14.08.2020 12:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Viehzucht
«Es macht Freude, Kühe lange zu haben»
Zum fünften Mal in Folge erfüllte Melchior Müller 2019 die Anforderungen ans Betriebsmanagement von Swissherdbook. Dies mit Lebensleistungen seiner Kühe von mehr als 33'000kg und tiefen Zellzahlen von 76'000/ml.

Eigentlich hätte Melchior Müller aus Buttwil AG heute an der Swisscow 2020 von Swissherdbook geehrt werden sollen – und zwar für eine ganz besondere Leistung. Als einer von nur fünf Züchtern erfüllte er 2019 zum fünften Mal in Folge die Anforderungen an das Betriebsmanagement (siehe Kasten). Und dies teilweise deutlich. 

10'562kg pro Laktation

So hätten seine 25 Red-Holstein- und Holstein-Kühe, die 2019 einen Standardabschluss erzielten, nach den Vorgaben eine Lebensleistung von mindestens 25'000kg erreichen müssen. Tatsächlich lag diese im Schnitt bei hohen 33'463kg – dies mit einer durchschnittlichen Milchleistung von 10'562kg pro Laktation.

Die Anforderung an die Zellzahl beträgt im Schnitt höchstens 100'000/ml, Melchior Müller lag mit seinen Kühen bei tiefen 76'000/ml. Die weiteren Zahlen des Züchters und seiner Kühe: durchschnittlicher Fettgehalt 4,16 Prozent, durchschnittlicher Eiweissgehalt 3,33 Prozent, durchschnittliche Zwischenkalbezeit 414 Tage.

Speziell ist, dass die Kühe des Familienbetriebs, in dem auch Melchior Müllers Bruder Samuel, Frau Petra und seine Eltern Otto und Lisbeth mitarbeiten, in einem Anbindestall mit 28 Stallplätzen stehen. «Vor rund sechs Jahren haben wir ihn so umgebaut, dass die Kühe auf Tiefstrohmatratzen liegen können und etwas mehr Platz haben», erzählt der Züchter. Er mischt etwas Kalk unter den Stroh, weil er die Hygiene verbessert und die Matratze bindet. 

Fütterung der Kühe ist einfach

Hygiene sei ein wesentlicher Faktor, wenn es um tiefe Zellzahlen geht, betont Melchior Müller, der diesbezüglich aber konsequent ist: «Wenn eine Kuh trotz Behandlung schlechte Milch gibt, muss sie gehen. Dies, bevor sie andere Kühe ansteckt.» Der Betriebsleiter, der den Hof vor sechs Jahren von den Eltern übernommen hat, betreibt auch noch Ackerbau – er baut Mais für die Kühe und Weizen an – und züchtet Freiberger.

«Die Fütterung der Kühe ist einfach», betont er diesbezüglich. «Wir füttern noch von Hand. In der Vegetationsperiode sind die Kühe pro Tag zwei bis vier Stunden auf der Weide. Das ist gut für die Fitness. Im Stall füttern wir ganzjährig Gras- und Maissilage und zwei Mal pro Tag etwas Kraftfutter. Wichtig ist, dass die Kühe zum Abschluss der Fütterung immer genug Heu haben.»

Fokus auf Milchgehalt

Bei der Wahl der Stiere achten Melchior Müller, der noch auswärts arbeitet, und sein Vater Otto in erster Linie auf den Milchgehalt. Zum Einsatz kommen momentan Stiere wie Airolo und Attico sowie gewisse Teststiere von Swissgenetics.

Alle Geehrten

Swissherdbook vergibt an der Swisscow Auszeichnungen an die Mitglieder und deren Kühe – etwa für das Betriebsmanagement, Goldmedaillen, Kühe mit 125'000, 150'000 und 175'000kg Lebensleistung, vier Generationen oder mehr EX-Einstufungen sowie für Kühe mit Multiple EX 4E. -> Hier finden Sie die Züchter und Kühe

«Unsere älteste Kuh ist 14-jährig, hat aktuell ihre 11. Laktation abgeschlossen und erreicht somit eine Lebensleistung von 111'000kg mit einem durchschnittlichen Gehalt von 4,18 Prozent Fett und 3,13 Prozent Eiweiss.» Das züchterische Erzielen einer hohen Milchleistung sei heute kein Problem mehr, betont er. «Die grössere Kunst ist, dem Leistungsniveau bei der Fütterung gerecht zu werden.»

Bolus und Vitamine

Seit drei Jahren verabreicht er den Kühen beim Trockenstellen einen Bolus, der über die kritische Periode Mineralstoff abgeben und so Kuh und Kalb stärken soll. Älteren Kühen spritzt er zusätzlich Vitamin D3. «So bleiben die Kühe gesund und langlebig, was nicht nur wirtschaftlich ist. Es macht auch Freude, wenn man lange die gleichen Kühe im Stall hat.»

Betriebsmanagement: Das zählt

Die Anforderungen von Swissherdbook für die Ehrung fürs Betriebsmanagement:

  • Mindestens 10 Laktationsabschlüsse pro Jahr
  • Durchschnittlicher Eiweissgehalt mindestens 3,3 Prozent
  • Durchschnittliche Lebensleistung mindestens 25'000kg
  • Durchschnittliche Zellzahl höchstens 100'000/ml 
  • Durchschnittliche Zwischenkalbezeit nach Leistung: höchstens 415 Tage bei einem Betriebsdurchschnitt von 10'000kg und mehr, höchstens 400 Tage bei 9250kg und mehr, höchstens 385 Tage bei einem Betriebsdurchschnitt unter 9250kg.

Die Auszeichnungen gehen an 1 Prozent der Betriebe, und an fünf Züchter zum fünften Mal in Folge: BG Lustenberger + Krummenacher, Hasle LU; BG Thomet + Schmid, Rosshäusern BE; Werner Dennler, Bleienbach BE; Urs Lüscher, Busswil BE; Melchior Müller, Buttwil AG. 

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