10.07.2020 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Forschung
Gehen Kühe bald auf Toilette?
Können Kühe «stallrein» werden und somit die Umwelt entlasten und sich selbst besser vor Erkrankungen schützen? Wissenschaftler von mehreren Hochschulen haben das Ausscheidungsverfahren untersucht. Sie haben eine «Kuhtoilette» entwickelt.

Haustiere sind in der Regel stubenrein und selbst Schweine suchen, wenn möglich, eine abgelegene Stallecke für ihr Geschäft auf. 

Bis 40 Kilo Kot

Ganz anders sieht es bei den Kühen aus, heisst es in einer Mitteilung des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN). Diese verrichten ihren «Toilettengang» dort, wo sie sich gerade aufhalten. Das habe negative Folgen für die Umwelt und die Tiere selbst, heisst es weiter. Die dabei entstehenden Ammoniakemissionen sind klimarelevant. 

Würden die Rinder eine Latrine nutzen, wo Urin und Kot getrennt würde, könnten die Emissionen deutlich vermindert werden. Ein verschmutzter Stall wirkt sich gemäss den Forschern auch ungünstig auf die Klauen- und Eutergesundheit der Tiere aus. Auch Reinigungsaufwand ist erheblich grösser. Denn eine erwachsene Milchkuh produziert pro Tag durchschnittlich 20 bis 30 Liter Urin und 30 bis 40 Kilogramm Kot.

Kälber lernen Toilettengang

Die Forscher kommen zum Schluss, dass auch Rinder über die Intelligenz und die neurophysiologischen Grundlagen verfügen, einen Toilettentraining zu absolvieren. Die praktische Umsetzung des Toilettentrainings wird zurzeit mit den Partnern aus Celle und Neuseeland am FBN untersucht.  Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Neuroscience and Biobehavioral Reviews veröffentlicht. 

Trainiert wird in eigens für Kälber errichteten Latrinen, die mit einem durchlässigen grünen Belag versehen sind, der gleichzeitig als Spritzschutz fungiert. Urinausscheidungen ausserhalb der Latrine werden mit einer kurzen Dusche bestraft, wohingegen sie in der Latrine nach einer Urinausscheidung belohnt werden. Mehr dazu im Video

Verhalten wird belohnt

«In einem ersten Schritt wollten wir untersuchen, inwieweit Kühe überhaupt auf ein kontrolliertes Ausscheidungsverhalten trainiert werden können», sagt Jan Langbein, Projektleiter am FBN. «Das ist insgesamt ein sehr komplexer Vorgang. Diese Frage können wir aber inzwischen mit einem klaren Ja beantworten, das haben die aktuellen Experimente mit den Kälbern gezeigt».

Dabei hat sich die Lernmethode, die auf eine Belohnung bei gewünschtem Verhalten setzt, bewährt. «Eine entscheidende Rolle wird die praxistaugliche Integration in den Stallalltag spielen», macht Langbein deutlich.

Integration Stallalltag als Knacknuss

Hier steht der internationale Durchbruch noch aus, obwohl Wissenschaftler in Dänemark, England, Estland, Australien, Kanada und den Niederlanden daran seit längerem forschen. Deshalb wollen die Wissenschaftler aus Dummerstorf mit ihren Forscherkollegen in Celle und Neuseeland einen grossen Schritt weiterkommen. 

«Wenn wir es wirklich schaffen, die Intelligenz der Tiere für eine Einrichtung von Kuhtoiletten in der Praxis zu nutzen, würden alle profitieren: Die Kühe, die Tierhalter und die Umwelt», so Projektkoordinator Lars Schrader.

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