7.01.2014 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Literatur
Die Kuh – das Wappentier der Schweizer Herzen
Die Heimatkuh, die Politkuh, die Medienkuh, die Werbekuh, die Souvenirkuh, die Kunstkuh – alle kommen sie im neuen Buch vor.

«Unsere liebe Kuh»: Unter diesem Titel steht die Einleitung, in der Autor Marc Valance feststellt: «Die Kuh ist das inoffizielle Wappentier der Schweiz, das Wappentier der Schweizer Herzen.» Sie sei Maskottchen, Repräsentantin der ländlichen Schweiz, Stolz der Bauern, die sie seit Generationen züchten, ja das Grundtier unserer Kultur.

«Mit ihr verbinden wir Begriffe wie Mütterlichkeit, Wärme, Friedfertigkeit, Liebe», schreibt Valance. Ihr Symbolwert sei unschätzbar und für viele Zwecke zu nutzen.

Die Kuh steht für Heimat

Als «Heimatkuh» steht die Schweizer Kuh für Brauchtum. Aber nicht nur von den Holzkühen in städtischen Kinderzimmern ist die Rede, es heisst auch: «Der Züchter sieht sich selbst in seiner Kuh, weil sie sein Werk ist. Sie steht ihm mit ihrer Wärme und Langsamkeit, ihrem langen, intensiven Blick, mit ihrer Geduld und Duldsamkeit gegenüber und nah.» Seine Herde sei seine zweite Familie, immer gerecht sei die Kuh, ehrlich und fair, wird ein Appenzeller Züchter zitiert. Illustriert ist dies mit einer Foto, die einen Buben zeigt, der sich zu einer Kuh gelegt hat und sie am Kopf streichelt.

In der Kuh werde aber auch das Weibliche gesehen, mit dem erotischen Blick auf sie würden ihr Attribute der weiblichen Welt zugeordnet. Die Beste an einer Viehschau sei nicht die Beste, sondern die Schönste, eine «Miss». Dieser Aspekt ist abgebildet durch  Grand Champion Macky Miranda, mit der die erste Braunviehkönigin Barbara Rohrer posiert.

Lovely als Werbekuh

Die zahlreichen Fotografien, Karikaturen, Werbeplakate und Abbildungen aus früheren Jahrhunderten sind jeweils eingeleitet von kurzen, schwungvollen Texten, die auch kritische Fragen, etwa zur Hochleistungszucht, stellen. Die Medien stellten mit Kuhbildern gerne dar, wie das Ländliche auf das Städtische pralle: Ein Fernseher steht im Kuhstall, der Melker melkt und sieht dabei fern – eine Segelregatta.

Unter den «Werbekühen» darf natürlich Lovely von den Schweizer Milchproduzenten nicht fehlen – «Milch macht schlank, rank, stark und fit». Als «Souvenirkühe» sind sowohl kunstvoll geschnitzte Holzkühe wie auch banale Plastikkühe abgebildet. Die «Politkuh» ist auch weit verbreitet: Die Kuh stellte in Karikaturen nicht nur den Bundesstaat dar, an dem die Kantone säugen, auch die Schweiz, die als EU-Mitglied von den anderen EU-Ländern gemolken würde.

Die hängige «Milchkuh-Initiative» der Strassenlobby führt ja dieses Bild bereits im Titel. Sogar auf einem Plakat der Seetal-Standortförderung war einst neben den Worten «Deutsche Unternehmer zahlen hier keine Steuern» eine behornte Simmentaler Kuh gross abgebildet. Die Vielfalt der Abbildungen ist enorm und bietet spannende Einblicke in die Kuh als nationales Symbol.

Die Schweizer Kuh. Kult und Vermarktung eines nationalen Symbols. Von Marc Valance. 220 Seiten, 240 Abbildungen. Verlag hier+jetzt. 59 Fr. ISBN 978-3-03919-291-5

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