10.01.2020 13:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Tiergesundheit
Klauenkrankheit: Ursache entdeckt
Das Auftreten der Klauenkrankheit Tylom bei Kühen ist wesentlich genetisch bedingt. Das fanden Forscher der Universität Halle und der Universität Göttingen heraus. Die Interdigitale Hyperplasie wird bisher meist rein auf die Hygienebedingungen im Stall zurückgeführt.

Wie die beiden Universitäten mitteilen, identifizierten die Forscher auf einem Betrieb, wo die Krankheit häufig vorkam, auf ein verantwortliches Gen. Auf dem Betrieb waren rund 60 Prozent der Tiere betroffen. 

45’000 kleine DNA-Abschnitte verglichen

Mit einer sogenannten Genomweiten Assoziierungsstudie wurden insgesamt 45’000 kleine DNA-Abschnitte, sogenannte SNPs, von gesunden und kranken Kühen verglichen. Dabei fielen zunächst zwei Stellen auf, die mit der Krankheit zusammenhängen könnten. Eine davon war das Gen für den Tyrosin-Kinase-Receptor 2 (ROR2), heisst es in der Mitteilung.

Um ein einziges Gen zu identifizieren, dass eine Krankheit zu grossen Teilen verantwortet, müssten viele Faktoren passen, halten die Forscher fest. «Das passt alles zusammen, so einen Fall haben wir ganz selten», sagt Hermann Swalve, Professor für Tierzucht am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Uni Halle.

3 bis 8 Prozent der Kühe betroffen

Unter der Interdigitale Hyperplasie, auch Limax oder Tylom genannt, leiden drei bis acht Prozent aller Kühe in Deutschland im Laufe ihres Lebens, meist jedoch in höherem Alter. Zwischen den beiden Zehen der Klaue von Rindern wächst dabei eine weitere, «verkümmerte» Zehe heran. Diese spreizt die eigentlichen Zehen auseinander. 

Für die Kühe ist das schmerzhaft. «Es kommt zu Hautrissen, die wiederum Eintrittspforten für Bakterien und damit für weitere Erkrankungen bilden», so Swalve. Die Tiere lahmen, die Lebensdauer wird verkürzt.

Mit Züchtung eindämmen

Dass der genetische Hintergrund so lange vernachlässigt wurde, ist für Professor Swalve überraschend. Denn bereits 1952 vermutete Veterinärmediziner Richard Götze aus Hannover einen fast ausschliesslich genetischen Hintergrund für die Interdigitale Hyperplasie. Erst mit der nun vorliegenden Studie werde die Vermutung Götzes bestätigt.

Für die Kühe und die Bauern hat die Entdeckung positive Folgen. Durch gezielte Züchtung könnte die Krankheit nun eingedämmt werden. Bisher wurde das Auftreten der Krankheit auf die Hygienebedingungen im Stall zurückgeführt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE