11.05.2018 15:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Emmi
Emmi: Bauern als Botschafter
100 von 6000 Produzenten stellen sich und ihren Hof vor. Mit «Bauern als Botschafter» will Emmi die Milchbauern stärker ins Zentrum stellen. Der Weg von Emmi ist klar: Sie will eine dem Grasland Schweiz angepasste Milchproduktion. Der Milchverarbeiter schreibt, Nachhaltigkeit soll sich im Milchpreis niederschlagen.

Das Verhältnis zwischen Emmi und den Bauern ist zuweilen auch angespannt. In der Kritik stehen die Vergütungen der Chefetage und des Verwaltungsrates. Zudem wurden auch die von Emmi ausbezahlten Milchpreise kritisiert. 

Bezüglich Milchpreis schreibt Emmi auf der Nachhaltigkeits-Website zur Milchproduktion: Emmi stelle Forderungen an die Bauern und hierbei mache man sich nicht nur beliebt. Und einige die Faust im Sack machen. Beim Zankapfel Milchpreis gäbe es Kritik. «Obwohl die unabhängig erhobenen Zahlen zeigen, dass wir einen überdurchschnittlichen Milchpreis bezahlen», schreibt der Molkereikonzern.

Vor Weko verantworten

Jüngst gelangte der Zürcher Bauernverband (ZBV) an die Wettbewerbskommission. Grund: Missbrauch der Marktstellung. Mit der Beschaffung von billiger Milch (C-Milch) wolle Emmi seine Marge weiter verbessern, schreibt der ZBV Beanstandung. Emmi missbrauche ihre Marktmacht und setze unangemessene Übernahmebedingungen durch.

Der Milchverarbeiter wehrt sich und sagt, dass die Lieferanten der Lieferung von C-Milch freiwillig zugestimmt haben. Und das Problem der Überschüsse sei nicht gelöst. Emmi hat auf Entlastungen im Mai und Juni verzichtet.

100 Bauern stellen sich vor


Am Freitag ging Emmi nun bei der Öffentlichkeitsarbeit in die Offensive. Die Innerschweizer verarbeiten rund 1 Millionen Tonnen Milch (Gesamtproduktion Schweiz: 3.5 Mio. Tonnen) und sind somit die klare Nummer eins in der Schweiz. «Wer sich für entscheidet, entscheidet sich auch für die Schweizer Bauern», titelt der Konzern in einer Medienmittelung.

Das Unternehmen hat sämtliche 6000 Lieferanten bis Ende 2017 angeschrieben, ob sie sich den Konsumenten vorstellen würden. Über 100 Bauern haben sich gemeldet – sie stellen sich und den Hof vor. Mit «Bauern als Botschafter» will Emmi die Milchproduzenten stärker ins Zentrum stellen.

Hoftafel

Den Konsumenten soll aufgezeigt werden, woher die Milch in den Produkten von Emmi kommt, schreibt das Unternehmen. Die Bauern stellen den Hof mit Daten und Bildern vor. Somit erhalten die Produkte von Emmi ein Gesicht. Sie erhalten als Botschafter eine ansprechende Hoftafel. «So sieht jedermann, dass die Milch dieses Hofes zu Emmi geht», so der Milchverarbeiter. «Milch steht immer wieder auch in der Kritik. Der Konsum ist rückläufig. Wenn wir zeigen, woher die Milch kommt und glaubwürdig darstellen, wie hoch die Qualität ist, hilft das, ein positives Image zu gestalten», sagt Manuel Hauser, Leiter Einkauf Emmi Schweiz.

Wer seinen Hof einem grösseren Publikum präsentieren möchte, kann zusätzlich an einem Wettbewerb teilnehmen. In einer Online-Wahl werden zwölf Botschafter ermittelt. Diese werden in der Zeitschrift "Schweizer Illustrierte" vorgestellt. Alle Botschafter erhalten einen Preis

Emmi konnte 2017 den Umsatz um 3,2 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken steigern. Etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes, nämlich 1,7 Milliarden Franken, erzielte Emmi in der Schweiz. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg 2017 um 1.6 %, von 202.7 Mio. Fr. auf 205.8 Mio. Fr. Der Reingewinn erhöhte sich um 21 Millionen auf 161.6 Millionen Franken Dies ergab eine Reingewinnmarge von 4.8 % (2016: 4.3 %). Der Umsatzanteil, den Emmi im Heimmarkt realisiert, ist 2017 von 53 auf 51 Prozent gesunken.

Nachhaltigkeit soll sich in Milchpreis niederschlagen

Auf einer Website zur Nachhaltigkeit können sich die Konsumenten informieren. Es kommen auch Exponenten des Konzerns zu Wort. Das tönt dann so: «Die Nachhaltigkeit von Milchprodukten steht und fällt mit der Herstellung der Milch: In der Landwirtschaft entstehen die grössten Umweltauswirkungen. Gleichzeitig sind die wirtschaftliche Situation der Bauern und das Wohl der Tiere wichtige Nachhaltigkeitsthemen. Wir bei Emmi wollen die nachhaltigsten Milchlieferanten haben», lässt sich Manuel Hauser, Verantwortlicher «Nachhaltige Milch», zitieren.

Nachhaltigkeit sei eine Möglichkeit, um ein Milchprodukt mit Mehrwert zu schaffen. «Ein Mehrwert für den Konsumenten, der bereit ist, dies mit einem höheren Preis zu belohnen. Und dies kann und soll sich auch in einem höheren Milchpreis niederschlagen», schreibt Emmi.

Grasland Schweiz angepasste Milchproduktion

Emmi haben untersuchen lassen, was für die Konsumenten Nachhaltigkeit in der Milchproduktion heisst. Am wichtigsten war den Konsumenten der Weidezugang für die Tiere, gefolgt von der Reduktion von Antibiotika und der Haltung der Tiere in Laufställen. Emmi ist sich auch sicher, welchen Weg sie einschlagen will. «Für uns ergab sich plötzlich ein ganz klares Bild von der idealen Milchproduktion: die dem Grasland Schweiz angepasste Milchproduktion», schreibt Emmi auf der Website.

«Das impliziert für uns robuste, langlebige, standortangepasste Milchkühe, die viel Auslauf oder Weidegang erhalten und möglichst wenig teures Kraftfutter oder aufwändige Pflege (Arbeit, Medikamente) benötigen, um hauptsächlich für den Menschen unverdaubares Gras in gehaltvolle Milch zu verwandeln», so die unmissverständliche Botschaft.

Emmi und WWF finanzieren Studie

Im Umkehrschluss heisst das, dass die Raufutterverzehrer nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung stehen dürfen. Emmi hat zusammen mit WWF Schweiz im Rahmen einer Partnerschaft einen Auftrag vergeben, um einen geeigneten Indikator zu entwickeln, der die Flächenkonkurrenz der Milchviehfütterung wiedergibt. Agroscope und HAFL entwickeln ein Indikatorensystem und testen es an 24 Milchproduktionsbetrieben.

Das Projekt «Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz in der Milchproduktion» läuft von Januar bis Dezember 2018 und wird von Emmi, den Schweizer Milchproduzenten (SMP), den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und dem WWF Schweiz finanziell unterstützt. Die Ergebnisse werden publiziert und der Milchbranche zur Verfügung gestellt.

Bis 2020 höherer Standard

Emmi will bei der Milchproduktion auf Nachhaltigkeit setzen. «Wir wollen, dass 2020 jegliche Milch in Schweizer Emmi Produkten einen hohen Nachhaltigkeitsstandard erfüllt», heisst es auf der Website. Um zu eruieren, wo die Bauern stehen, hat Emmi bei seinen Direktlieferanten eine Umfrage durchgeführt.

600 Bauern haben die Fragen beantwortet. 89 Prozent erfüllen ein zusätzliches Tierwohllabel. So erfüllten 83 Prozent den Standard Raus (regelmässiger Auslauf im Freien). 53 Prozent machen beim BTS-Standard (besonders tierfreundliches Stallhaltungssystem) mit. Lediglich 11 Prozent machen bei keinem Label mit.

Emmi zieht daraus das Fazit, dass viele Lieferanten bereits nachhaltig unterwegs sind. «Dies ist eine hervorragende Ausgangslage, um bis 2020 nur noch nachhaltige Schweizer Milch verarbeiten zu können», betont Emmi.

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