22.01.2020 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Anbindestall
Freispruch für den Anbindestall
Nationalrätin Meret Schneider (Grüne, ZH) hat kein Problem mit dem Anbindestall, wenn er mit dem Raus-Programm kombiniert wird. Doch der elektrische Kuhtrainer würde mit ihrer Initiative verboten.

«Verbot der Anbindehaltung» war bis vor Kurzem auf der Website des Komitees für die Massentierhaltungsinitiative zu lesen. Entsprechend war eine Konfrontation zu erwarten gewesen, als Initiantin, Tierschützerin, Tierrechtlerin, Veganerin und Neo-Nationalrätin Meret Schneider (Grüne, ZH) einer Einladung der IG Anbindestall folgte.

Mit Raus kombinieren

Doch es kam anders. Nach einem Besuch des Anbindestalls von Martin Schrepfer in Wald ZH, in dem 50 behornte Original-Braunvieh-Kühe untergebracht sind, sagte Schneider: «Ich habe gar nichts auszusetzen. Das ist ein absolut vorbildlicher Stall. Die Kühe machen mir einen guten Eindruck.» Sie könne das von ihrem Freizeit-Engagement auf einem Lebenshof, wo sie ehemalige Nutztiere pflege, durchaus beurteilen.

Wichtig ist aber die Einschränkung: «Wir von der Initiative gegen Massentierhaltung haben absolut nichts gegen den Anbindestall für Kühe, solange dieser mit dem Tierwohlprogramm Raus kombiniert ist.» Das auf der Website genannte Verbot sei nicht aktuell, es gehe auf einen Irrtum zurück, versicherte Schneider. 

«Viehtrainer ist nötig»

Trotzdem herrschte nur draussen eitel Sonnenschein an der Sitzung der IG Anbindestall im Panorama-Restaurant Bachtel-Kulm. In drei Punkten erkannten die Vertreter der IG nach Schneiders wohlwollender Beurteilung des Anbindestalls und Vorstellung ihrer Initiative Konfliktpunkte. Erstens verlange die Initiative bezüglich Würde des Tieres mindestens den Stand der Richtlinien der Bio Suisse im Jahr 2018. Diese verböten aber den elektrischen Viehtrainer, wie IG-Vizepräsident Beat Haldimann aus Signau BE bemerkte.

IG-Präsident Konrad Klötzli aus Achseten BE betonte: «Der Viehtrainer im Anbindestall muss in jedem Fall erlaubt bleiben. Denn es gibt bislang keinen ebenbürtigen Ersatz.» Zweitens hielt ein Anwesender fest, er könne im Winter wegen fehlenden Winterdienstes auf einer Strasse das Raus-Programm nicht einhalten. Und da sei er nicht der Einzige, und neue Ställe seien enorm teuer.

Gegenvorschlag im Gespräch

Schneider aber sagte: «Es mag hart klingen. Aber das Raus-Programm muss sein bei der Anbindestallhaltung.» Betrieben, die sich anpassen müssten, sollte in ihren Augen finanziell geholfen werden. Zudem gebe es eine Übergangszeit von 25 Jahren. Drittens bemerkte einer, dass Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli kürzlich die Vision geäussert habe, dass unter der Knospe keine Kühe mehr im Anbindestall gehalten würden.

Schon heute sei ja dieser bei Bio nur noch in Absprache geduldet. Es wurde deutlich: Auch wenn der Initiativtext  sich auf die Richtlinien von 2018 bezieht, ist es möglich, dass in der Umsetzung durch die Behörden spätere Verschärfungen der Richtlinien berücksichtigt würden. Anderrseits gibt es Spielraum, weil laut Schneider ein Gegenvorschlag im Gespräch ist. Sie solle sich dabei auf Bundesbio stützen, riet ihr ein Landwirt.  

Kein Mortellaro

Im Stall von Martin Schrepfer hatten zuvor Klötzli, Haldimann und Adelheid Graf aus Bleiken BE die Vorteile des Anbindestalles erläutert. «Schauen Sie, wie die Kühe auf dem vielen Stroh weich liegen, das ist wie ein Wasserbett, und wie sauber die Tiere sind und wie gesund die Klauen», so Klötzli. Die Klauenkrankheit Mortellaro sei insbesondere in Laufställen, wo nicht sauber gemistet werde und die Kühe oft im Nassen ständen, ein riesiges Tierwohlproblem.

Beim Fressen und Saufen gebe es im Anbindestall unter den Kühen kein Mobbing. Und alt würden die Kühe im Anbindestall, lobte Klötzli, er selbst habe fast zwanzigjährige Kühe gehabt. Die Tiere würden beim Rauslassen und Einstallen jeweils umarmt. Der Ammoniakausstoss sei im Anbinde- zweieinhalbmal geringer als im Laufstall. Beim Bestand gebe es im Anbindestall auch eine Grenze gegen oben, 50 Kühe wie hier bei der Familie Schrepfer stellten wohl das Limit dar, Massentierhaltung sei von vornherein ausgeschlossen. Und auch Klötzli sagte: «Raus und Weide gehören zum Anbindestall, das halten wir hoch.» 

Mercosur

Am Ende der Veranstaltung fragte Nationalrätin Meret Schneider (Grüne, ZH) die anwesenden Vorstandsmitglieder der IG Anbindestall, ob die IG das Referendum gegen das ausgehandelte Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten unterstützen werde. Besonders Aussagen von aktiven Bäuerinnen und Bauern wären in der Kampagne wertvoll. Wenn sie Bauernverbandspräsident und Nationalrat Markus Ritter (CVP, SG) auf das Mercosur-Abkommen darauf anspreche, so weiche der aus. Offenbar halte er sich alle Optionen offen. Die SVP werde für den Mercosur-Deal sein, das könne sie voraussagen, denn die Pharma- und Maschinenindustrie der Schweiz könne dann mehr liefern. IG-Präsident Konrad Klötzli antwortete, der Vertrag liege noch nicht vor, die IG habe sich nicht damit befasst. «Aber für das Abkommen sind wir nicht», stellte Klötzli klar. sal

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