21.06.2013 07:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Jakob Groenewold*
MIlchvieh
Luzerneheu in der Mischration lohnt sich
Stroh soll für Struktur in der Mischration sorgen. Doch erfüllt auch Luzerneheu diesen Zweck? Das sollte ein Versuch zeigen.

Um den Strukturwert in kraftfutterreichen Rationen zu erhöhen, setzen Milchproduzenten meist Stroh oder älteres Heu – auch Luzerne – ein. Luzerneheu hat eine ähnlich gute Strukturwirkung wie Stroh, weist aber einen deutlich höheren Rohproteingehalt auf. Im Mittel von 20 Proben wurden in einer Erhebung über 16 Prozent Rohprotein (RP) in der Trockensubstanz (TS) analysiert. Stroh enthält etwa 3,5 Prozent RP.

Vier Rationen im Vergleich

Doch lässt sich die Futteraufnahme einer Mischration durch den Einsatz von Luzerneheu anstatt Stroh verbessern? Und wenn ja, wie viel Luzerneheu soll man beimischen? In einem Versuch wurden in Deutschland vier Futterrationen verglichen, die als Strukturkomponente entweder 1kg Stroh oder Luzerneheu in unterschiedlichen Mengen (1kg, 2kg und 4kg) enthielten.

Da das Luzerneheu höhere Gehalte an Rohprotein enthält, wurde ein Teil des als Proteinfutter eingesetzten Rapsextraktionsschrotes bei steigendem Luzerneanteil durch energiereiches Milchleistungsfutter ausgetauscht. Alle Rationen wurden so zusammengestellt, dass sie für eine Milchleistung von etwa 35kg Milch ausreichten.

In jeder der vier Fütterungsgruppen wurden zwischen 25 und 31 Kühe mit vergleichbaren Daten hinsichtlich der Tiergewichte, Anzahl Laktationen, Laktationsstadium, aktueller Milchleistung sowie der Vorlaktationsleistung gehalten. Der Versuchszeitraum umfasste insgesamt 100 Laktationstage. Die im Versuch eingesetzte Luzerne wies mit 137g/kg TS einen relativ tiefen RP-Gehalt auf.

Höhere Futteraufnahme

Bei den Energie- und Nährstoffkennzahlen unterschieden sich die Rationen mit Stroh bzw. 1kg oder 2kg Luzerneheu nur unwesentlich. Erst bei einem Anteil von 4kg Luzerneheu war der Anteil an unbeständiger Stärke und Zucker bzw. an Energie etwas gemindert.

Beim Vergleich der Futter-, Energie- und Nährstoffaufnahme in den vier Versuchsgruppen (Tabelle 1) fällt zunächst auf, dass in allen Luzernerationen zwischen 1,2 bis 1,4kg Trockenmasse mehr gefressen wurde als in der Strohvariante. Damit bestätigten sich die aus der Praxis berichteten positiven Effekte des Luzerneheus auf die Futteraufnahme. Während es bei der Versorgung mit Rohprotein   nur geringe Unterschiede gab, wurden die Kühe insbesondere bei der Ration mit 1kg Luzerne deutlich besser mit löslichen Kohlehydraten (Stärke und Zucker) versorgt.

Mehr Milch mit Luzerne

Die Gesamtenergieaufnahme war bei allen Luzernerationen im Vergleich zur Strohration erhöht, wobei sich die Unterschiede in den beiden Fütterungsvarianten mit 1 kg bzw. 2kg Luzerneheu auch statistisch absichern liessen. Rein rechnerisch sollte das Mehr an Energie in diesen beiden Gruppen für etwa 2,4 bis 3,4 Liter Milch ausreichen.

Betrachtet man die Leistungsdaten (Tabelle 2), dann fallen die generell etwas höheren Milchmengen der Luzerne-Varianten im Vergleich zur Strohration auf. Bei der Ration mit 1kg Luzerneheu erreichten die Kühe mit 36,2 kg die höchste energiekorrigierte Milchmenge (ECM), was im Vergleich zur Strohgruppe einem Plus von immerhin 3,2 kg Milch entspricht. Mit einer täglichen Eiweissmenge von 1,21kg erzielte diese Fütterungsgruppe 0,11kg mehr als die Strohvariante. Die Unterschiede bei den Milchinhaltsstoffen waren bei den ersten drei Fütterungsgruppen eher gering.

Mehrwert – Mehrkosten

Luzerneheu in der Ration lässt die Futteraufnahme um rund 1,2 bis 1,4kg TS ansteigen. Dies führte zu höheren Milchleistungen, die in der Fütterungsvariante 1kg Luzerneheu mit einem Plus von 3,2kg Milch doch beachtlich war. Diese Mehrleistung dürfte auch den deutlich höheren Preis von Luzerneheu im Vergleich zu Stroh rechtfertigen.

*Der Autor arbeitet bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (D).

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