8.09.2020 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Anbindestall
Läger sollen grösser werden
Für das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sind Standplätze in vielen Anbindeställen zu klein. Die IG Anbindestall will sich gegen neue Normen wehren.

Die Mehrheit der Milchkühe wird im Anbindestall gehalten. Nun soll ein Forschungsprojekt Grundlagen dazu liefern, wie die Mindestabmessungen in der Tierschutzverordnung (TschV) angepasst werden sollen. Letztmals geschah dies 2008. 

Auf 30 Betrieben werden Daten erhoben

Das Zentrum für tiergerechte Haltung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) führt ab November bis April 2021 das Projekt mit dem Titel «Standplatzabmessungen im Anbindestall – Mindestanforderungen für grosse Kühe und Jungvieh» durch. Auf 30 Betrieben werden Landwirte befragt und Daten erhoben zum Verhalten der Kühe, zu allfälligen Schäden – etwa an den Sprunggelenken – sowie zur Grösse der Kühe, des Jungviehs und der Standplätze.

Vor allem auf Betrieben mit hochleistenden Kühen stehen laut dem Projektbeschrieb vermehrt sehr grosse Tiere mit einer Widerristhöhe über 150cm auf Standplätzen, die für kleinere Tiere eingerichtet worden waren. Dies gelte auch für das Jungvieh. Im Projekt wird deshalb erstens geprüft, wie sich ein zu knapp bemessener Standplatz auf Wohlbefinden und Tiergesundheit auswirkt. Zweitens werden Grundlagen für eine Aktualisierung der Mindestvorgaben für den Kurzstand in der TschV erarbeitet. Drittens soll eingeschätzt werden, wie auf Betrieben mit zu kleinen Standplätzen Anpassungen vorzunehmen sind.

IG Anbindestall würde sich gegen Revision wehren

«Es gehört zu unseren Aufgaben, die Entwicklung bei der Zucht und der Tierhaltung zu beobachten und neue Erkenntnisse in das Tierschutzrecht aufzunehmen», erklärt Eva van Beek vom BLV. «Eine grössere Revision der TschV dauert rund zwei Jahre ab der Aufnahme der Arbeiten bis zum Inkrafttreten. Es ist auch im Sinn der Tierhalter, in der Zwischenzeit fundierte Entscheidungsgrundlagen für das Tierwohl zu erarbeiten.» Ob allfällige Anpassungen in der TschV für Neubauten, für Neu- und Umbauten oder mit Übergangsfrist für alle Anbindeställe gelten sollen, kann das BLV noch nicht sagen.

Konrad Klötzli, Präsident der Interessengemeinschaft (IG) Anbindestall, entgegnet: «Holsteinkühe wurden zwar grösser, aber die Zuchtprogramme wollen die Grösse nun beschränken. Jeder Züchter soll die Kuh, die in seinen Stall passt, frei wählen – so soll es bleiben.» Breite und Länge des Mittellangstands von 120 und 240cm würden reichen: «Gegen eine Revision der TschV werden wir uns wehren. Viel wichtiger wäre die Forschung zur Sauberhaltung im Anbindestall.»

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