3.11.2019 09:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Fütterung
Herbstgras fehlt Energie
Die Umstellung auf Winterfütterung Ende Herbst erfolgt tendenziell immer früher, durchschnittlich um einen Tag in drei Jahren. Dies macht Sinn, denn nasses, strukturarmes Herbstgras allein macht die Kühe nicht satt.

In den letzten 20 Jahren erfolgte der erste Weideaustrieb des Viehs im Frühling tendenziell immer etwas früher, durchschnittlich um einen Tag in drei Jahren. Ob dies ein Effekt des Klimawandels oder eine Änderung der landwirtschaftlichen Praxis aufgrund der Vorteile eines frühen Weideaustriebs ist, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. 

Wiesen brauchen Zeit

Andererseits erfolgte auch die Umstellung auf Winterfütterung Ende Herbst tendenziell immer früher, durchschnittlich ebenfalls um einen Tag in drei Jahren. In diesem Fall könnte das steigende Leistungsniveau der Tiere der Grund sein, welches eine frühere Umstellung auf die Winterfütterung erfordert, um Leistungseinbrüche zu vermeiden.

Tatsache ist: Es ist kontraproduktiv, die Kühe bis zum letzten Tag auf abgenagten Weiden im Schneegestöber draussen zu lassen. Einerseits, weil die Wiesen vor dem Wintereinbruch fausthoch sein sollten und die Pflanzen nach dem letzten Abweiden noch Reservestoffe einlagern müssen. Andererseits, weil auch die Kühe, respektive die Pansenmikroben, für die Umstellung auf die Winterfütterung Zeit brauchen.

Ab der 40. Kalenderwoche

Marcel Bühler ist Verkaufsleiter Region Mitte und Milchviehspezialist bei der Melior. «Viele Milchviehhalter haben die Kühe und die Rinder jetzt noch draussen auf der Weide», weiss er, «wir hatten einen schönen Herbst, und es hat noch viel Gras.» Doch Achtung: Das Herbstgras ist nicht mit jenem im Frühling oder Sommer zu vergleichen. «Im Weidegras fehlen im Herbst die Struktur und die Energie», weiss Bühler.

«Untersuchungen haben gezeigt, dass je nach Region ab der 40. Kalenderwoche, also ab Anfang Oktober, der Energiegehalt zurückgeht.» Diesbezüglich aufpassen müssen vor allem Käsereimilchbetriebe, die im Stall keine Mischration füttern. Betriebe, die das Weiden nur als Bewegungstherapie nützen und im Stall ganzjährig Gras- und Maissilage vorlegen, sind wenig von den Gehaltsschwankungen im Jahresverlauf betroffen.

Wenig Magnesium

Laut Bühler ist aber nicht nur der Energiemangel im Herbstgras ein Problem: «Im Herbst hat das Gras – ebenso wie im Frühling – einen tieferen Magnesiumgehalt als im Sommer. Das muss man bei der Mineralstoffergänzung bedenken.» Um die Energieversorgung sicherzustellen, können Käsereimilchbetriebe beispielsweise Grünmais – oder, wenn vorhanden – Kartoffeln beifüttern oder die Ration angepasst mit Mischfutter  ergänzen.

Trotz aller Massnahmen: Eine Fütterungsumstellung ist immer eine heikle Sache, denn die Mikroben brauchen jeweils rund zwei Wochen, um sich vollständig an neue Futtermittel anzupassen. «Wird im Frühherbst nur geweidet, anschliessend für kurze Zeit zusätzlich Grünmais beigefüttert und später auf Heu umgestellt, kann sich die Pansenflora nicht schnell genug auf die veränderten Bedingungen einstellen», warnt Bühler.

Strukturiertes Heu zuzufüttern

Auf Betrieben, auf denen derzeit noch geweidet wird, rät er, im Stall bereits gut strukturiertes Heu zuzufüttern. Dies, damit das nasse, eiweissreiche und strukturarme Herbstgras mit Struktur ergänzt wird  – aber auch, damit der Pansen-pH im optimalen Bereich bleibt. Bühler erklärt: «Beim Wiederkäuen von gut strukturiertem Futter entsteht Speichel in grossen Mengen.

Dieser Vorgang ist gewünscht und puffert den pH-Wert im Pansen. Währenddem die Kühe auf der Weide fressen, sinkt der pH-Wert ab, bis sie sich niederlegen und wiederkäuen. Das kurze Herbstgras hat wenig Struktur und die Kühe müssen weniger wiederkäuen, es entsteht weniger Speichel, die gewünschte Pufferwirkung bleibt aus.» 

Früh genug umstellen

Eher älteres, strukturreicheres Futter müsse man auch vorlegen, weil Herbstgras viel Eiweiss habe, ergänzt Bühler. «Als Ergänzung zur Herbstweide sollte die Ration im Stall stabile Stärke enthalten wie im Mais.

Und zum Abschluss der Weideperiode rät der Fütterungsfachmann: «Man sollte nicht bis zur letzten Sekunde weiden oder eingrasen, denn je nach Wetter gehen auch die Weiden kaputt und das Futter verschmutzt. Zudem schwanken die Gehalte – man weiss nicht genau, was man füttert. Deshalb rate ich, früh genug auf die Winterfütterung umzustellen, das ist gut für die Kuh und gut für die Weide.»

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