29.09.2014 08:55
Quelle: schweizerbauer.ch - Jacqueline Graber
Bern
Kühe statt Schafe
Niklaus Rentsch hat ein Ziel: Er möchte von der Landwirtschaft leben können. Aus diesem Grund stellt er den elterlichen Betrieb von der Schafhaltung auf Milchwirtschaft um. Mittlerweile stehen elf Jersey-Kühe im Stall.

«Ich bin schon seit Kindesbeinen an ein ‹Hoopeler›.» Dieser kurze Satz sagt nicht nur etwas über die Tierliebe von Niklaus Rentsch aus – er spiegelt auch das grosse Engagement des Junglandwirtes wider. Denn der 19-Jährige aus Dürrenroth stellt derzeit den 9,5 ha grossen Hof seiner Eltern von Fleisch-Schafhaltung auf Milchwirtschaft um.

Sein Ziel ist es, in sechs bis sieben Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen. Die Lehre als Bauer hat er diesen Sommer abgeschlossen, jetzt hat er noch eine  Ausbildung als Zimmermann in Angriff genommen «Mein Ziel ist es, einmal von der Landwirtschaft zu leben.» Als gelernter Zimmermann könne man viele anfallende Arbeiten selber machen, begründet er seine Zweitausbildung.

50 Glocken

Es ist kurz nach 18 Uhr. Niklaus Rentsch ist erst vor Kurzem aus dem Zimmereibetrieb heimgekehrt, und schon tauscht er den Hammer gegen eine Gabel ein. Er geht durch das Futtertenn und gibt Silofutter in die Barren. Musikalisch begleitet wird sein Tun durch Glockengebimmel. Denn jede Kuh hat eine  Glocke umgehängt.

Auf die aktuelle Studie der ETH Zürich, die besagt, dass das Tragen von Glocken sich negativ auf das Fressverhalten der Kühe auswirken würde (der «Schweizer Bauer» berichtete), reagiert Rentsch verhalten: «Ich bin nicht dieser Meinung.» Glocken gehörten seit jeher zur Landwirtschaft und hätten Tradition. Die ersten habe er von seinem Grossätti bekommen, die restlichen habe er nach und nach dazugekauft, berichtet er. Mittlerweile beträgt seine Sammlung rund 50 Stück.

Leichter und weniger Trittschäden

Mit der Umstellung von Schafhaltung auf Milchwirtschaft hat Niklaus Rentsch im letzten Frühling begonnen. Bis dahin weideten 140 Auen und Lämmer auf den Weiden. Während der Bestand der Jerseys nach und nach auf elf Tiere aufgestockt wurde, nahm die Zahl der Schafe rapide ab. Zwar sind die Schafe auch heute nicht ganz vom Bauernhof verschwunden, jedoch sind es lediglich noch 15 Tiere.

Dass die Wahl gerade auf Jersey-Kühe fiel, hat einen einfachen Grund: Der 1996 umgebaute Stall erfüllt die seit September 2013 geltenden Anforderungen nicht. Zudem sind die rund 130cm grossen Tiere mit 350 bis 400 Kilo Lebendgewicht auch deutlich leichter als ihre Artgenossen, was wiederum weniger Trittschäden bedeutet.

52 Mastschweine

Unterstützt bei den Stallarbeiten wird Niklaus Rentsch von seiner Mutter Brigitte. Vater Hans-Rudolf arbeitet 90 Prozent ausser Haus. Seine Mutter war es auch, die den Jungbauern in seinem Bestreben bestärkte. «Bis vor 12 Jahren hatten wir im Stall gehörntes OB», erzählt Niklaus Rentsch. Danach hätten seine Eltern auf Schafhaltung umgestellt. Und nun stünden wieder Kühe im Stall. Doch nebst den Jersey-Kühen und Schafen gilt es, täglich auch 52 Mastschweine zu versorgen.

Ein weiterer Betriebszweig ist der Anbau von Beeren. Nebst Erdbeeren und Brombeeren werden auch Himbeeren und Heidelbeeren auf rund einer halben Hektare angepflanzt. Die meisten Früchte werden direkt vermarktet. Zudem verkauft Brigitte Rentsch einmal pro Woche in Huttwil am Landfrauenmarkt die frisch geernteten Früchte. Auch in diesem Bereich strebt Niklaus Rentsch eine Veränderung an. «Wir möchten die Anbaufläche vergrössern.»

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