8.10.2018 14:55
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehzucht
«In der Zucht steckt mein Herzblut»
Mit 14'606kg Milch hat Emil Schmid die Herde mit der höchsten Durchschnittsleistung bei Holstein Switzerland. Nun muss er seine 25 Kühe und 25 Stück Jungvieh verkaufen. Mitte November ist es so weit.

Der Betrieb mit dem Präfix EmilS Ranch dürfte den meisten Holsteinzüchtern ein Begriff sein. Schliesslich handelt es sich um die Herde mit der höchsten Durchschnittsleistung bei Holstein Switzerland – seit 13 Jahren in Folge. 14606 kg mit 4,08 Prozent Fett und 3,07 Prozent Eiweiss waren es im letzten Jahr. 

Doch nun ist Schluss. Emil Schmid aus Baar ZG, Besitzer der Hochleistungskühe, hört mit Melken auf. «Am 17. November melke ich zum letzten Mal», sagt er. «Dann verkaufe ich die ganze Herde von 25 Kühen und 25 Stück Jungvieh aus eigener Zucht – vom Kalb bis zum Rind.»

Hoher Siedlungsdruck

Der Grund: Schmids Tochter und der Schwiegersohn werden den Betrieb übernehmen, aber nicht weiter melken – wofür der jetzige Betriebsleiter Verständnis hat. «Zudem müsste ich aussiedeln und einen neuen Stall bauen. Der Siedlungsdruck hier in Baar ist extrem hoch. Und wir haben kein Eigenland und kein Bauland», zählt der Holstein-Meisterzüchter von 2010 weiter auf. Auch die Agrarpolitik und tiefe Milchpreise hätten zu diesem Schritt geführt. Künftig werden auf dem Hof Fleischschafe gehalten. Schon jetzt besteht eine Herde mit 240 Mutterschafen.

Am 17. November führt Emil Schmid einen Hofverkauf auf dem Betrieb in Baar durch. An der Auktion, die Res Aebi durchführt, wird zum Beispiel EmilS Ranch Sosa Silvia verkauft. Die VG 88 eingestufte Sosa-Tochter hat in der dritten Laktation 21'240kg mit 3,45 Prozent Fett und 2,65 Prozent Eiweiss geleistet. Weiter steht EmilS Ranch Baxter Bettina zum Verkauf, sie hat als Erstmelk 16'041kg Milch gegeben mit 3,73 Prozent Fett und 2,94 Prozent Eiweiss. In der zweiten Laktation sind es in 305 Tagen 18'584kg mit 3,54 Fett und 2,95 Eiweiss.  

Persistenz von 99 Prozent

Weiter SchmidS Ranch Blitz Balbina, die in fünf Laktationen  eine Lebensleistung von 119'000kg Milch aufweist, und zwei andere 100'000er-Kühe. «Ich verkaufe die Kühe schweren Herzens», bedauert Schmid. «In meiner Zucht liegt mein ganzes Herzblut.»

Auffällig ist nicht nur die enorme Milchleistung, sondern auch die Persistenz von 99 Prozent im Schnitt. Das heisst, die 15 Kühe unter Milchleistungskontrolle geben während der ganzen Laktation mit drei Mal täglich melken nahezu gleich viel Milch – und die Laktation bei Schmid dauert in der Regel weit länger als 305 Tage. Besamt wird erst, wenn die Leistung unter 45kg Tagesmilch gesunken ist. «Ich kann nicht eine Kuh mit 60kg  trockenstellen», begründet Schmid, «deshalb gibt es manchmal nur alle zwei Jahre ein Kalb.»

Seit 1990 Zucht auf Milch

Um diese Zahlen zu erreichen, müssen Fütterung, Haltung und Genetik stimmen. Bezüglich Genetik meint er: «Seit 1990 führe ich den Betrieb, und ich habe immer nur auf Milch gezüchtet. 2016 lag der Zuchtwert der Herde bei +2183kg. Die Lebenstagleistung, eines der wesentlichsten Kriterien für die Wirtschaftlichkeit, bei 23,3kg Herdendurchschnitt.» 

Die Fütterung muss in Schmids Augen die Rohfaser- und Energieversorgung sicherstellen. Dazu gibt er eine Total-Mischration mit Haylage, Maismehl, Dextrose, Biertreber, Graspellets, Emd und Heu und einem Eiweisskonzentrat: «Ausser diesem und der Dextrose produzieren wir alle Komponenten selber. Dank den Graspellets konnte ich die Eiweisskonzentrate zurückfahren.» Am Abend legt er noch gutes Emd vor. Die Ration ist auf 40kg Milch ausgelegt. 

Respekt vor der Fütterung

Erstaunlich ist die Haltung, die Kühe stehen nämlich in einem Anbindestall. Aber: «Das heisst nicht, dass ich nicht auf Kuhkomfort setze. Es gibt kaum Kühe, die so tief im Stroh liegen wie unsere. Auch mussten wir den Wasserdurchlass der Tränkebecken erhöhen und die Lüftung optimieren.» Schmid hat bereits Interessenten für seine Kühe. «Doch viele haben Respekt vor der Fütterung», weiss er, «dabei ist diese kein Hokuspokus.» 

Hingegen sei es nicht einfach, eine Kuh aus dem Anbindestall Knall auf Fall in einen Laufstall zu stellen. «Da braucht es Menschenverstand, auch wenn die Rinder und Galtkühe hier auch im Laufstall sind.» Seit 38 Jahren führt Schmid neben dem Betrieb ein Gartenbauunternehmen mit zwei bis drei Angestellten und eine Spezialholzerei. Diese wird er weiterführen, nun einfach Vollzeit.

Herdenverkauf

Am Samstag, 17. November, auf dem Betrieb Geissbühl 1 in Baar ZG. Ab 9.30 Uhr Besichtigung der Verkaufstiere, 10 Uhr Verkauf einiger Maschinen, 12.45 Uhr Start der Auktion. 
Weitere Infos: Emil Schmid, Telefon 079 435 56 58, emilschmid62@bluewin.ch

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