19.06.2014 08:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Schönbächler*
Kälber
Im Iglu gibts oft eine Sauna
Für Kälber bedeuten hohe Temperaturen im Sommer viel Stress. Mit dem richtigen Haltungssystem kann man vorbeugen.

Wer mal gute Kühe haben will, tut gut daran, bereits den frischgeborenen Kälbern ein ideales Umfeld zum Aufwachsen zu bieten. Nebst der richtigen Versorgung mit Spuren- und Mengenelementen und der richtigen Fütterung spielt die Haltung eine entscheidende Rolle. Kälber fühlen sich bei Temperaturen zwischen 0 und +20°C am wohlsten. Gerade in den Sommermonaten ist die obere Temperaturgrenze schnell überschritten, was für die Kälber einen nicht zu unterschätzenden Stressfaktor bedeutet.

Erhöhte Atemfrequenz

Gestresste Kälber  haben ein geschwächtes Immunsystem und sind daher anfälliger auf Krankheiten. Schlechtere Tageszunahmen bis hin zu einem Wachstumsstillstand können die Folge sein. Ebenso ist die Krankheitsanfälligkeit höher. Bei Temperaturen über 25°C ist das Temperaturgefälle zwischen Körper (38°C) und Stallluft zu klein, und das Kalb kann die Wärme nicht mehr direkt an die Umgebung abgeben. Es fängt an zu schwitzen und hat eine erhöhte Atemfrequenz.

Die wichtigsten Anforderungen an die Kälberhaltung sind:

  • Kälber immer im Freien, an der frischen Luft halten
  • Keine Zugluft, Luftgeschwindigkeiten  unter 0,2m/s
  • Luftaustausch mind. 35m3 Frischluft pro Stunde
  • Trockener Liegebereich
  • Keine sich selbst erwärmenden Materialien wie Kunststoff oder  Plastik
  • Kälber beobachten

Wer seine Kälber beobachtet, kann aus deren Verhalten schnell die richtigen Schlüsse ziehen. Eine erhöhte Atemfrequenz im Sommer bedeutet nicht, dass Lungenprobleme  vorhanden sein müssen. Oft hat das Kalb schlicht zu heiss und versucht, Wärme abzuführen.

Die am weitesten verbreitete Haltungsform von Jungkälbern in der Schweiz ist die Igluhaltung. Diese Lösung vermag aber im Sommer den Anforderungen der Kälber nicht zu genügen. An der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft (D) wurden die Temperaturen im Iglu untersucht. In den Sommermonaten betrugen sie 30 bis 45°C. Solche Temperaturen sind für das Kalb   äusserst gefährlich. Als logische Folge davon ziehen es die Kälber vor, an der prallen Sonne zu liegen. Bei der klimatisierten Stallhaltung können die Temperaturschwankungen besser ausgeglichen werden. Wichtig ist, dass der Luftaustausch gewährleistet werden kann, ohne dass Zugluft entsteht. In den Ecken trifft man häufig auf Ammoniakkonzentrationen, welche für die Lungenentwicklung von Jungtieren schädlich sein können. Machen Sie den Test und liegen Sie einmal dort hin, wo Ihre Kälber liegen müssen.

Haltung hinterfragen

Lungenkrankheiten, Kälberdurchfall bis hin zu Abgängen sind weitverbreitet.  Nebst den offensichtlichen Kälberkrankheiten gibt es aber häufig auch schleichende Faktoren, welche die Kälber im Wachstum hindern – mit beträchtlichen finanziellen Einbussen. Es lohnt sich, die eigene Kälberhaltung einmal zu hinterfragen.

*Christian Schönbächler  arbeitet bei der BRS Hoftech. Sie vertreibt in der Schweiz professionelle Kälberhaltungssysteme aus Dänemark.  www.brshoftech.ch.

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