)
Stalldurchschnitt: 6500 bis 7000 kg Milch pro Kuh. Produktion von silofreier Industriemilch für Cremo.
Melken: Melkroboter Lely Astronaut, Reinigungsroboter
Fütterung: Im Winter Heu, im Sommer Vollweide. 500 bis 550 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr
Maschinen: Ein Traktor, ein Mulchgerät
Angestellte: Eine Person zu 100% aus Rumänien, ein Lehrling im 3. Lehrjahr
Nebenerwerb: 50% Journalist bei der UFA-Revue

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE