30.10.2018 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Ein Ort, wo Kühe lange Milch geben
Etwas oberhalb des früheren Standorts im Areal des Wiedlisbacher Heimzentrums Dettenbühl ist eine neue Siedlung entstanden. Die Familie Allenbach hat neu gebaut und öffnet am nächsten Wochenende ihre Türen.

Malerisch ist die Aussicht von der Terrasse im Bodenacher über das Mittelland und die Berge von den Freiburger Alpen bis zum Pilatus. Doch für Hansruedi und Marianna Allenbach und ihr Team ist die Zeit rar, um dies geniessen zu können. Nach einer fünfjährigen Planungsphase fand vor einem Jahr der Spatenstich für die Aussiedlung statt.

Langjähriger Vertrag

«Von der Genossenschaft Oberaargauisches Pflegeheim bekamen wir die Chance, einen langfristigen Pachtvertrag bis 2075 zu erhalten. Im Gegenzug mussten wir im Baurecht neue Betriebsgebäude samt Wohnhaus erstellen», schildern Allenbachs die Ausgangslage. Denn das Heim Dahlia will ein Demenzdorf errichten. Und da ist der Bauernhof im Heimareal nicht mehr passend. «Für uns war das schon eine Herausforderung. Denn als Pächter konnten wir beispielsweise keine Landreserven einwerfen», so der Meisterlandwirt. 

Als der Standort, der in der Juraschutzzone liegt, klar war, reagierten alle Behörden kooperativ. Schon zehn Monate nach dem Spatenstich konnte der Stall bezogen werden. Die Mast von jährlich 450 Schweinen wurde aufgegeben. Dafür werden Kälber und Rinder ausgemästet und teils über den schon früher aufgebauten Kundenstamm direkt vermarktet.

54 Meter x 35 Meter

Der 54 Meter lange und 35 Meter breite Laufstall für die 55 Kühe kommt fast ohne Stützen aus. «Ich will mit dem Kran die Einstreu in die Boxen einbringen können.» Der Standort ist windexponiert. Deshalb war es für Allenbach wichtig, die Lüftung an den vier Seiten des Stalls automatisch steuern zu können. Die Firma Aubry konnte diese Anforderung mit lichtdurchlässigen Blachen erfüllen. 

Die Iglus der Kälber sind in einem früheren Carport untergebracht. Sie werden mit dem Milchtaxi getränkt. Gemolken wird in einem 25-GEA-Melkstand mit automatischer Milchmengenmessung. «Ich möchte die Kühe jeden Tag zweimal sehen und kann zudem die Klauen waschen, um Mortellaro unter Kontrolle zu haben. Deshalb melkt bei uns kein Roboter.»

Sechs 100'000er-Kühe

Für die zwei Heulagerräume mit einem Volumen von bis 1400 m3 gibt es Gründe: «Nebst der Teilmischration braucht meine Kuh täglich gutes Heu», ist Allenbach überzeugt. Die Resultate geben ihm recht: Seit 2004, als er die Pacht antrat, haben schon sechs Kühe 100'000 kg Milch (eine siebte Kuh steht kurz davor) gegeben, drei schon über 150'000 kg. Dies obwohl der Verkauf von Nutzvieh nicht unbedeutend ist. 

Und wie geht es «good old lady» Rubens Ingrid mit fast 170'000 kg Leistung? «Sie fühlt sich wohl im neuen Laufstall. Anfänglich hatte sie Gelegenheit, sich im Abkalbestall auszuruhen, doch auf die Sonderbehandlung verzichtete sie nach ein paar Tagen.»

Tag der offenen Türen: Samstag/Sonntag 3. und 4. November, jeweils von 9 bis 17 Uhr.

Der Betrieb

Der Betrieb Allenbach in Wiedlisbach umfasst 78ha landwirtschaftliche Nutzfläche, wovon 28 ha extensive Alpweide sind am Glutzenberg, etwa 20 Minuten vom Hof entfernt. Diese wird im Sommer mit Rindern bestossen und von einem Alphirten und dessen Familie betreut. Auf dem Betrieb arbeiten nebst Betriebsleiterpaar Hansruedi und Marianna Allenbach zwei Lehrlinge, zurzeit Sohn Marc, stundenweise Tochter Melanie und Hansruedis Vater mit. 

Die 55 Red-Holstein- und Holstein-Kühe produzieren 450'000 kg Milch, die als Direktlieferung zu Emmi gehen. Rund 25'000 kg werden im Heim verbraucht sowie 35'000 kg für die Aufzucht und Kälbermast. Zwei Drittel der Kühe werden mit Fleischrassenstieren besamt. Die Kälber werden gemästet, die Stiere bis zur Schlachtreife im Betrieb gehalten. Die Zuchtkühe werden fast ausschliesslich mit gesexten Jungstieren besamt. Aktuell sind dies Achilles, Echo, Bad, Redstream, Silvio und der geprüfte Secretariat. ral

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