8.05.2018 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milch
«Futterimport täuscht Konsument»
Der Präsident der Schweizer Käsespezialisten, Hans Aschwanden, wünscht sich noch mehr Nachhaltigkeit und Swissness bei der Milch. Der Bergkäser möchte, dass die ganze Branche stärker auf Fütterung mit einheimischem Gras setzt.

Der oben stehende Artikel «3,5%-Fett-Vollmilch ist Konsumententäuschung» vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst wurde auf www.schweizerbauer.ch auch online gestellt. Hans Aschwanden, Käser in Seelisberg UR und Präsident des Käserverbands Fromarte, hat dazu einen Onlinekommentar hinterlassen. Er schrieb: «Aber Schweizer Milch aus durchschnittlich 15% ausländischem Futter und mit ausländischer Genetik ist auch Konsumententäuschung.» 

Für das Schweizer Gras 

Die Zahl von 15% Importfutter bei der Milch hat Aschwanden bereits an der Delegiertenversammlung der Fromarte genannt. Damals sagte er, eine Reduktion der Futterimporte würden auch helfen, die Milchmenge im Griff zu haben. Er wünscht sich einen national einheitlichen Nachhaltigkeitsstandard für eine bessere Positionierung der gesamten Schweizer Milchbranche. 

Aschwanden ist überzeugt: Schweizer Kühe sollen Schweizer Futter fressen, und zwar vor allem Gras. Er hat dabei die Erwartungen der Konsumenten im Blick. Dass er ein Anhänger der Original Braunen ist, ist bekannt. Zum «Schweizer Bauer» sagte er einst: «Die braune Kuh verkörpert die Schweiz stärker als die Holsteinkuh.» Er selbst zahlt seinen Milchlieferanten in Seelisberg UR um die 85 Rp./kg. 

«85% ist für alle Tiere» 


Woher hat Aschwanden die Zahl von 15% Importfutter für die Schweizer Milch? Auf Anfrage sagt er, er habe diese Zahl von landwirtschaftichen  Organisationen gehört. Martin Rufer, Departementsleiter beim Schweizer Bauernverband, sagt: «Für die gesamte Tierproduktion, nicht für die Milchproduktion, haben wir 85% Schweizer Futter und 15% Futter aus dem Ausland.» 

Das Futter für das Milchvieh lasse sich nicht vollständig vom Futter für die Grossviehmast abgrenzen. Rufer schätzt den Wert fürs Milchvieh auf rund 90% Schweizer Futter. Er betont: «85% und erst recht 90% Schweizer Futter sind ein sehr hoher Wert, erst recht, wenn man an den Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln von nur rund 50% denkt.»

«Genau hinschauen» 

Für die Branchenorganisation Milch (BOM)gibt Geschäftsführer Stefan Kohler dazu Auskunft: «Es gibt keine genaue Zahl, wie hoch der Anteil importiertes Futter an der Schweizer Milchproduktion ist.» Die BOM bearbeite dieses Thema in ihrem Projekt Monitoring Mehrwerte. «Wir haben bereits festgestellt, dass man bei der Publikation von Zahlen sehr genau hinschauen muss, worauf sie sich beziehen. Denn es wird heute noch nicht unterschieden, wohin das importierte Raufutter geht», so Kohler. Die Statistik unterscheide nicht zwischen Milchkühen, anderen Tieren der Rindergattung, Schweinen und Geflügel. «Wir möchten diese Differenzierung aber machen», betont der BOM-Geschäftsführer. 

«Bedarfsgerecht füttern»

Kohler selbst findet, die Diskussion um den Anteil ausländisches Futter in der Milchproduktion gehe ohnehin in die falsche Richtung. «Und die Tatsache, dass wir im Vergleich zum Ausland im Durchschnitt einen sehr hohen Anteil Raufutter in der Ration haben, ist unbestritten und sollte uns stolz machen», streicht Kohler heraus. Es gebe zudem ein gesundes Mass an Kraftfutter für die Milchkühe. Dieses Mass sei von Kuhtyp, Raufutterqualität und Leistungsniveau abhängig. Man dürfe also den Anteil Kraftfutter nicht per se schlechtreden. 

Kohler weist darauf hin, dass zum Ausgleich der Ration und somit zur artgerechten Haltung von Milchkühen es in den meisten Fällen einen gewissen Anteil an Ergänzungsfutter brauche. «Alles andere wäre nicht tiergerecht. Denn die Milchviehzucht der vergangenen Jahrzehnte hat zu Kühen geführt, die ein gewisses Leistungsniveau erreicht haben, und dazu gehört auch Kraftfutter», erklärt Kohler. «Wenn man so weit gehen würde, dass man nur noch Schweizer Produkte auszeichnen darf, wenn die vorgelagerte Wertschöpfung komplett aus der Schweiz kommt, müsste man wohl den grössten Teil unserer Agrarprodukte ‹entschweizern›», so Kohler.   

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE