17.08.2015 10:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fütterung
Kartoffeln und Schnitzel sparen Mais
Die Kühe brauchen im Winter zu fressen, auch wenn Mais- und Grassilage und das Dürrfutter knapp sind. Mit einer gezielten Rationenplanung und Ergänzungsfuttermitteln kann man das Futterloch stopfen.

Auf den Wiesen ist in den letzten Wochen kaum Gras gewachsen. Der dritte Schnitt hat bis zu zwei Drittel weniger Ertrag gebracht als in anderen Jahren. In einigen Gebieten der Schweiz fressen Rinder und Kühe schon das Winterfutter. Und auch die Silomaisernte dürfte dieses Jahr vielerorts bescheiden ausfallen. 

In der Ostschweiz wurden erste Parzellen bereits siliert. In dieser Situation muss man mit dem Futter haushälterisch umgehen. Es gilt, das Winterfutter solange wie möglich aufzusparen  und die Ration mit anderen Futterkomponenten zu ergänzen, wenn weniger Silomais verfügbar ist.

Abbaubarkeit beachten

«Wenn Mais- und Grassilage sowie Dürrfutter knapp sind, ist es umso wichtiger, dass die Ration möglichst ausgewogen ist und die Futterkomponenten optimal aufeinander abgestimmt werden», betont Hansueli Rüegsegger von der UFA. Optimal heisst, dass nicht nur genügend Energie und Protein angeboten werden, sondern auch, dass deren Abbaubarkeit abgestimmt wird.

Nur wenn die Pansenmikroben Energie und Eiweiss gleichzeitig zur Verfügung haben, können sie optimal arbeiten. So enthält Maissilage beispielsweise mit zunehmender Lagerdauer immer mehr schnell fermentierbare Stärke. Diese muss mit schnell abbaubaren Proteinen, wie sie etwa im Rapsextraktionsschrot vorkommen, ergänzt werden. 

Pressschnitzel passen oft

Bei einem Mangel an Maissilage kann der Anteil Zuckerrübenpressschnitzel in der Ration bis auf 10kg Frischsubstanz pro Kuh und Tag erhöht werden – sofern aufgrund der Witterung genügend Schnitzel zu Verfügung stehen werden. «Pressschnitzel passen in viele Rationen», weiss Rüegsegger. Trotz des Zuckers im Namen enthalten sie nur wenig schnell abbaubaren Zucker, dafür viel Hemizellulosen und Pektin, was für einen langsamen und gleichmässigen Abbau im Pansen und somit für ein gutes Pansenmilieu sorgt. Sie haben einen Energiewert, der mit Kraftfutter vergleichbar ist.

Pressschnitzel werden sehr gerne gefressen, erhöhen die Futteraufnahme und fördern die Wiederkäutätigkeit. Pressschnitzel sind aber heikel zum Silieren. Um Lagerverluste zu vermeiden, müssen die Silierregeln eingehalten werden.

Kartoffeln sind beliebt - Zwischenfutter nutzen

Auch mit Kartoffeln lässt sich eine Ration «strecken». Laut Rüegsegger  können maximal 15kg frische Kartoffeln pro Kuh und Tag verfüttert werden. Kartoffeln werden gern gefressen, regen den Verzehr an und bringen viel Stärke  in die Ration – einen Teil davon  als sogenannt beständige Stärke oder Bypass-Stärke. Diese wird im Dünndarm genutzt und entlastet den Pansen.

Zwischenfutter wird in «normalen» Futterbaujahren oft nicht beweidet oder siliert. Eine Nutzung ist aber durchaus möglich und macht Sinn, wenn das Futter knapp ist. Allerdings ist Zwischenfutter – wie Herbstgras im Allgemeinen – arm an Struktur und enthält kaum Mineralstoffe. Zudem verschmutzt es bei nasser Witterung schnell, was zusammen mit dem hohen Wassergehalt  und dem Gehalt an schnell verfügbarem Protein zu Durchfall führen kann. 

Auch kommt es im Herbst immer wieder zu Pansenblähungen. Eine weitere Gefahr sind hohe Nitratgehalte im Herbstzwischenfutter, die zu Vergiftungen führen können. Bei Kreuzblütlern wie etwa Chinakohlrübsen oder Futterraps begrenzen auch Pflanzeninhaltsstoffe mit negativen Auswirkungen den Anteil in der Ration. Zwischenfutter und Herbstklee müssen deshalb in der Ration mit Heu oder zugekauften Raufutterergänzungswürfeln wie Fibralor ergänzt werden.

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