6.10.2013 07:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kälberaufzucht
Im Kälberexpress von Einzel- zu Gruppenhaltung
Kälber sollten in den ersten Tagen einzeln gehalten werden. Danach müssen sie in die Gruppe. Im Kälberexpress geht beides.

In der Milchviehhaltung sind die Ställe meist auf die Kühe zugeschnitten. Für sie sind viel Licht, viel Luft, weiche Liegeflächen und genug Futter und Wasser selbstverständlich – schliesslich wirken sich schlechte Haltungsbedingungen direkt auf die Leistung aus.

Bei den neugeborenen Kälbern sieht es oft anders aus. Sie verbringen ihre ersten Lebenswochen auch mal in einer dunklen Ecke oder in einer Gruppe mit älteren Kälbern, obwohl beides nicht optimal ist. «In den ersten beiden Lebenswochen sollten Kälber keinen Flotzmaulkontakt mit anderen Kälbern haben», sagt Christian Schönbächler. Der Bauernsohn und Absolvent der Technikerschule am Strickhof hat im Februar dieses Jahres mit drei Kollegen die Firma BRS-Hoftech, eine GmbH, gegründet.

Zwei bis sechs Boxen

Über die BRS-Hoftech importieren sie den Kälberexpress aus Dänemark. «Das ist ein Aufstallungssystem mit zwei bis sechs Kälberboxen», erklärt Schönbächler. «Der Express ist mobil, er kann mit dem Frontlader verschoben werden. Im Gegensatz zum Kälberiglu steht er aber auf Stelzen und ist mit einem Vordach ausgestattet.» Das habe zwei Vorteile: «Weil der Urin ablaufen kann, sind die Kälber trockener, und der Strohverbrauch ist tiefer. Und dank Vordach kann man auch bei Regen die Kälber im Trockenen tränken.»

Die Boxen sind rund 2m2 gross. Jede Box ist zudem mit einer Heuraufe und zwei Eimerhaltern ausgestattet. Die Trennwände verhindern den Kontakt zum Nachbarskalb. «Sobald die Kälber älter sind, kann man die Trennwände jedoch entfernen. Dann wird aus den zwei bis sechs Einzelboxen ein Gruppenhaltungssystem», erwähnt Schönbächler einen weiteren Vorteil des Express.

Vollständig leeren

Schönbächler rät den Bauern, im Zweifelsfall lieber zwei Systeme à drei Boxen statt eines mit sechs Boxen zu kaufen. «Wichtig ist, dass man den Kälberexpress jeweils vollständig leert und sauber auswäscht. Da er nur etwa 200kg pro Box wiegt, kann man ihn mit dem Frontlader zum Mistplatz transportieren, dort nach vorn neigen und problemlos misten und waschen.» 

Biestmilch kontrollieren

Neben dem Importgeschäft gibt er auch Tipps zur korrekten Kälberhaltung. Dazu haben er und seine Kollegen eine Checkliste mit 22 Punkten zur Fütterung, Haltung und Kontrolle der Kälber zusammengestellt. So rät er, dem Kalb in den ersten zwei Lebensstunden zwei bis drei Liter Kolostrum zu verabreichen – ein Tipp, den wohl jeder kennt.

Weniger bekannt dürfte den meisten sein, dass man die Kolostrumqualität mit einem Kolostrometer einfach und kostengünstig messen kann. «Das macht Sinn, wenn die Kälber häufig Durchfall haben, aber auch, wenn man wissen will, von welcher Kuh man am besten einen Kolostrumvorrat einfriert», findet Schönbächler. Er weiss von professionell geführten Betrieben im Ausland, die sogar  den Gehalt an Immunglobulinen im Blut der Kälber messen lassen.

Milch muss warm sein

Bei schlechter Kälbergesundheit rät Schönbächler zu weiteren Kontrollen: Mit einer Nebelmaschine kann man kontrollieren, ob die Kälber keiner Zugluft ausgesetzt sind. Die Windgeschwindigkeit sollte unter 2m/s liegen. Ebenfalls messen lässt sich der Ammoniakgehalt, der 10ppm nicht übersteigen darf, und die Temperatur der Tränke.

«Die wird oft vernachlässigt», hat er festgestellt, «die Milch muss 40°C warm sein, damit sie im Labmagen gerinnt. Wir raten deshalb, den Kälberexpress in der Nähe des Milchzimmers aufzustellen.» Stehe er an einem Ort, an dem man oft vorbeigehe, bemerke man  zudem sofort, wenn etwas nicht stimme mit den Kälbern.

www.brshoftech.ch

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