16.06.2019 07:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Melken
«Es brauchte Mut, den A2 zu kaufen»
Die THG Bieri-Märki in Untersiggenthal AG milkt ihre 60 Holsteinkühe mit einem Lely-Roboter. Das seit 20 Jahren. Es war der erste Betrieb der Schweiz, auf dem mit einem Astronaut A2 das automatische Melken Einzug hielt.

Vor 20 Jahren begann in der Schweiz ein neues Zeitalter. Damals kauften Max Bieri und Ernst Märki, die zusammen eine Tierhaltergemeinschaft führten, den ersten Melkroboter der Schweiz. Installiert wurde er auf dem Betrieb Steinenbühl in Untersiggenthal AG.

Direkt von Lely Holland

«Der Grund war, dass es im Zug der Zuammenlegung der Kuhbestände eine neue Melktechnik brauchte», erinnert sich Roman Bieri, Sohn von Max und heutiger Betriebsleiter. «Peter Boss von der Firma B&M organisierte 1998 eine Hollandreise – und als sie heimkamen, war der Roboter gekauft.» Der Roboter wurde direkt von Lely Holland verkauft, weil es das heutige Lely Center Suisse noch gar nicht gab. 

Lely Suisse, eine Tochtergesellschaft von Lely Holland, entstand erst sechs Monate später. Tiziano Ziliani von Lely: «Lely Holland wählte den Betrieb, auf dem die ‹Revolution der Milchviehhaltung› stattfinden sollte, sorgfältig aus. Es sollte bezüglich Tierbestand und Management kein durchschnittlicher Betrieb sein. Und die THG Bieri-Märki hatte damals schon rund 40 Kühe mit einer Durchschnittsleistung von 10'000kg.»

Ohne Sicherheit

Roman Bieri erinnert sich: «Es war komplettes Neuland für uns, am Anfang hatten wir Servicetechniker von Deutschland. Während in der Schweiz die Strukturen im Aufbau waren, gab es Höhen und Tiefen mit dem Support. Und es brauchte Mut von meinem Vater und Ernst Märki, eine Viertelmillion Franken zu investieren ohne die Sicherheit, dass die Maschine zuverlässig läuft. Heute habe ich diese Sicherheit, das hat Lely x-fach bewiesen, der Service läuft einwandfrei. Es ist elementar, dass subito jemand vor Ort ist, wenn es bei der Technik eine Panne gibt.»

Name aus dem Weltall

Den ersten Roboter weltweit nahm Lely 1992 in Holland in Betrieb. Das war der Astronaut A1. Ziliani: «Der Begriff Astronaut kommt vom Astronaut-Zitzenbecher, der wie ein Astronaut im All immer vertikal am Strich der Kuh hängt.» Der erste Roboter in der Schweiz war der Astronaut A2 in Untersiggenthal. Roman Bieri: «Er lief ungefähr zehn Jahre, dann wurde er durch den A3 ausgetauscht. Dieser läuft noch heute.»

Wie Tiziano Ziliani weiss, gibt es Betriebe, die seit 20 Jahren mit dem gleichen Roboter, einem A2, melken. «Das sind bei 50 Kühen über eine Million Melkungen und über 10 Mio. Kilo Milch – es gibt kaum eine Maschine, die mehr leistet.»

Vom Astronaut A3 zum A5

Hauptunterschied zwischen dem Astronaut A3 und dem A4 ist das I-Flow. Beim A4 und den neuen A5 kann die Kuh gerade durch den Roboter laufen, und beim A3 muss sie seitwärts hinein und seitwärts hinaus. Der A5 hat im Vergleich zum A4 zusätzlich einen Hybridarm, den nicht nur pneumatisch, sondern auch elektrisch angetrieben wird. Tiziano Ziliani von Lely: «Bezüglich Hardware wird sich bei den Robotern nicht mehr viel ändern, was erneuert wird, ist vor allem die Software.» sum

Keine Investitionen

Die THG Bieri-Märki hält heute rund 60 Holsteinkühe, Durchschnittsleistung gut 10000kg Milch. Der Stall wurde 1987 gebaut und dann in Etappen erweitert. Gefüttert wird eine Ganzjahres-TMR mit vorwiegend Gras- und Maissilage. Im Sommer werden die Kühe geweidet. «Das Tor ist offen, die Kühe können selber rein und raus», erzählt Roman Bieri. «Im Schnitt haben wird  dennoch rund 2,5 Melkungen pro Tag.» Er lässt die Kühe um sechs Uhr morgens auf die Weide. «Für die Kühe ist es gut, sich draussen bewegen zu können», ist er sich sicher. «Ab dem Mittag sind sie wieder im Stall.» 

Obschon der A3 von Lely auch bereits seit zehn Jahren im Einsatz ist, denkt Roman Bieri nicht daran, auf ein neueres Modell zu wechseln. «Derzeit sind keine Investitionen in die Milchviehhaltung geplant», sagt er, «bei den aktuellen Milchpreisen lohnt sich das nicht.» So sei auch nicht geplant, den Milchviehbestand zu vergrössern. «Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass der  Astronaut A3 nicht auch seine 20 Jahre macht.» 

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