30.09.2019 15:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehzucht
«Haiti verkörpert Zuchtziel perfekt»
Mit ihrer Langlebigkeit, ihrer Lebensleistung und ihren funktionellen Merkmalen ist Wyss Rudolph Haiti einen Ausnahmekuh. Doch hohe Lebensleistungen haben im Stall Markus und Susanne Wyss Tradition.

Markus Wyss aus Grasswil BE ist wohl allen Holsteinzüchtern und Viehzuchtbegeisterten bekannt als Besitzer von Wyss Rudolph Haiti. Die mittlerweile 21,5 Jahre alte Ausnahmekuh steht bei 199'488kg Lebensleistung – eine fast unglaubliche Zahl. 

Ein Generationenprojekt

Neben Haiti haben Markus und Susanne Wyss und ihre vier Kinder Michelle, Lukas, Laura und Stefanie noch 60 weitere Holsteinkühe im Stall stehen. Viehzucht ist bei Wyss’ Familiensache – und ein Generationenprojekt. «Mein Vater hat 1965 mit Simmentalern angefangen und in diese Red Holstein eingekreuzt. Ich habe dann schrittweise auf Holsteingenetik umgestellt, habe 2003 zu Holstein Switzerland gewechselt», erzählt Markus Wyss.

«Mit unserer Futtergrundlage ist viel Milch pro Kuh möglich, unser Stallschnitt liegt bei 12'000kg.» Dabei haben die Kühe während der Vegetationsperiode tagsüber freien Zugang zur Weide. Im Stall wird eine Mischration vorgelegt, deren Gehalt und Menge dem Verzehr auf der Weide angepasst wird. Die Weide wird zwei bis drei Mal im Jahr gemäht. 

Typisierte Kuhkälber

Die Mischration im Stall erhält auch Haiti, sie hat ebenfalls Zugang zu einer Weide. Doch, so Wyss: «Haiti hat im Stall eine Einzelboxe und einen eigenen Auslauf mit einer  Weide. Sie lebt nicht mehr mit den anderen Kühen im Laufstall. Dieses Extra hat sie sich verdient. Haiti ist nicht nur besonders alt, sie ist auch eine Art Vorbild für die anderen Kühe  – wenn Kühe denn Vorbilder sein können.

Sie verkörpert all die Merkmale, die Markus Wyss mit gezielten Anpaarungen auch bei seinen anderen Kühen erreichen möchte. Er lässt alle Kuhkälber typisieren. «Die genomischen Zuchtwerte haben dazu geführt, dass sehr schnell sehr viele neue Stiere kommen», stuft Markus Wyss die Entwicklung ein. «Das erschwert die Selektion. Wenn man sich aber damit beschäftigt, konnte man die funktionellen Merkmale in den letzten zehn Jahren massiv verbessern. Auch die Klauengesundheit – immer im Zusammenhang mit den hohen Leistungen.» 

Gesext oder Mastrasse

50 Prozent der Kühe werden gesext besamt – davon 10 Prozent mit genetisch hornlosen Stieren – und 50 Prozent mit Mastrassensperma. «Das macht die Selektion effizienter. Wir hätten nicht die Stallplätze, um von allen Kühen die Nachkommen aufzuziehen», erklärt Markus Wyss. «Wir wollen eine funktionelle, problemlose Herde mit nicht zu grossen, langlebigen Kühen mit guten Beinen und guten Eutern, die viel Milch mit tiefen Zellzahlen und guten Milchgehalten geben», fasst er zusammen

Und ergänzt: «Wir handeln mit Vieh, meist verkaufen wir die Kühe nach der zweiten Abkalbung, und die Kühe müssen auch im Handel gut laufen.» Markus Wyss verfolgt  die Leistungen der verkauften Kühe, sofern sie bei Holstein Switzerland im Herdebuch bleiben: «Zwei, die ich verkauft habe, haben bereits 100'000kg Lebensleistung erreicht.» 

Haiti ist einmalig

Auch in seinem Boxenlaufstall sind neben Haiti weitere Kühe mit sehr hohen Lebensleistungen, etwa Wyss Iota Bellamie, die in der fünften Laktation bei 101'000kg steht. Einige der zwölf 100'000er-Kühe, die Markus Wyss bereits gezüchtet hat, stammen aus der Kuhfamilie von Haiti, einer sehr speziellen Kuhfamilie: «Die Mutter von Haiti, Wyss Trimbo Hassa, war eine 120'000-kg-Kuh, eine Tochter von Haiti erreichte 100'000kg, und eine Grosstochter von ihr, Wyss Blaide Herta, ist jetzt in der achten Laktation bei 130'000kg angelangt. Auch eine Schwester von Haiti gab über 100'000kg.»

Doch über allen stehe die Leistung von Haiti: «Was Haiti in ihrem Leben geleistet hat, ist einmalig, da ist Glück und Zufall im Spiel. Seit sie sie im Februar 2014, also vor 5 Jahren, letztmals gekalbt hat, hat sie 47'358kg Milch am Stück gegeben, stets mit einer guten Milchqualität. Natürlich wissen wir nicht, wie lange wir sie noch melken können.»

Familiensache Viehzucht

Die Anpaarungsplanung ebenso wie die Auswahl der zu verkaufenden Kühe wird in der Familie Wyss diskutiert. Michelle, die älteste Tochter von Markus und Susanne, studiert an der Hafl Agronomie, Lukas hat Landwirt gelernt und möchte den Betrieb übernehmen.

«Thema bei uns am Familientisch ist Tierzucht und die Herde, wir haben keinen Ackerbau», sagt Markus Wyss. «Wir sind kein Schaubetrieb und möchten im Handel gute Preise lösten, da braucht es keine grossen Schaukühe, sondern rund 1,55m grosse, funktionelle und produktive  Kühe. Genau so wie Haiti.»

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