6.01.2020 16:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zug
Gross-Stall: Gemeinde gegen Petition
Die Familie Schuler möchte für ihre Jersey-Kühe in Hünenberg ZG einen neuen Stall mit rund 450 Kuhplätzen bauen. Eine Petition will dies verhindern. Die Gemeinde will dieser aber keine Folge leisten.

In der Innerschweiz schlägt ein Stallbauprojekt seit Sommer 2018 hohe Wellen. Die Familie Schuler aus Hünenberg ZG möchte ihren Betrieb Drälikon erweitern. Dazu plant sie einen Neubau. Das Projekt «Chueweid» ist gemäss Schulers optimal abgestimmt auf Wirtschaftlichkeit, Tierwohl und Natur.

Alle Tiere unter einem Dach

Heute werden auf dem Betrieb 300 Jersey-Milchkühe und 200 Stück Jungvieh gehalten, mit dem Stallneubau soll die Kuhzahl auf 400 bis 450 Tiere ansteigen plus das Jungvieh. Die Galtkühe und ein Teil des Jungviehs befinden sich an verschiedenen Orten. Mit dem Stallneubau würden alle Tiere unter dem gleichen Dach untergebracht. 

Der Verein «Fluid Spirit» ist damit nicht einverstanden. Dieser begann Unterschriften zu sammeln. Die Petition wurde vom 17. August 2019 bis 31. Oktober 2019 von 12'397 Menschen unterzeichnet, wovon 1'387 aus Hünenberg stammen.

Petition will Vergrösserung verhindern

Die Petition verlangt, dass jegliche Erweiterung oder Vergrösserung sowie entsprechende Umzonungen und Sonderregelungen im Zusammenhang mit dem Bauernhof «Chueweid» in Drälikon untersagt werden. «Die Petenten ersuchen weiter, mehr Transparenz zu schaffen und zu berücksichtigen, dass diesbezügliche Massnahmen dem Volkswillen dienen sollen und nicht lediglich den Bauern, der Wirtschaft und in diesem Sinne der Interfarm GmbH», schrieb der Gemeinderat am Freitag in einer Mitteilung.

Er lehnt die Petition ab. «Der Gemeinderat hat keine Möglichkeit, ein Projekt, das sich an die geltenden Gesetze hält, von vorneherein zu verhindern, wie dies von den Petenten verlangt wird», heisst es weiter. Zudem hat die Gemeinde eine Stellungnahme von Landwirt Martin Schuler eingeholt. 

Anzahl Kühe vom Verein verdoppelt

Der Landwirt hält darin fest, dass eine Umsiedlung der Milchviehhaltung aus der Gewässerschutzzone höchste Priorität hat. Bei dem vom Verein «Fluid Spirit» kritisierte Projekt handelt es sich gemäss Schuler um ein Vorprojekt im Rahmen der Planungsphase. Die Visualisierung des Projekts durch den Verein sei überdimensioniert. Zudem sei vom Verein die Anzahl Kühe verdoppelt worden.

«Der geplante Neubau ist eine gigantische Tierfabrik, welche es so in der Schweiz noch nie gegeben hat», heisst es in der Petition. Der «gewaltige Neubau» schaffe Platz für 1040 Kühe. Hierbei handelt es sich wohl um Zahlen, die die Stiftung Landschaftsschutz (SL) im Sommer 2018 ins Spiel brachte. Schuler selbst sprach aber immer von 400 bis 450 Kühen.

Gemeinde an Verlegung des Betriebs interessiert

Die Gemeinde Hünenberg ist «grundsätzlich» an einer Verlegung des Milchwirtschaftsbetriebes aus der Grundwasserschutzzone interessiert. «Der Gemeinderat ist sich aber auch bewusst, dass es sich dabei um ein ausgewogenes Projekt handeln muss, das sich gut in die Landschaft einfügt und den Interessen aller Beteiligten bestmöglich Rechnung trägt», heisst es weiter.

Zudem gibt der Gemeinderat den Kritikern mit auf den Weg, dass sie sich im Rahmen der vorgeschriebenen öffentlichen Mitwirkung sowie im Rahmen der vorgeschriebenen öffentlichen Mitwirkung Rechtsmittel zur Verfügung stehen. 

Existenz des Betriebs sichern

Im vergangenen September sagte Schuler, dass im neuen Stall Kühe und Jungtiere Platz finden sollen. «Den zusätzlichen Platz brauche ich, um den Kühen mehr Liegefläche zu bieten. Damit haben sie viel mehr Platz, als es das Minimum der Tierschutzregeln vorsieht», erklärte er gegenüber der «Zuger Zeitung». 

Am Neubauprojekt will Schuler festhalten. Es gehe darum, die Existenz des Betriebs zu sichern. Noch ist es aber ein langer Weg. Schuler geht davon aus, dass er alle Grundlagen für sein Projekt im Laufe dieses Jahres zusammengetragen hat.

Interfarm

Die Interfarm GmbH wurde 2012 von Martin Schuler für die künftige Bewirtschaftung des Familienbetriebes gegründet. 2013 wurde der Betrieb Drälikon von Bruno Schuler an die Interfarm mit seinem Sohn Martin als Geschäftsführer verpachtet. 

Die Interfarm betrachtet sich als Produzent von gesunden und nachhaltig erzeugten Nahrungsmitteln. Ihre Kernkompetenz liegt in der Milchproduktion mit Jerseykühen. Der grösste Teil der Milch wird derzeit in die Industrie geliefert. Künftig soll die gesamte Milch über Interfarm direkt vermarktet werden. -> Hier gehts zur Website ges geplanten Stalls

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