4.06.2019 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchproduktion
Drei Koppeln am Tag dank Smart Gate
Bei der Vollweide sind die Kühe Tag und Nacht auf der Weide. Damit sie regelmässig den Roboter aufsuchen und sich melken lassen, und damit sie immer frisches Futter haben, braucht es ein ausgeklügeltes System.

Andreas Bucher aus Rain LU führt einen Vollweidebetrieb. Derzeit sind die 60 Kühe – Milchleistung 7000kg – Tag und Nacht auf der Weide. Sie kommen nur zum Melken in den Stall. Das Besondere: Gemolken werden sie von einem Melkroboter, genauer einem VMS von DeLaval.

Viele Milchproduzenten zweifeln bereits, ob sich ein Melkroboter und ein stundenweises Weiden kombinieren lassen. Bucher beweist, dass sogar Roboter und Vollweide möglich sind. Dazu müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Das ABC-System

Urs Schmid von DeLaval erklärt: «Das Vollweidesystem im Griff zu haben, ist die grössere Herausforderung als den Roboter im Griff zu haben.» Andreas Bucher hat es im Griff. Er arbeitet mit dem ABC-System. Das heisst, er stellt den Kühen in 24 Stunden drei frische Koppeln zur Verfügung. So gehen die Kühe freiwillig zum Melken und wissen, dass sie alle acht Stunden auf eine neue Weide dürfen.»

Der Betrieb ist also in drei Sektoren, A, B und C, eingeteilt. In jeden Sektor führt ein breiter, guter Weideweg. Die Sektoren sind wiederum in verschiedene Weiden unterteilt. Pro Weidefläche gibt es zwei bis drei Portionen. Die Kühe kommen im Schnitt alle acht Stunden in einen neuen Sektor. Das variiert je nach Saison. Das Smart Gate, das intelligente Selektionstor von DeLaval, lässt sich über den PC entsprechend einstellen.

Kosten tief halten

Bevor sie in einen neuen Sektor und damit ins frische Gras dürfen, müssen die Kühe jeweils zurück in den Stallbereich. Dort gibt es kein Futter, nur etwas Stroh, Viehsalz und Mineralstoffe. Dazu im Roboter etwas Lockfutter. Bucher: «Mit diesem System kann ich die Kosten tief halten. Die Kühe wissen genau, wann sie frisches Gras bekommen und dass sie bis dahin gemolken sein müssen, um durch das Smart Gate zu kommen.» Tatsächlich erreichen die Kühe derzeit im Schnitt 2,2 Melkungen pro Tag.  

«Das Selektionstor richtig zu programmieren ist essenziell», sagt Urs Schmid. «Wichtig ist auch, dass die Wege, die vom Tor wegführen,  stimmen, damit die Kühe immer auf die richtige Koppel kommen.» 

Freiwilliges Melken

Die Kunst bei der Vollweide mit Roboter ist, dass die Kühe nicht zu viel und nicht zu wenig Futter auf der Weide haben. Schliesslich müssen sie regelmässig  freiwillig in den Stall zurück, um sich melken zu lassen. Kühe, die früh von der Weide zurückkehren, können zwar wieder auf die alte Weide zurück – aber noch nicht auf die neue. Bucher und Schmid betonen aber: «Die Kühe lernen das System sehr schnell kennen und liegen noch in die Liegeboxen, bis das Tor umschaltet auf die neue Weide.»

Selektionstor erteilt Weideberechtigung

DeLaval hat vergangene Woche einen Kurs zur Weide mit Melkroboter durchgeführt. Urs Schmid spricht von einem grossen Interesse bei den 42 anwesenden Bauern: «Mittlerweile setzt sich die Überzeugung durch, dass sich Weidehaltung und Roboter nicht ausschliessen. Sei es nur eine Bewegungs-Therapie-Weide, eine Halbtagesweide oder eben sogar eine Vollweide.

Laut Schmid lassen 70 Prozent der Roboterbetriebe die Kühe in irgend einer Form auf die Weide. «Wirklich Vollweide betreiben drei.» Ein Selektionstor – es kostet 9000 bis 12'000 Franken – ist ideal, wenn man Roboterkühe weiden will. Es ist 1:1 mit dem Roboter gekoppelt und erteilt kuhindividuell die Weideberechtigung. Es geht aber auch ohne, wenn man die Kühe stets nur eine Stunde auf die Weide lässt. sum

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